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Mehr Arbeitslose mit Behinderung – Gehörlose bleiben unsichtbar

by info@deaf24.com

Mehr Arbeitslose mit Behinderung – aber niemand weiß, wie viele Gehörlose betroffen sind

Deutschland spricht über Inklusion. Die Zahlen zeigen aber eine andere Realität.

Die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Schwerbehinderung steigt.

Im Jahr 2025 waren durchschnittlich 185.000 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren rund 9.000 mehr als im Jahr 2024. Der Anstieg lag bei 5,4 Prozent.

Im Juli 2026 setzte sich die Entwicklung fort. Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung lag erneut deutlich höher als ein Jahr zuvor. Der Deutsche Gewerkschaftsbund spricht von einer weiterhin schwierigen Situation.

Doch es gibt noch ein viel größeres Problem:

Wie viele davon sind gehörlos?

Darauf gibt es keine aktuelle offizielle Antwort.

 

Wie viele arbeitslose Gehörlose gibt es?

Die ehrliche Antwort lautet:

Deutschland weiß es nicht genau.

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht Zahlen für Menschen mit Schwerbehinderung. Sie unterscheidet dabei aber nicht ausreichend nach einzelnen Behinderungsarten.

Deshalb gibt es keine aktuelle offizielle Statistik:

„So viele gehörlose Menschen sind in Deutschland arbeitslos.“

Auch der Deutsche Gehörlosen-Bund kritisiert diese fehlende Datenlage ausdrücklich. Er fordert konkrete Zahlen zur Arbeitslosigkeit gehörloser Menschen.

In Deutschland leben ungefähr 80.000 gehörlose Menschen.

Aber wie viele davon arbeitslos sind?

Unklar.

Das ist für eine politische Diskussion ein großes Problem.

Denn ohne genaue Zahlen kann die Politik leicht sagen:

„Wir haben doch schon viele Maßnahmen für Menschen mit Behinderung.“

Aber die entscheidende Frage bleibt:

Erreichen diese Maßnahmen gehörlose Menschen wirklich?

 

Gehörlose Menschen sind nicht einfach „Menschen mit Behinderung“

Hier muss genauer hingeschaut werden.

Gehörlose Menschen haben nicht nur eine Behinderung.

Für viele gehörlose Menschen ist die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ihre wichtigste Sprache.

Damit entstehen besondere Barrieren:

  • Bewerbungsgespräche sind nicht immer in DGS möglich.
  • Vorstellungsgespräche brauchen häufig Dolmetscher.
  • Telefonische Kontaktaufnahme ist für viele Gehörlose nicht möglich.
  • Jobcenter und Arbeitsagenturen sind nicht überall ausreichend gebärdensprachlich zugänglich.
  • Weiterbildungen sind häufig nicht selbstverständlich barrierefrei.
  • Informationen über freie Arbeitsplätze erreichen gehörlose Menschen teilweise schlechter.
  • Innerhalb von Unternehmen entstehen Kommunikationsprobleme.

Das bedeutet:

Ein allgemeines Programm für Menschen mit Behinderung ist nicht automatisch ein gutes Programm für gehörlose Menschen.

 

Besonders bitter: Deutschland braucht Fachkräfte

Deutschland spricht seit Jahren über Fachkräftemangel.

Unternehmen suchen Mitarbeiter.

Gleichzeitig sind viele Menschen mit Behinderung arbeitslos.

Und trotzdem funktioniert der Übergang in Arbeit nicht ausreichend.

Dabei sind Menschen mit Schwerbehinderung keineswegs automatisch schlecht qualifiziert.

Mehr als die Hälfte der schwerbehinderten Arbeitslosen hatte 2025 eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen akademischen Abschluss.

Das zeigt:

Das Problem ist nicht einfach fehlende Qualifikation.

Es gibt strukturelle Barrieren.

 

Arbeitgeber müssen sich fragen lassen

Unternehmen mit mindestens 20 Arbeitsplätzen haben grundsätzlich eine gesetzliche Beschäftigungspflicht für schwerbehinderte Menschen.

Trotzdem erfüllen viele Arbeitgeber diese Pflicht nicht vollständig.

2024 beschäftigten rund 45.000 Arbeitgeber keinen schwerbehinderten Menschen auf Pflichtarbeitsplätzen.

Damit stellt sich eine politische Frage:

Ist die Ausgleichsabgabe noch wirksam genug?

Wenn ein Unternehmen lieber Geld bezahlt, anstatt Menschen mit Behinderung einzustellen, muss die Politik prüfen, ob das System tatsächlich funktioniert.

Für gehörlose Menschen ist die Situation zusätzlich kompliziert.

Ein Arbeitgeber muss möglicherweise Gebärdensprachdolmetscher, technische Kommunikationshilfen oder andere Unterstützungen organisieren.

Das darf aber nicht zu einem Grund werden, einen gehörlosen Bewerber abzulehnen.

 

Die Politik kennt das Problem – aber die Daten fehlen

Das ist vielleicht der größte Widerspruch.

Deutschland möchte Inklusion.

Deutschland hat die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben.

Deutschland hat Gesetze zur Teilhabe.

Deutschland hat eine Beschäftigungspflicht.

Aber:

Eine wichtige Gruppe wird statistisch nicht ausreichend sichtbar gemacht.

Wenn niemand genau weiß, wie viele gehörlose Menschen arbeitslos sind, ist es schwierig zu messen:

  • Wie groß ist das Problem?
  • In welchen Regionen ist es besonders groß?
  • Welche Altersgruppen sind betroffen?
  • Welche Berufe sind betroffen?
  • Wie lange sind gehörlose Menschen arbeitslos?
  • Wie viele finden wieder Arbeit?
  • Wie viele landen in einer Werkstatt?
  • Wie viele wechseln unfreiwillig in andere Beschäftigungsformen?

Ohne diese Daten bleibt Inklusion teilweise nur ein politisches Versprechen.

 

Deaf24 fordert: Endlich genaue Zahlen

Deutschland braucht eine bessere Arbeitsmarktstatistik.

Nicht nur:

„Menschen mit Behinderung“

sondern auch eine genauere Aufteilung nach Behinderungsarten und Unterstützungsbedarf.

Dazu gehören auch gehörlose Menschen.

Wir brauchen Antworten auf einfache Fragen:

Wie viele gehörlose Menschen sind arbeitslos?

Wie viele sind arbeitssuchend?

Wie lange suchen sie bereits Arbeit?

Wie viele haben eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen?

Wie viele arbeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt?

Wie viele arbeiten in Werkstätten?

Wie viele bekommen Unterstützung durch Arbeitsassistenz?

Wie viele scheitern an fehlender Gebärdensprachkommunikation?

Diese Zahlen müssen regelmäßig veröffentlicht werden.

 

Inklusion darf nicht nur eine Statistik sein

Die steigende Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Schwerbehinderung ist ein Warnsignal.

Noch problematischer ist aber, dass wir bei gehörlosen Menschen nicht einmal genau wissen, wie groß das Problem tatsächlich ist.

Was man nicht zählt, wird politisch schnell unsichtbar.

Deshalb fordert Deaf24:

Gehörlose Menschen müssen in der Arbeitsmarktstatistik sichtbar werden.

Nicht irgendwann.

Nicht nach einer neuen Studie.

Sondern jetzt.

Denn hinter jeder Zahl steht ein Mensch, der arbeiten möchte, selbstständig leben möchte und seine Fähigkeiten einsetzen möchte.

Inklusion bedeutet nicht, Menschen nur mitzuzählen.

Inklusion bedeutet, ihnen echte Chancen auf Arbeit zu geben.

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