Home HörgeschädigtGebärdenspracheEltern wollen weiter lernen: Gebärdensprachunterricht endet vor der Einschulung ihrer gehörlosen Tochter

Eltern wollen weiter lernen: Gebärdensprachunterricht endet vor der Einschulung ihrer gehörlosen Tochter

by info@deaf24.com

Linda Harju und Nils Ryberg haben eine klare Mission: Sie wollen die Gebärdensprache beherrschen, um mit ihrer gehörlosen Tochter Vilja kommunizieren zu können. Doch der staatlich finanzierte Sprachunterricht für Eltern ist zeitlich begrenzt. Nun sind die vorgesehenen 240 Stunden vorbei, aber die Eltern fühlen sich noch nicht ausreichend sicher. Sie befürchten, dass sie bald nicht mehr mit der sprachlichen Entwicklung ihrer Tochter mithalten können.

Gebärdensprachunterricht – eine viel zu kurze Zeit?

Bereits während der Schwangerschaft erfuhren Linda und Nils, dass ihre Tochter nicht hören kann. Schnell wurde ihnen bewusst, dass die Gebärdensprache für Vilja essenziell sein wird. Doch wie anspruchsvoll es ist, eine neue Sprache zu lernen, wurde ihnen erst im Laufe der Zeit bewusst.

In Schweden erhalten Eltern von gehörlosen Kindern eine Grundausbildung in der Gebärdensprache über das Gesundheitssystem. Danach besteht für einige Eltern die Möglichkeit, am staatlich finanzierten TUFF-Kurs teilzunehmen. Dieser umfasst 240 Stunden pro Elternteil und wird an fünf Standorten im Land angeboten.

Doch 240 Stunden reichen nicht aus, um eine neue Sprache wirklich zu beherrschen. „Die Annahme, dass jemand in 240 Stunden eine komplette Sprache erlernen kann, zeigt, dass Gebärdensprache nicht als vollwertige Sprache angesehen wird“, kritisiert Nils Ryberg. Jetzt ist Vilja fünf Jahre alt, und der Unterricht ist beendet – genau in der Zeit, in der ihre Sprachentwicklung rasant voranschreitet.

Eltern suchen alternative Lernmöglichkeiten

Linda und Nils möchten sich nicht damit abfinden, dass ihre Lernzeit offiziell vorbei ist. Sie wollen weiterhin Fortschritte machen, um mit ihrer Tochter auf Augenhöhe kommunizieren zu können. „Wir sind besorgt, dass sie uns neue Zeichen beibringen muss, anstatt dass wir ihr ein solides Sprachfundament bieten“, sagt Linda.

Um ihre Kenntnisse weiter zu vertiefen, suchen sie nach Alternativen. Eine davon ist die Gründung eines Gebärdensprachcafés in ihrer Heimatstadt Borås. Dort treffen sich Eltern, Gehörlose und Interessierte, um gemeinsam in Gebärdensprache zu kommunizieren und voneinander zu lernen.

Fazit: Mehr Sprachunterricht für Eltern erforderlich

Der Fall von Linda und Nils zeigt ein grundlegendes Problem: Eltern von gehörlosen Kindern erhalten nicht genug Sprachtraining, um ihren Kindern langfristig auf ihrem sprachlichen Weg folgen zu können. Während hörende Kinder in ihrer Muttersprache aufwachsen, müssen Eltern gehörloser Kinder erst mühsam die Gebärdensprache erlernen – und das unter zeitlichen Begrenzungen.

Der Wunsch von Linda und Nils ist klar: Mehr staatlich geförderte Gebärdensprachkurse für Eltern, damit sie ihre Kinder von Anfang an bestmöglich unterstützen können. Denn Sprache ist nicht nur Kommunikation – sie ist der Schlüssel zur sozialen und emotionalen Entwicklung eines Kindes.

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