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Gebärdensprache: Muss jeder gleich gebärden?

by info@deaf24.com

Deaf24-Kommentar: Warum unterschiedliche Gebärden nicht automatisch ein Problem sind

Ein gehörloser Vlogger hat sich in einem Video mit einem wichtigen Thema beschäftigt: Wie lernen hörende Menschen Gebärdensprache von gehörlosen Menschen?

Viele gehörlose Menschen zeigen auf Instagram, TikTok, YouTube oder anderen Plattformen einzelne Gebärden, Sätze oder ganze Bereiche der Deutschen Gebärdensprache (DGS). Hörende Menschen können dadurch direkt von gehörlosen Menschen lernen.

Das ist grundsätzlich eine gute Entwicklung. Gehörlose Menschen können ihre Sprache selbst zeigen und erklären. Hörende Menschen bekommen dadurch einen direkten Zugang zur Gebärdensprache und zur Gehörlosen-Community.

Der Vlogger sieht dabei jedoch ein Problem.

Seine Beobachtung: Nicht alle gehörlosen Menschen gebärden ein Wort genau gleich. Eine Gebärde kann in einem Video etwas anders aussehen als in einem anderen Video. Für Menschen, die gerade DGS lernen, kann das möglicherweise verwirrend sein.

Diese Kritik kann man verstehen.

Aber Deaf24 stellt eine andere Frage:

Muss eine Gebärde wirklich bei jedem Menschen exakt gleich aussehen, damit die Kommunikation funktioniert?

 

Menschen gebärden unterschiedlich

Deaf24 ist der Meinung: Nein.

Menschen gebärden nicht alle gleich. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches.

Jeder Mensch hat seine eigene Art, sich auszudrücken. Dazu kommen regionale Unterschiede, persönliche Gewohnheiten und unterschiedliche Erfahrungen mit Sprache.

Ein gehörloser Mensch kann eine Gebärde etwas anders ausführen als ein anderer gehörloser Mensch.

Die Bewegung kann etwas größer oder kleiner sein. Die Geschwindigkeit kann unterschiedlich sein. Auch der persönliche Ausdruck kann sich unterscheiden.

Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Person „falsch“ gebärdet.

Sprache besteht schließlich nicht nur aus einem einzigen festen Bewegungsablauf.

 

Ein Vergleich mit der deutschen Sprache

Ein Vergleich mit der gesprochenen deutschen Sprache kann helfen.

Auch hörende Menschen sprechen Deutsch nicht alle gleich.

Es gibt Dialekte.

Es gibt regionale Wörter.

Es gibt Umgangssprache.

Es gibt unterschiedliche Aussprache.

Es gibt persönliche Ausdrucksweisen.

Ein Mensch aus Bayern kann anders sprechen als ein Mensch aus Norddeutschland. Ein Mensch aus Nordrhein-Westfalen kann andere Wörter benutzen als jemand aus Sachsen.

Trotzdem sprechen alle Deutsch.

Und meistens können sie sich miteinander verständigen.

Auch beim Schreiben gibt es Unterschiede.

Zwei Menschen können denselben Inhalt mit unterschiedlichen Wörtern und unterschiedlichen Sätzen ausdrücken.

Der eine schreibt kurz.

Der andere schreibt ausführlicher.

Der eine benutzt ein bestimmtes Wort.

Der andere benutzt ein anderes Wort.

Das bedeutet nicht automatisch, dass einer von beiden die deutsche Sprache nicht beherrscht.

Unterschiede gehören zu einer lebendigen Sprache.

Das gilt auch für Gebärdensprache.

 

DGS ist eine richtige Sprache

Dabei darf aber eine Sache nicht vergessen werden:

Die Deutsche Gebärdensprache ist nicht einfach eine Sammlung von Handbewegungen.

DGS ist eine eigenständige Sprache.

Sie hat eigene sprachliche Strukturen und eine eigene Grammatik.

DGS ist deshalb auch nicht einfach gesprochenes Deutsch, das mit den Händen dargestellt wird.

Wer DGS lernt, lernt eine Sprache.

Gleichzeitig bedeutet eine eigene Grammatik nicht, dass jede einzelne Gebärde bei jedem Menschen genau gleich aussehen muss.

Eine Sprache kann Regeln haben und trotzdem unterschiedliche Varianten kennen.

Genau diese Unterscheidung ist für die Diskussion wichtig.

 

Es gibt nicht nur eine Gebärdensprache auf der Welt

Auch international gibt es nicht nur eine einzige Gebärdensprache.

Viele Länder und Regionen haben eigene Gebärdensprachen.

In Deutschland wird die Deutsche Gebärdensprache verwendet.

Andere Länder haben andere Gebärdensprachen.

Auch innerhalb einer Gebärdensprache kann es Unterschiede geben.

Gebärden können regional unterschiedlich sein. Manche Varianten werden von bestimmten Gruppen häufiger benutzt. Sprache kann sich außerdem im Laufe der Zeit verändern.

Deshalb wäre es unrealistisch zu erwarten, dass alle gehörlosen Menschen immer exakt dieselbe Gebärde verwenden.

 

Niemand sollte gehörlosen Menschen vorschreiben, wie sie gebärden

Für Deaf24 ist dieser Punkt besonders wichtig.

Niemand sollte gehörlose Menschen dazu zwingen oder ihnen verbieten, ihre Sprache auf ihre eigene Weise zu verwenden.

Gehörlose Menschen haben das Recht, ihre Sprache zu benutzen und sich auszudrücken.

Natürlich kann und soll es beim Erlernen von DGS gute Standards geben.

In Kursen, Lehrbüchern und professionellen Lernangeboten brauchen Anfänger Orientierung. Sie müssen wissen, welche Formen vermittelt werden und wie die Sprache aufgebaut ist.

Aber ein Standard im Unterricht bedeutet nicht automatisch, dass alle Menschen im Alltag exakt gleich gebärden müssen.

Standardisierung und sprachliche Vielfalt sind keine Gegensätze.

Ein DGS-Kurs kann eine bestimmte Form vermitteln.

Ein gehörloser Mensch kann im Alltag trotzdem eine andere regionale oder persönliche Variante verwenden.

 

Der Vlogger hat trotzdem einen wichtigen Punkt

Deaf24 möchte die Kritik des Vloggers nicht einfach ablehnen.

Denn für Menschen, die DGS gerade lernen, können unterschiedliche Gebärden tatsächlich schwierig sein.

Stellen wir uns einen Anfänger vor.

Er sieht auf Instagram ein Video.

Dort wird eine bestimmte Gebärde gezeigt.

Später sieht er ein zweites Video.

Dort sieht dieselbe Gebärde anders aus.

Der Anfänger fragt sich vielleicht:

„Welche Gebärde ist jetzt richtig?“

Diese Unsicherheit ist verständlich.

Deshalb wäre es sinnvoll, wenn DGS-Lernvideos möglichst genau erklären, wenn es verschiedene Varianten gibt.

Zum Beispiel:

„Diese Gebärde wird häufig verwendet.“

Oder:

„Es gibt auch eine regionale Variante.“

Oder:

„Für diesen Begriff gibt es mehrere Gebärden.“

Damit bekommt der Lernende wichtige Informationen.

 

Unterschiede erklären statt Unterschiede bekämpfen

Genau hier sieht Deaf24 eine bessere Lösung.

Es sollte nicht darum gehen, unterschiedliche Gebärden grundsätzlich als Problem darzustellen.

Es sollte darum gehen, Unterschiede verständlich zu erklären.

Gehörlose Content Creator können dabei eine wichtige Rolle spielen.

Wenn sie Hörenden eine Gebärde zeigen, können sie – wenn es sinnvoll ist – kurz darauf hinweisen, dass es auch andere Varianten gibt.

Das hilft den Lernenden.

Gleichzeitig bleibt die sprachliche Vielfalt erhalten.

Damit profitieren beide Seiten.

Wichtiger als „gleich“ ist „verstanden“

Für Deaf24 ist die wichtigste Frage deshalb nicht:

„Gebärden alle Menschen exakt gleich?“

Die wichtigere Frage lautet:

„Können die Menschen miteinander kommunizieren?“

Wenn zwei Menschen eine unterschiedliche Variante verwenden, können sie sich trotzdem verstehen.

Wenn etwas unklar ist, kann man nachfragen.

Eine Gebärde kann wiederholt werden.

Man kann einen anderen Ausdruck verwenden.

Man kann einen Zusammenhang erklären.

Kommunikation besteht außerdem nicht nur aus einer einzelnen Gebärde.

Auch Gesichtsausdruck, Mimik, Körperhaltung, Bewegung, Satzaufbau und der Zusammenhang spielen eine wichtige Rolle.

Deshalb sollte man Gebärdensprache nicht nur als eine Liste von einzelnen Gebärden betrachten.

 

Gehörlose Menschen sind keine einheitliche Gruppe

Auch die Gehörlosen-Community selbst ist vielfältig.

Nicht alle gehörlosen Menschen haben denselben sprachlichen Hintergrund.

Manche wachsen früh mit DGS auf.

Andere lernen DGS erst später.

Manche Menschen verwenden DGS hauptsächlich im Alltag.

Andere benutzen zusätzlich viel Schriftsprache oder Lautsprache.

Auch das persönliche Umfeld kann die Sprache beeinflussen.

Deshalb ist es normal, dass Menschen unterschiedliche sprachliche Erfahrungen haben.

Die Vorstellung, dass alle gehörlosen Menschen exakt gleich gebärden müssten, würde diese Vielfalt nicht berücksichtigen.

 

Es gibt wichtigere Probleme

Deaf24 stellt deshalb auch die Frage nach den Prioritäten.

In der Gehörlosen-Community gibt es viele Probleme, die unmittelbare Auswirkungen auf den Alltag haben.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • fehlende Barrierefreiheit
  • zu wenige Gebärdensprachdolmetscher
  • Probleme bei Behörden
  • Kommunikationsprobleme im Gesundheitswesen
  • fehlende Informationen in DGS
  • Schwierigkeiten bei Notrufen
  • fehlende barrierefreie Dienstleistungen
  • Probleme beim Zugang zu wichtigen Informationen
  • mangelnde Verständigung zwischen gehörlosen und hörenden Menschen

Diese Themen können für gehörlose Menschen sehr viel wichtiger sein als die Frage, ob eine bestimmte Gebärde in zwei Videos exakt gleich aussieht.

Natürlich darf auch über Sprache diskutiert werden.

Aber Diskussionen sollten nicht dazu führen, dass andere wichtige Probleme weniger Aufmerksamkeit bekommen.

 

Social Media verändert den Zugang zur Gebärdensprache

Social Media hat die Situation außerdem verändert.

Früher mussten Menschen, die DGS lernen wollten, häufig einen Kurs besuchen oder ein Buch verwenden.

Heute können sie innerhalb weniger Minuten zahlreiche Videos von gehörlosen Menschen finden.

Das ist eine große Chance.

Gehörlose Menschen können selbst Wissen vermitteln.

Sie können ihre Sprache zeigen.

Sie können ihre Erfahrungen teilen.

Hörende Menschen können dadurch einen direkten Einblick in die Gebärdensprachgemeinschaft bekommen.

Natürlich gibt es dabei auch Herausforderungen.

Nicht jedes Video ist automatisch ein professioneller Sprachkurs.

Nicht jeder Content Creator ist DGS-Lehrer.

Nicht jedes Video erklärt regionale Varianten oder sprachliche Besonderheiten.

Deshalb sollten Lernende verschiedene Quellen nutzen und bei Unsicherheiten professionelle DGS-Angebote hinzuziehen.

 

Vielfalt ist kein Zeichen von Chaos

Deaf24 sieht deshalb einen wichtigen Unterschied.

Wenn verschiedene Menschen unterschiedliche Gebärden verwenden, bedeutet das nicht automatisch, dass die Gebärdensprache „chaotisch“ oder „uneinheitlich“ ist.

Eine lebendige Sprache kann gemeinsame Regeln besitzen und gleichzeitig Vielfalt zeigen.

Das ist auch bei gesprochenen Sprachen selbstverständlich.

Niemand würde behaupten, dass Deutsch keine richtige Sprache ist, nur weil Menschen in Bayern anders sprechen als in Hamburg.

Warum sollte man bei Gebärdensprache deshalb einen anderen Maßstab verwenden?

 

Das Fazit von Deaf24

Der gehörlose Vlogger spricht ein Thema an, das durchaus diskutiert werden kann.

Für Menschen, die DGS lernen, sind klare und zuverlässige Informationen wichtig.

Hier können Standards, gute Kurse und gut erklärte Lernvideos helfen.

Aber Deaf24 hält es für überzogen, aus unterschiedlichen Gebärdensprachvarianten grundsätzlich ein großes Problem zu machen.

Nicht jede unterschiedliche Gebärde ist eine falsche Gebärde.

Nicht jeder Unterschied ist ein Kommunikationsproblem.

Und vor allem:

Niemand sollte gehörlosen Menschen vorschreiben oder verbieten, wie sie ihre eigene Sprache verwenden.

DGS kann Regeln und Strukturen haben und gleichzeitig regionale, persönliche und soziale Unterschiede zeigen.

Menschen gebärden unterschiedlich.

Trotzdem können sie sich verstehen.

Deshalb sollte die Diskussion nicht nur darum gehen, ob alle exakt gleich gebärden.

Die Gehörlosen-Community hat viele andere wichtige Themen und Barrieren, die konkrete Lösungen brauchen.

Sprache lebt von ihren Menschen.

Vielfalt ist nicht automatisch ein Problem.

Manchmal ist Vielfalt einfach ein Teil der Sprache.

Bild: KI generiert

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