La Seyne-sur-Mer – Für gehörlose und schwerhörige Menschen sind Behördengänge oft schwierig. Viele Informationen werden mündlich gegeben. Nicht alle Mitarbeitenden können Gebärdensprache. Deshalb entstehen häufig Missverständnisse oder Kommunikationsprobleme.
Die französische Stadt La Seyne-sur-Mer hat nun eine neue Lösung eingeführt. Mit dem System „Acceo“ können gehörlose und schwerhörige Menschen leichter mit der Stadtverwaltung kommunizieren. Das Angebot wurde gemeinsam mit der Metropolregion Toulon Provence Méditerranée umgesetzt.
Das Ziel ist klar: Alle Menschen sollen ihre Angelegenheiten bei der Stadt selbstständig und ohne Barrieren erledigen können.
Barrierefreiheit im Rathaus
In den vergangenen Monaten wurde der Eingangsbereich des Rathauses modernisiert. Die Stadt wollte den Empfangsbereich angenehmer und praktischer gestalten.
Ein wichtiger Teil dieser Modernisierung war die Einführung eines barrierefreien Kommunikationssystems für Menschen mit Hörbehinderung. Deshalb wurde das System Acceo installiert.
Seit Mai 2026 ist der Dienst offiziell in Betrieb. Gehörlose und schwerhörige Bürgerinnen und Bürger können nun verschiedene Unterstützungsangebote nutzen, wenn sie mit der Stadtverwaltung Kontakt aufnehmen möchten.
Was ist Acceo?
Acceo ist ein digitales Kommunikationssystem. Es hilft Menschen mit Hörbehinderung bei Gesprächen mit Behörden, Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen.
Die Nutzung ist einfach. Interessierte laden die Acceo-App auf ihr Smartphone, Tablet oder ihren Computer herunter.
Anschließend können sie die passende Kommunikationsform auswählen.
Drei Möglichkeiten der Kommunikation
Acceo bietet drei verschiedene Dienstleistungen an.
1. Französische Gebärdensprache
Nutzerinnen und Nutzer können eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher für die Französische Gebärdensprache (LSF) hinzuschalten.
Das Gespräch findet per Video statt. Die gehörlose Person gebärdet ihre Anliegen. Die Dolmetscherin oder der Dolmetscher übersetzt zwischen der gehörlosen Person und der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter der Stadtverwaltung.
Dadurch können wichtige Informationen sicher verstanden werden.
2. Sofortige Verschriftlichung
Menschen, die keine Gebärdensprache nutzen, können eine automatische Verschriftlichung wählen.
Dabei wird die gesprochene Sprache in Echtzeit als Text angezeigt. Die gehörlose oder schwerhörige Person kann das Gespräch direkt mitlesen.
Diese Lösung eignet sich besonders für Menschen, die lieber lesen als gebärden.
3. Lautsprachbegleitende Unterstützung
Außerdem gibt es die Möglichkeit der „Langue française parlée complétée“ (LPC).
Dabei werden spezielle Handzeichen verwendet, die das Lippenlesen erleichtern. Die Zeichen ergänzen die gesprochene Sprache und helfen dabei, ähnliche Lippenbewegungen besser zu unterscheiden.
Viele schwerhörige Menschen profitieren von dieser Kommunikationsform.
So funktioniert der Ablauf
Nach der Auswahl der gewünschten Kommunikationsart verbindet Acceo die Nutzerin oder den Nutzer mit einer Fachkraft.
Diese Fachkraft unterstützt das Gespräch zwischen der hörbehinderten Person und der Stadtverwaltung.
Die Mitarbeitenden im Rathaus müssen dafür keine Gebärdensprache beherrschen. Die Verständigung wird durch Acceo ermöglicht.
Dadurch können Verwaltungsangelegenheiten einfacher erledigt werden. Zum Beispiel:
- Anträge stellen
- Dokumente beantragen
- Termine vereinbaren
- Informationen einholen
- Fragen an die Stadtverwaltung stellen
Mehr Selbstständigkeit für gehörlose Menschen
Barrierefreie Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil der gesellschaftlichen Teilhabe.
Viele gehörlose Menschen erleben noch immer Hindernisse im Alltag. Besonders bei Behörden ist eine verständliche Kommunikation wichtig. Fehler oder Missverständnisse können dort große Folgen haben.
Mit Acceo können Betroffene ihre Anliegen selbst erledigen. Sie müssen nicht mehr auf Familienangehörige oder andere Begleitpersonen angewiesen sein.
Das stärkt die Selbstbestimmung und die Unabhängigkeit gehörloser und schwerhöriger Menschen.
Ein Beispiel für moderne Inklusion
Die Einführung von Acceo zeigt, wie digitale Technik Barrieren abbauen kann.
Immer mehr Städte und öffentliche Einrichtungen in Frankreich setzen auf solche Lösungen. Dadurch wird die Kommunikation für Menschen mit Behinderungen verbessert.
Die Stadt La Seyne-sur-Mer sendet damit ein wichtiges Signal: Öffentliche Dienstleistungen sollen für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglich sein.
Barrierefreiheit ist kein besonderer Service für wenige Menschen. Sie ist ein wichtiger Bestandteil einer modernen und inklusiven Gesellschaft.
Warum solche Angebote wichtig sind
Die Anerkennung von Gebärdensprachen und die Bereitstellung von Kommunikationshilfen sind wichtige Schritte auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung.
Gehörlose Menschen haben das Recht auf barrierefreien Zugang zu Informationen und öffentlichen Dienstleistungen.
Technische Lösungen wie Acceo können dazu beitragen, dieses Recht in der Praxis umzusetzen.
Dabei profitieren nicht nur gehörlose Menschen. Auch schwerhörige Personen, ältere Menschen mit Hörverlust und Menschen mit besonderen Kommunikationsbedürfnissen können solche Angebote nutzen.
Fazit
Mit der Einführung des Systems Acceo verbessert die Stadt La Seyne-sur-Mer die Barrierefreiheit ihrer Verwaltung deutlich. Gehörlose und schwerhörige Menschen erhalten verschiedene Möglichkeiten, um mit dem Rathaus zu kommunizieren.
Ob über Gebärdensprachdolmetschung, Sofort-Verschriftlichung oder lautsprachbegleitende Unterstützung – die Bürgerinnen und Bürger können die Kommunikationsform wählen, die am besten zu ihren Bedürfnissen passt.
Das Projekt zeigt, dass digitale Lösungen die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen fördern können. La Seyne-sur-Mer setzt damit ein positives Beispiel für inklusive und barrierefreie öffentliche Dienstleistungen.

