Am 23.09.2025 war ein Teammitglied der Arbeitsgruppe Gehörlosengeld in Schleswig-Holstein vom Gehörlosen-Verband Schleswig-Holstein e.V. zu Gast im Schleswig-Holstein Magazin des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Im Interview wurde das Thema Gehörlosengeld in Schleswig-Holstein besprochen. Dabei wurde auf die oft bestehende Ungleichbehandlung tauber Menschen im Alltag aufmerksam gemacht. Doch die Art und Weise, wie diese Forderung begründet wurde, stößt bei vielen gehörlosen Menschen auf Kritik. Der Beitrag wirkt nicht nur schwach, sondern könnte sogar der Sache schaden. Warum das so ist und welche Argumente wirklich zählen, lesen Sie hier.
Schlechte Beispiele, die nicht überzeugen
Im Beitrag wurden zwei Beispiele genannt, um die Notwendigkeit des Gehörlosengeldes zu erklären: Ein Auto und Supermarkt-Angebote.
1. Das Auto-Beispiel
Hier wurde gesagt, dass ein hörender Mensch durch Motorengeräusche bemerkt, wenn am Auto etwas kaputt ist. Ein tauber Mensch merke das nicht und fahre so lange, bis der Motor komplett kaputt ist. Dies führe zu hohen Kosten, zum Beispiel zum Kauf eines neuen Autos.
Dieses Beispiel ist problematisch. Es wirkt übertrieben und technisch falsch, denn moderne Autos zeigen viele Warnungen auch optisch an, etwa auf dem Armaturenbrett. Hörende Menschen können nicht allein auf Geräusche vertrauen. Die Darstellung erweckt zudem den falschen Eindruck, taube Menschen seien unachtsam oder unfähig, sich richtig um ihr Auto zu kümmern. Dadurch entsteht ein negatives Bild, das nicht der Realität entspricht und die Forderung insgesamt unglaubwürdig macht.
2. Das Supermarkt-Beispiel
Es wurde auch genannt, dass taube Menschen wichtige Durchsagen über Angebote im Supermarkt nicht hören können. Deshalb würden sie oft wichtige Informationen verpassen.
Dieses Beispiel ist ebenfalls schwach. Viele Angebote sind in Supermärkten auch auf Plakaten oder Regalschildern sichtbar. Außerdem ist der fehlende Zugang zu Durchsagen im Supermarkt eher ein kleines Ärgernis im Alltag als ein struktureller Nachteil. Politiker und die breite Öffentlichkeit könnten dies als zu wenig relevanten Grund ansehen, um ein eigenes Gehörlosengeld zu bezahlen.
Wichtige Nachteile fehlen
Die wirklich gravierenden Nachteile, die viele taube Menschen jeden Tag erleben, wurden im Beitrag kaum erwähnt. Das schwächt die Forderung erheblich.
Zu den ernsthaften Nachteilen gehören unter anderem:
- Hohe Kosten für private Kommunikationshilfen und Technik, zum Beispiel Dolmetscher, spezielle Telefone oder andere Hilfsmittel.
- Mehr Zeit und Aufwand bei Behördengängen und Terminen, weil oft Dolmetscher organisiert werden müssen.
- Berufliche Nachteile, wie schlechtere Chancen auf eine Karriere oder geringeres Einkommen.
- Psychische Belastungen durch ständige Barrieren in der Kommunikation und Informationsversorgung.
- Mangelnde Barrierefreiheit in wichtigen Bereichen wie Arztbesuchen, Jugendamt oder Notfällen.
Diese Nachteile sind gut belegbar und nachvollziehbar. Sie wären starke Argumente, die in der politischen Diskussion ernst genommen werden. Ohne diese wichtigen Punkte bleibt das Gehörlosengeld-Konzept aber nur eine Idee ohne überzeugende Basis.
Warum die Sendung wie eine Abfuhr wirkt
Am Ende des Beitrags wurde gesagt, dass es in anderen Bundesländern bereits Gehörlosengeld gibt und dass der Appell angekommen sei. Dies ist ein höflicher Ausdruck, der häufig bedeutet: „Wir hören euch, aber wir werden (noch) nichts tun.“
Für viele gehörlose Menschen fühlt sich das wie eine Abfuhr an – eine höfliche Ablehnung ohne konkrete Zusage oder Plan. Das führt zu Frustration und Resignation.
Fazit: Mehr Klarheit und starke Argumente sind nötig
Das Thema Gehörlosengeld ist wichtig und richtig. Es geht um einen gerechten Ausgleich für die Nachteile, die taube Menschen in ihrem Alltag erleben. Doch die Art und Weise, wie das im NDR-Beitrag dargestellt wurde, ist nicht gut gelungen.
Schlechte Beispiele wie das kaputte Auto oder verpasste Supermarkt-Angebote führen dazu, dass die Forderung nicht ernst genommen wird. Wichtige und belegbare Nachteile werden nicht erwähnt. Am Ende bleibt nur der Eindruck einer höflichen Abfuhr, statt einer echten Chance auf Veränderung.
Für die Zukunft ist es wichtig, die Forderungen klarer, realistischer und mit starken, nachvollziehbaren Argumenten zu formulieren. Nur so kann das Gehörlosengeld tatsächlich eine politische Unterstützung bekommen, die es verdient.

