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Gebärdensprache lernen: VHS oder Hochschule besser?

by info@deaf24.com

Immer mehr Menschen möchten die Deutsche Gebärdensprache (DGS) lernen. Manche wollen mit gehörlosen Familienmitgliedern besser kommunizieren, andere brauchen die Sprache im Beruf – zum Beispiel in der Pflege, in Behörden oder in der Schule. Doch wo soll man lernen? In Deutschland gibt es zwei Hauptangebote: Kurse an Volkshochschulen (VHS) und Kurse an Hochschulen (z. B. Universitäten oder Fachhochschulen). Viele stellen sich die Frage: Was ist besser – VHS oder Hochschule?

In diesem Artikel erklären wir beide Möglichkeiten. Wir zeigen Vorteile, Nachteile, geben Tipps – und helfen dir, die passende Entscheidung zu treffen.

Was ist eine VHS?

Die Volkshochschule ist eine öffentliche Einrichtung. Fast jede Stadt oder jeder Landkreis hat eine VHS. Dort gibt es viele Kurse – nicht nur Gebärdensprache, sondern auch Fremdsprachen, Computer, Musik, Kochen oder Yoga. Die VHS ist offen für alle. Man muss keine bestimmte Ausbildung haben. Auch gehörlose Menschen können dort Kurse besuchen oder unterrichten.

Vorteile der VHS:

  • Offen für alle: Man braucht keine Schule oder Studium.
  • Oft günstig: Die Preise sind meist zwischen 100 und 250 Euro pro Kurs.
  • Kurse am Abend: Gut für Berufstätige.
  • Anfängerfreundlich: Viele Grundkurse.

Nachteile der VHS:

  • Unterschiedliche Qualität: Jede VHS entscheidet selbst, wer unterrichtet.
  • Keine einheitliche Prüfung: Es gibt selten DGS-Zertifikate oder Prüfungen.
  • Weniger Struktur: Oft fehlt ein klares Lernsystem mit Stufen wie A1, A2 usw.

 

Was ist ein DGS-Kurs an der Hochschule?

Einige Hochschulen bieten DGS-Kurse für ihre Studierenden an – zum Beispiel als Wahlfach. Manche Hochschulen öffnen diese Kurse auch für externe Teilnehmer, also Menschen von außerhalb. Die Kurse sind meistens gut organisiert und werden von Fachleuten geleitet. Es gibt klare Lernziele, Lehrpläne und manchmal sogar Prüfungen.

Vorteile der Hochschule:

  • Gute Struktur: Die Kurse folgen einem Lehrplan, oft nach dem Europäischen Referenzrahmen (GER).
  • Qualifizierte Dozent*innen: Viele haben eine Ausbildung oder Spezialisierung in DGS-Didaktik.
  • Teilnahmebescheinigungen oder Credit Points: Besonders nützlich für Studierende.
  • Günstiger als gedacht: Einige Hochschulen bieten Kurse ab 100 Euro an.

Nachteile der Hochschule:

  • Teilweise nur für Studierende: Externe müssen nachfragen.
  • Feste Zeiten: Weniger Flexibilität als VHS.
  • Anzahl der Plätze begrenzt: Schnell ausgebucht.

 

Wichtiger Punkt: Wer unterrichtet?

In beiden Einrichtungen – VHS und Hochschule – kann der Unterricht gut oder schlecht sein. Es kommt stark auf die Dozentin oder den Dozenten an. Besonders bei VHS-Kursen berichten Teilnehmer oft von Unterschieden:

Was bedeutet „qualifizierte DGS-Dozentin“?

Eine qualifizierte DGS-Dozentin hat eine pädagogische Ausbildung in Gebärdensprachunterricht. Sie kennt die DGS-Grammatik gut, kann Lerninhalte erklären, und weiß, wie man Anfänger unterstützt. Oft gibt es dafür eine Zertifizierung – zum Beispiel über die Uni Hamburg, DGUV oder andere Fortbildungen.

Was passiert, wenn die Dozentin keine Qualifikation hat?

Viele VHS-Kurse werden von gehörlosen Muttersprachler*innen geleitet – aber ohne spezielle Ausbildung. Das kann gut funktionieren, besonders wenn die Person motiviert ist, freundlich erklärt und die Kursteilnehmer motiviert. Es kann aber auch zu Problemen führen:

  • keine klare Struktur
  • keine Grammatik-Erklärung
  • Unterricht mit „Haus-Gebärden“ statt Standard-DGS

Gerade hörende Anfänger wissen dann oft nicht, ob sie richtig lernen.

 

Tipps für die Kurssuche

1. Frage nach der Qualifikation

Du darfst freundlich fragen:
„Hat die Dozentin eine Ausbildung oder Zertifizierung für DGS-Unterricht?“

2. Vergleiche Preise UND Inhalte

Ein Kurs mit 12 Terminen zu 90 Minuten für 130 Euro kann besser sein als ein Kurs mit 10 Terminen für 240 Euro – je nachdem, wie intensiv und professionell unterrichtet wird.

3. Lies Bewertungen oder Erfahrungsberichte

Oft schreiben frühere Teilnehmer online ihre Meinung – zum Beispiel auf VHS-Webseiten, Social Media oder Foren.

4. Teste einen Schnupperkurs

Einige Einrichtungen bieten kostenlose Schnupperstunden an. So kannst du sehen, ob dir der Stil gefällt.

5. Achte auf das Ziel des Kurses

Willst du DGS für die Familie lernen? Für den Beruf? Für ein Studium? Für jede Situation gibt es passende Kurse – frage nach dem passenden Niveau (A1, A2, B1).

 

Fazit: Was ist besser?

SituationEmpfehlung
Du bist Anfänger ohne VorkenntnisseVHS oder Hochschule – je nach Dozent
Du willst Zertifikate und PrüfungHochschule
Du brauchst flexible ZeitenVHS
Du willst strukturiertes LernenHochschule
Du willst einfach mal reinschnuppernVHS oder Hochschule

 

Unser Rat

Die Wahl hängt nicht nur vom Preis ab. Entscheidend ist, wer unterrichtet, was du brauchst, und wie du lernen möchtest. Gehörlose Dozent*innen ohne Qualifikation können gute Lehrer sein – aber ein klarer Lehrplan mit guter Erklärung ist oft besser für Anfänger.

Wenn du unsicher bist, frage nach – bei der VHS, bei der Hochschule oder direkt bei früheren Teilnehmern. Bildung ist wichtig – auch beim Thema Gebärdensprache. Jeder Mensch hat ein Recht auf gute, zugängliche Kurse.

 

Wenn du möchtest, kann ich dir auch helfen, einen Vergleich konkreter Kurse in deiner Region zu erstellen oder ein E-Mail-Anschreiben für eine Kursanfrage zu formulieren.

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