Home HörgeschädigtPolitikViel Protest, wenig Einfluss? Kritik am DGB

Viel Protest, wenig Einfluss? Kritik am DGB

by info@deaf24.com

Der 5. Mai ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen.
Auch in diesem Jahr gab es viele Demonstrationen in Deutschland.
Viele Menschen gingen auf die Straße.
Auch der Deutscher Gehörlosen-Bund war dabei.

DGB-Präsident Ralph Raule berichtete später in einem Video über die Demo in Berlin.
Er sprach über die Stimmung, Gespräche mit Politikern und Probleme bei der Organisation.

Doch nach dem Wochenrückblick gibt es auch Kritik.
Vor allem aus der gehörlosen Community selbst.

Viele fragen sich:
Sind gehörlose Menschen in der Behindertenpolitik wirklich gleichberechtigt?
Oder laufen sie oft nur „mit“, während andere Gruppen sichtbar und laut die Aufmerksamkeit bekommen?

 

Hörende Menschen dominieren oft die Öffentlichkeit

Ein großes Problem ist die Kommunikation.

Hörende Menschen können schnell sprechen:

  • bei Interviews,
  • in Diskussionen,
  • bei Pressekonferenzen,
  • im Fernsehen,
  • bei spontanen Gesprächen.

Gehörlose Menschen brauchen dagegen oft:

  • Gebärdensprachdolmetscher,
  • technische Unterstützung,
  • mehr Zeit,
  • gute Organisation.

Dadurch entstehen Nachteile.

Viele Journalisten arbeiten unter Zeitdruck.
Sie wollen schnelle Antworten und einfache Kommunikation.
Deshalb sprechen Medien oft lieber mit hörenden Personen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass Journalisten böse oder absichtlich diskriminierend sind.
Aber das Ergebnis bleibt oft gleich:

Gehörlose Menschen werden weniger sichtbar.

Ihre Sichtweisen erscheinen seltener direkt in den Medien.
Andere sprechen dann über gehörlose Menschen — statt gehörlose Menschen selbst.

 

Gehörlose fühlen sich oft nicht mitgedacht

Im Wochenrückblick sagte Ralph Raule selbst, dass die Verdolmetschung bei der Demo schlecht gewesen sei.

Auch die Organisation sei für gehörlose Menschen problematisch gewesen.

Das zeigt ein wichtiges Problem:
Selbst bei inklusiven Demonstrationen werden gehörlose Menschen oft nicht richtig mitgedacht.

Viele gehörlose Menschen kennen solche Situationen:

  • schlechte Sicht auf Dolmetscher,
  • keine gute Beleuchtung,
  • zu große Entfernung,
  • schlechte Organisation,
  • fehlende Rücksicht auf visuelle Kommunikation.

Für Hörende sind solche Probleme manchmal unsichtbar.
Für gehörlose Menschen bedeuten sie aber:
weniger Teilhabe.

Das sorgt bei vielen Betroffenen für Frust.

 

Sind Gehörlose nur „Unterstützer“ für andere?

Manche gehörlose Aktivisten kritisieren noch etwas anderes.

Sie sagen:
Bei großen Protesten profitieren oft vor allem hörende Gruppen von der großen Teilnehmerzahl der Gehörlosen.

Die Gehörlosen zeigen Solidarität.
Doch umgekehrt fühlen sich viele Gehörlose nicht gleich stark unterstützt.

Das betrifft besonders Themen wie:

  • Gebärdensprache,
  • Dolmetscher,
  • barrierefreie Medien,
  • Zugang zu Kommunikation,
  • Bildung,
  • Arbeitswelt.

Viele gehörlose Menschen haben deshalb das Gefühl:
Ihre speziellen Probleme gehen in der allgemeinen Behindertenpolitik unter.

Denn nicht jede Behinderung betrifft Kommunikation und Sprache so stark wie Gehörlosigkeit.

 

Der DGB wirkt politisch oft zu schwach

Auch die politische Strategie des DGB wird kritisiert.

Ralph Raule erklärte im Video:
Der DGB habe Stellungnahmen geschrieben und Gespräche geführt.

Doch Kritiker sagen:
Das reicht heute nicht mehr.

Moderne Politik funktioniert oft über:

  • Netzwerke,
  • Medien,
  • Juristen,
  • Gutachten,
  • Experten,
  • Lobbyarbeit,
  • Kontakte zu Parteien.

Genau dort sehen manche große Schwächen beim DGB.

Die Kritik lautet:
Der Verband arbeite oft zu isoliert und zu defensiv.

Statt breite Bündnisse aufzubauen, schreibe man häufig allein Stellungnahmen.
Das könne politisch schwach wirken.

Besonders bei wichtigen Gesetzen reicht es oft nicht aus, nur Kritik zu äußern.
Man braucht:

  • starke Argumente,
  • juristische Unterstützung,
  • konkrete Gegenvorschläge,
  • Verbündete im Bundestag.

Viele große Verbände arbeiten genau so.

 

Fehlende gemeinsame Organisation?

In diesem Zusammenhang wird auch die Rolle anderer Organisationen hinterfragt, etwa der Deutsche Gesellschaft der Hörbehinderten (DG).

Einige Stimmen aus der Community fragen:
Warum war diese Organisation bei der Demonstration kaum sichtbar oder nicht klar erkennbar beteiligt?

Gerade bei politischen Großthemen erwarten viele, dass Organisationen für Hörbehinderungen gemeinsam auftreten, statt getrennte Wege zu gehen.

Denn viele Probleme betreffen nicht nur Gehörlose, sondern alle Menschen mit Hörbehinderungen Schwerhörige, Taubblinden:

  • Barrierefreiheit
  • Kommunikation im Alltag
  • Zugang zu Bildung
  • Teilhabe in Medien und Politik

Fehlende gemeinsame Präsenz wird deshalb als Zeichen mangelnder Koordination verstanden.

 

Kritik an Führung und Verantwortung

In der Diskussion wird auch über Verantwortlichkeiten gesprochen, etwa über den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft der Hörbehinderten, Bernd Schneider.

Kritische Stimmen sagen:
Wenn zentrale Organisationen und Verantwortliche bei wichtigen politischen Ereignissen nicht sichtbar sind, entsteht der Eindruck von Schwäche oder fehlender Führung.

Andere sehen das differenzierter:
Es kann auch interne Arbeit geben, Gespräche mit Politik oder Strategieprozesse, die nicht öffentlich sichtbar sind.

Trotzdem bleibt die Wahrnehmung in der Community entscheidend. Und dort entsteht bei vielen der Eindruck, dass die politische Koordination der Hörbehinderten insgesamt nicht stark genug ist.

 

Kritik an der Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes

Ein wichtiges Thema ist die geplante Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes.

Ralph Raule sagte:
Der neue Entwurf sei für gehörlose Menschen ein Nachteil und Rückschritt.

Der DGB wünsche sich deshalb lieber keine Änderung.

Doch auch diese Aussage wird diskutiert.

Denn in der Politik reicht es selten zu sagen:
„Alles soll bleiben wie früher.“

Oft braucht es konkrete Verbesserungsvorschläge.

Kritiker fragen deshalb:
Hat der DGB genug politische Strategie?
Oder reagiert der Verband nur noch auf Entwicklungen?

 

Interne Konflikte schwächen die Community

Ein weiteres Problem sind Konflikte innerhalb der gehörlosen Community.

Immer wieder gibt es Streit zwischen:

  • Verbänden,
  • Aktivisten,
  • Social-Media-Seiten,
  • unabhängigen Projekten.

Auch Plattformen wie Deaf24 wurden nach eigenen Aussagen von Personen aus dem DGB-Umfeld abwertend kommentiert.

Das sorgt für zusätzliche Spannungen.

Kritiker sagen:
Der DGB müsse Kritik ernster nehmen — auch wenn sie unbequem ist.

Denn manchmal können externe Stimmen Probleme früher erkennen als große Verbände.

Natürlich bedeutet Kritik nicht automatisch, dass jede Aussage richtig ist.
Aber viele wünschen sich mehr offene Diskussionen statt persönliche Angriffe oder Abwertung.

 

Die große Frage: Wer spricht wirklich für Gehörlose?

Die Diskussion zeigt ein tieferes Problem.

Es geht nicht nur um eine einzelne Demo.

Es geht um Macht, Sichtbarkeit und Kommunikation.

Wer sitzt in Gesprächen mit Politikern?
Wer gibt Interviews?
Wer wird im Fernsehen gezeigt?
Wer entscheidet über Strategien?

Und vor allem:
Wer wird gehört?

Viele gehörlose Menschen wünschen sich heute:

  • mehr professionelle politische Arbeit,
  • stärkere Medienpräsenz,
  • mehr gehörlose Sprecher,
  • bessere Zusammenarbeit mit Experten,
  • mehr Selbstbewusstsein,
  • klarere Forderungen.

Denn viele haben das Gefühl:
Die gehörlose Community ist politisch oft zu leise — obwohl ihre Probleme groß sind.

 

Sichtbarkeit allein reicht nicht mehr

Demonstrationen bleiben wichtig.
Sie zeigen Öffentlichkeit und Zusammenhalt.

Doch viele Aktivisten sagen:
Sichtbarkeit allein reicht heute nicht mehr.

Wer politisch etwas verändern will, braucht:

  • starke Netzwerke,
  • gute Medienarbeit,
  • juristische Kenntnisse,
  • professionelle Strategien,
  • klare Kommunikation.

Gerade beim Thema Barrierefreiheit geht es nicht nur um Symbole.
Es geht um echte Macht und Einfluss.

Die Diskussion nach dem 5. Mai 2026 zeigt deshalb deutlich:
Viele gehörlose Menschen wünschen sich eine modernere, stärkere und professionellere Interessenvertretung.

Und sie wünschen sich vor allem eines:
Nicht nur mitzulaufen — sondern wirklich gleichberechtigt gehört zu werden.

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