Dakar, Senegal. Gehörlose und schwerhörige Menschen gingen in Dakar auf die Straße. Sie demonstrierten von der Place de la Nation bis zum Gebäude der staatlichen Rundfunkanstalt RTS. Sie fordern mehr Rechte, bessere Bildung und Unterstützung vom Staat.
«Wir werden immer vergessen»
Die Demonstration wurde von der Fédération des organisations de sourds et malentendants du Sénégal (FOSMAS) organisiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollten zeigen: Auch wenn wir nicht sprechen können, wollen wir gehört werden.
„Wir wollen gehört werden, auch ohne Worte“, rief ein Teilnehmer. Die Demonstranten klagen über große Probleme: hohe Arbeitslosigkeit, zu wenige Schulen für Gehörlose, fehlende staatliche Unterstützung.
Ein anderer Teilnehmer erklärte: „Seit Jahren kämpfen wir für unser Recht auf freie Meinungsäußerung. Jedes Mal, wenn wir unsere Forderungen einreichen, werden wir vergessen.“
Die Menschen fordern einen echten Zugang zu Bildung, Informationen und politischer Mitbestimmung. Für viele ist es Alltag, ausgegrenzt zu werden, weil Behörden, Schulen und Institutionen nicht auf ihre Bedürfnisse eingehen.
Wenig Mittel, große Aufgaben
Die Demonstration fand während der Internationalen Woche der Gehörlosen (23.–30. September) statt. Doch die finanziellen Mittel sind knapp. Ein Verantwortlicher der FOSMAS erklärte: „Wir haben nur zwei Millionen CFA-Francs für die ganze Woche. Wie sollen wir Transport, Unterbringung für Teams aus Mauretanien und Mali und die geplanten Wettbewerbe finanzieren?“
Die geringe Unterstützung zeigt, dass die Anliegen der Gehörlosen oft nicht ernst genommen werden. Die Demonstranten fordern deshalb konkrete Hilfe und bessere Organisation durch die Behörden.
Stolze Sporterfolge – trotzdem keine Unterstützung
Die Gehörlosen in Senegal sind im Sport erfolgreich. Sie haben 2021 die Afrikameisterschaft gewonnen und bei der Weltmeisterschaft in Malaysia den dritten Platz belegt. Im November wollen sie bei den Olympischen Spielen der Gehörlosen in Japan antreten.
„Wir wollen, dass der Präsident und der Premierminister uns unterstützen“, sagte ein Verbandsleiter. Trotz dieser Erfolge erhalten die Sportler kaum finanzielle oder organisatorische Hilfe vom Staat. Das frustriert viele, weil ihre Leistungen oft ignoriert werden.
Diskriminierung im Alltag
Neben Sportproblemen leiden Gehörlose und schwerhörige Menschen in Senegal unter struktureller Diskriminierung. Die FOSMAS kritisiert:
- Zu wenige Lehrerinnen und Lehrer, die die Gebärdensprache beherrschen.
- Schwierigkeiten beim Erwerb des Führerscheins.
- Kein einfacher Zugang zu Nachrichten und Informationen.
Eine Teilnehmerin erklärte: „Viele von uns leben ohne zu wissen, was im eigenen Land passiert. Wir werden ständig ausgeschlossen.“
Die Demonstration zeigte deutlich: Es reicht nicht, auf Papier Rechte zu haben. Gehörlose Menschen brauchen konkrete Maßnahmen, damit sie wirklich gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.
Forderungen der Demonstranten
Die Demonstranten fordern:
- Mehr und besser finanzierte Schulen für Gehörlose.
- Lehrerinnen und Lehrer, die Gebärdensprache beherrschen.
- Einfachen Zugang zu Informationen, Nachrichten und Medien.
- Unterstützung für Sportlerinnen und Sportler bei internationalen Wettkämpfen.
- Politische Aufmerksamkeit und direkte Maßnahmen gegen Diskriminierung.
Die FOSMAS appelliert an die Regierung: Es ist Zeit, die Gehörlosen nicht länger zu vergessen. Die Demonstration war laut, sichtbar und friedlich – ein klares Signal für mehr Gleichberechtigung.

