Immer wieder gibt es Konflikte zwischen Gehörlosen und der Polizei in Wien. Ein Hauptproblem ist, dass viele Polizist:innen keine Gebärdensprache können. Das führt zu Missverständnissen, Frust und manchmal sogar zu Eskalationen. Dabei ist die Kommunikation für Gehörlose ganz anders als für Hörende. Warum ist das so, und was müsste sich ändern? Dieser Bericht erklärt die Situation ausführlich und verständlich.
Keine Gebärdensprachkenntnisse bei der Polizei – Warum?
In Österreich ist die Gebärdensprache bisher kein fester Teil der Polizeiausbildung. Das heißt: Die meisten Polizist:innen lernen keine Gebärdensprache, weil es keine Pflicht ist. Zwar gibt es vereinzelt freiwillige Schulungen, doch diese reichen nicht aus, um im Einsatz gut kommunizieren zu können.
Die Folge: Wenn Polizist:innen Gehörlosen begegnen, wissen sie oft nicht, wie sie richtig kommunizieren sollen. Das führt zu Unsicherheiten auf beiden Seiten.
Unterschiedliche Kommunikationswelten treffen aufeinander
Polizei und Gehörlose haben unterschiedliche Kommunikationsweisen, die oft schwer zusammenpassen.
Polizeikommunikation:
- Polizist:innen fordern oft Abstand und klare, kurze Anweisungen.
- Sie erwarten Gehorsam und ruhiges Verhalten.
- Kommunikation erfolgt meist mündlich und schnell.
Kommunikation der Gehörlosen:
- Gebärdensprache braucht Nähe, um gut gesehen zu werden.
- Mimik, Körpersprache und Blickkontakt sind sehr wichtig.
- Fragen und Wiederholen sind normale Bestandteile der Verständigung.
- Gebärdensprache ist lebendig und emotional.
Wenn die Polizei Gehörlose auffordert, Abstand zu halten, wird die Kommunikation für Gehörlose sehr schwierig. Sie können die Gebärden nicht mehr gut sehen, Lippenlesen wird unmöglich, und wichtige Mimik geht verloren.
Warum ist Abstand für die Polizei so wichtig?
Für Polizist:innen steht die Sicherheit an erster Stelle. Sie wollen sich selbst und andere schützen. Abstand kann dabei helfen, Gefahren einzuschätzen. Allerdings verstehen sie oft nicht, dass Abstand für Gehörlose ein großes Problem ist.
Für Gehörlose bedeutet Abstand:
- Keine klare Kommunikation mehr möglich.
- Gefühl der Isolation und Ausgrenzung.
- Stress und Unsicherheit steigen.
Das Missverständnis zwischen den Bedürfnissen der Polizei und der Gehörlosen führt zu Konflikten und Spannungen.
Ursachen für die Konflikte
Die Gründe für die immer wiederkehrenden Probleme sind vielfältig:
- Fehlende Gebärdensprachkenntnisse: Die meisten Polizist:innen haben keine Ausbildung in Gebärdensprache.
- Unwissen über Gehörlosenkultur: Viele wissen nicht, wie wichtig Nähe, Mimik und Blickkontakt sind.
- Keine schnellen Dolmetscher: Bei Einsätzen fehlen oft Gebärdensprachdolmetscher, die helfen könnten.
- Zeitdruck im Einsatz: Polizeieinsätze sind oft stressig und schnell, Zeit für langsame Kommunikation fehlt.
- Falsche Einschätzungen: Gehörlose werden manchmal als „ungehorsam“ oder „aggressiv“ wahrgenommen, obwohl sie nur kommunizieren wollen.
Was sagt die Gesellschaft und die Politik?
Österreich hat die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben. Darin steht, dass Menschen mit Behinderungen gleiche Rechte haben sollen – auch das Recht auf barrierefreie Kommunikation. Das bedeutet, dass Behörden wie die Polizei dafür sorgen müssen, dass Gehörlose verstanden werden.
Wenn die Polizei keine Gebärdensprache beherrscht oder keine Dolmetscher organisiert, dann ist das eine Benachteiligung der Gehörlosen. Es ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem, das dringend angegangen werden muss.
Was muss sich ändern?
Damit die Konflikte seltener werden und die Kommunikation besser klappt, sind folgende Maßnahmen wichtig:
- Verpflichtende Schulungen in Gebärdensprache für alle Polizist:innen. Auch Grundkenntnisse helfen schon.
- Training zur Gehörlosenkultur, damit die Polizei die Bedürfnisse besser versteht.
- Feste Verfügbarkeit von Gebärdensprachdolmetschern für schnelle Einsätze.
- Regeln und Richtlinien, die klar sagen, wie mit Gehörlosen umzugehen ist – zum Beispiel mehr Nähe statt Abstand.
- Sensibilisierung für unterschiedliche Kommunikationsweisen, um Missverständnisse zu vermeiden.
Fazit
Der Konflikt zwischen Polizei und Gehörlosen entsteht nicht, weil Gehörlose „schwierig“ sind, sondern weil die Polizei auf eine Gruppe trifft, für die sie nicht ausreichend vorbereitet ist. Solange Gebärdensprache und Gehörlosenkultur in der Polizeiausbildung und im Einsatzalltag keine Rolle spielen, wird es immer wieder Missverständnisse und Konflikte geben.
Eine barrierefreie Kommunikation ist ein Menschenrecht. Die Polizei in Wien muss deshalb dringend besser auf die Bedürfnisse der Gehörlosen eingehen. Nur so können Vertrauen und Sicherheit für alle gewährleistet werden.

