Zwei Jugendliche behaupten, von Polizisten während einer Intervention geschlagen worden zu sein. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Jasło wurden jedoch eingestellt. Der Fall wirft Fragen über Polizeiverhalten, Transparenz und den Schutz junger Menschen auf.
Ermittlungen ohne Ergebnis
Die Staatsanwaltschaft in Jasło stellte die Ermittlungen gegen Beamte der städtischen Polizei in Krosno ein. Anlass war eine Intervention am 1. August 2024, bei der der 18-jährige Paweł A. und der 19-jährige Stefan B. in Gewahrsam genommen wurden, um ihre Trunkenheit zu überwachen. Beide behaupten, dass sie während ihres Aufenthalts in der Polizeistation geschlagen und misshandelt wurden.
Die Ermittlungen wurden nach § 231 Absatz 1 des polnischen Strafgesetzbuches geführt, der den Missbrauch von Amtsgewalt unter Strafe stellt. Ziel war es zu klären, ob die Beamten ihre Befugnisse überschritten und den Jugendlichen körperliche Verletzungen zugefügt haben.
Am 30. Juni 2025 verkündete die Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens. „Es gibt keine ausreichenden Beweise, die den Verdacht einer Straftat rechtfertigen“, erklärte Anna Rogowska, Leiterin der Staatsanwaltschaft in Jasło, gegenüber tvn24.pl.
Ein gerichtlich bestellter Sachverständiger untersuchte die Verletzungen der Jugendlichen, konnte jedoch keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen den Verletzungen und dem polizeilichen Eingreifen feststellen. Aufgrund dieser unsicheren Gutachten und weiterer Beweislage entschied die Staatsanwaltschaft, das Verfahren einzustellen. Die Entscheidung ist jedoch nicht rechtskräftig; beide Parteien haben sieben Tage Zeit, um Widerspruch einzulegen.
Ablauf der Polizeiinvervention
Der Vorfall begann in der Nacht des 31. Juli 2024 gegen 23 Uhr auf dem Marktplatz in Krosno. Paweł und Stefan hatten gerade ihre Arbeit in einem Café beendet, das dem Vater von Paweł gehört. Zusammen mit einigen Freunden tranken sie Bier und Wein. Es kam zu einer Auseinandersetzung mit dem Eigentümer einer benachbarten Bäckerei, der die Jugendlichen als zu laut empfand und die Polizei rief.
Kurze Zeit später trafen zwei Streifenwagen ein, aus denen insgesamt vier Beamte stiegen. Die Jugendlichen berichten, dass die Polizisten von Beginn an aggressiv gewesen seien. Während der Intervention soll Paweł bewusstlos geworden sein, Stefan habe versucht einzugreifen, indem er auf Gitter schlug, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Laut seinen Aussagen wurde er daraufhin in einen kamerafreien Raum gebracht, geschlagen und getreten.
Stefan beschreibt die Misshandlungen: „Mir lief Blut aus der Nase. Ein Polizist wischte mir das Blut weg, da ich es selbst nicht konnte. Dann legten sie mir einen Sicherheitsanzug und Helm an und führten mich in die Zelle.“ Beide Jugendlichen verließen die Polizeistation am Morgen des 1. August.
Dokumentierte Verletzungen
Paweł erlitt unter anderem Prellungen, Hämatome am Ohr und Augenlid sowie einen mittelgradigen Hörverlust am linken Ohr. Stefan hatte Prellungen am Kopf, am linken Auge, am Nasenbereich und Hämatome am Ohr sowie Blutergüsse am Hals. Beide reichten formell eine Beschwerde gegen das Vorgehen der Polizei ein.
Polizei: Maßnahme zur Trunkenheitskontrolle
Die Polizei in Krosno erklärte, Paweł und Stefan seien wegen Trunkenheit und Störung der öffentlichen Ordnung festgenommen worden. Laut Presseoffizier Paweł Buczyński gab es Beschwerden über das Verhalten der Jugendlichen, die in getrennten, überwachten Räumen untergebracht wurden. Stefan habe sich dabei aggressiv und selbstschädigend verhalten, weshalb unmittelbare Zwangsmaßnahmen wie Fesselung und Schutzhelm angewandt wurden.
Disziplinarverfahren gegen Beamte
Die interne Untersuchung der Polizei begann am 9. September 2024. Dabei wurden Verstöße gegen Dienstpflichten, unzureichende Kennzeichnung, fehlende Information über die Videoaufzeichnung und unsachgemäße Anwendung von Zwangsmitteln festgestellt. Die betroffenen Beamten wurden disziplinarisch sanktioniert, suspendiert und sind inzwischen wieder im Dienst.
Kritik und offene Fragen
Trotz der Einstellung des Strafverfahrens bleibt der Fall kritisch: Die Jugendlichen berichten von schweren Verletzungen und traumatischen Erfahrungen. Die Polizei argumentiert mit Sicherheitsgründen und Zwangsmaßnahmen, doch für Außenstehende bleibt unklar, ob die Gewalt verhältnismäßig war. Der Fall zeigt die Notwendigkeit klarer Richtlinien für den Umgang mit Jugendlichen, transparente Überwachung von Polizeimaßnahmen und unabhängige Ermittlungen.
Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft verdeutlicht, wie schwierig es sein kann, Polizeigewalt nachzuweisen, selbst bei dokumentierten Verletzungen. Für Paweł, Stefan und ihre Familien ist die Frage nach Gerechtigkeit weiterhin offen.

