Taube Menschen haben das gleiche Recht auf eine gute Beratung wie Hörende. Gerade bei Hörgeräten ist dies entscheidend, denn die Geräte sind teuer, komplex und prägen den Alltag über viele Jahre. Doch wie barrierefrei sind eigentlich die Hörgeräteakustiker?
Deaf24 startet deshalb eine neue Serie: „Akustiker im Test“. Unser Ziel ist es, offen zu berichten, wo Taube Menschen gut behandelt werden – und wo nicht.
Den Auftakt machte ein Härtetest bei Nohe Hörgeräte in Würzburg. Das Ergebnis: Der Akustiker fiel klar durch.
Der Test: Redaktionschef sucht neues Hörgerät
Unser Redaktionschef, selbst taub und dringend auf ein neues Hörgerät angewiesen, suchte bei Nohe Hörgeräte in Würzburg Beratung. Sein jetziges Gerät ist über acht Jahre alt – ein Austausch längst überfällig.
Doch er wollte nicht nur Technik ausprobieren, sondern auch herausfinden:
- Wie kommuniziert das Geschäft mit Gehörlosen?
- Gibt es Geduld und Verständnis?
- Wie barrierefrei ist die Beratung wirklich?
Kommunikation als erste Hürde
Schon beim Betreten des Geschäfts stellte sich das Hauptproblem:
Der Deaf24 als Taube Kunde fragte freundlich, ob der Akustiker Gebärdensprache beherrscht. Die Antwort: Nein.
Darauf bat er, langsam und deutlich zu sprechen. Doch der Akustiker sprach weiterhin schnell. Erst nach mehrfacher Bitte bemühte er sich, das Tempo zu reduzieren.
Für Gehörlose ist das Alltag: Immer wieder müssen sie erklären, dass langsames, deutliches Sprechen nötig ist – und stoßen dabei auf Unverständnis.
Augenrollen und Nervosität
Als der Redaktionschef fragte, warum ein Hörgeräteakustiker keine Gebärdensprache könne, rollte der Akustiker mit den Augen. Eine kleine Geste, die viel aussagt: Gehörlose fühlen sich dadurch nicht ernst genommen.
Die Situation wurde zunehmend angespannt. Der Redaktionschef machte klar: „Sie gehen schlecht mit Gehörlosen um, weil Sie nicht langsam und deutlich sprechen.“
Der Akustiker reagierte gereizt und fragte, ob der Kunde seine Zeit verschwende. Dieser verneinte und betonte: „Es geht nicht um Zeit, sondern um mein Recht auf verständliche Beratung.“
Die Beratung im Büro
Im Beratungszimmer ging es weiter. Ein zweiter Mitarbeiter von Nohe war ebenfalls dabei.
Statt einer klaren Fachberatung geschah Folgendes:
- Der Akustiker legte ein kleines Hörgerät mit Ohrpassstück wortlos auf den Tisch.
- Auf die Nachfrage, ob dieses Modell für hochgradigen Hörverlust (95 %) geeignet sei, kam keine Antwort.
- Mehrmalige Bitten um Beratung blieben erfolglos.
Als der Redaktionschef schließlich ein Ultimatum stellte – entweder Beratung oder ein Bericht für die Presse – blieb der Akustiker unsicher und sprachlos. Am Ende brach der Kunde den Termin ab und verließ das Geschäft.
Warum Nohe Hörgeräte durchfällt
Der Test zeigte mehrere Probleme:
- Keine Gebärdensprache – und keine Bereitschaft, Alternativen wie Schriftkommunikation aktiv anzubieten.
- Mangelndes Einfühlungsvermögen – Augenrollen und nervöses Verhalten wirken respektlos.
- Schwache Kommunikation – langsames, deutliches Sprechen wurde nicht konsequent umgesetzt.
- Fehlende Fachberatung – Fragen zu Geräten für hochgradigen Hörverlust blieben unbeantwortet.
- Gefühl der Ungleichbehandlung – Gehörlose Kunden wurden nicht als gleichwertige Kunden behandelt.
Für ein Fachgeschäft, das mit hörbehinderten Menschen arbeitet, ist dieses Ergebnis enttäuschend.
Das Recht der Gehörlosen
Gehörlose und schwerhörige Menschen haben das gleiche Recht auf Beratung wie Hörende. Dazu gehört:
- Geduld und Zeit bei der Kommunikation
- Deutliches und langsames Sprechen
- Auf Wunsch schriftliche Informationen
- Klare Antworten auf alle Fragen
- Respektvoller Umgang ohne abwertende Gesten
Nohe Hörgeräte Würzburg konnte diese Grundlagen im Test nicht erfüllen.
Serie geht weiter: Weitere Tests geplant
Deaf24 wird die Serie „Akustiker im Test“ fortsetzen. Geplant sind Besuche bei:
- Trabert
- Abele
- Jopp und Gerber
- Geers
Wir wollen herausfinden, welche Geschäfte barrierefreie Beratung bieten und welche nicht. Ziel ist eine Orientierung für die Deaf-Community: Wo sind Gehörlose willkommen? Wo nicht?
Tipps für Gehörlose beim Hörgeräte-Akustiker
Damit Gehörlose sich besser auf solche Termine vorbereiten können, hier einige Empfehlungen:
- Vorher anmelden – schon bei der Terminbuchung klar sagen, dass man taub ist und Gebärdensprache oder langsames Sprechen benötigt.
- Fragen aufschreiben – so geht keine wichtige Information verloren.
- Vertrauensperson mitnehmen – falls möglich, jemanden zur Unterstützung dabei haben.
- Apps nutzen – Spracherkennungs-Apps können gesprochene Sprache in Text umwandeln.
- Mehrere Anbieter testen – nicht beim ersten Geschäft aufgeben, sondern vergleichen.
- Erfahrungen teilen – andere Gehörlose profitieren, wenn gute oder schlechte Erlebnisse offen berichtet werden.
Fazit
Der Härtetest bei Nohe Hörgeräte in Würzburg hat gezeigt: Barrierefreie Beratung für Gehörlose ist dort nicht vorhanden. Weder Kommunikation noch Fachberatung waren zufriedenstellend.
Für Gehörlose bedeutet das: Sie müssen selbstbewusst auftreten, Vergleiche ziehen und ihre Rechte einfordern. Deaf24 wird mit weiteren Tests dafür sorgen, dass diese Missstände öffentlich sichtbar werden – und dass Gehörlose klar zeigen: Wir lassen uns nicht kleinmachen.

