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Österreich macht es vor: ÖGS wird zur Fremdsprache – und Deutschland?

by info@deaf24.com

Österreich geht bei der Gebärdensprache einen wichtigen Schritt weiter.

Ab dem kommenden Schuljahr wird die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) an der AHS-Oberstufe als zweite lebende Fremdsprache im Lehrplan verankert.

Damit bekommt ÖGS einen festen Platz im normalen Bildungssystem.

Für Deutschland ist das ein deutlicher Weckruf.

Denn auch in Deutschland gibt es seit Jahren Forderungen nach einer stärkeren Anerkennung und Förderung der Deutschen Gebärdensprache (DGS).

Doch wo bleibt die konkrete Umsetzung?

 

ÖGS wird Teil des normalen Unterrichts

An österreichischen Pflichtschulen gibt es bereits seit dem vergangenen Schuljahr ein ÖGS-Angebot.

Gehörlose und hörende Kinder können dort ab der 1. Klasse ÖGS lernen.

Jetzt geht Österreich den nächsten Schritt.

An der AHS-Oberstufe wird ÖGS als zweite lebende Fremdsprache angeboten.

Damit wird Gebärdensprache nicht einfach als zusätzliche Unterstützung für gehörlose Schüler betrachtet.

Sie wird als richtige Sprache behandelt.

Das ist politisch wichtig.

 

Ab 2029 sogar Matura in ÖGS

Der nächste Schritt ist besonders interessant:

Ab 2029 soll die Matura in ÖGS möglich sein.

Damit kann die Gebärdensprache bis zu einem wichtigen Schulabschluss geführt werden.

Das zeigt: Gebärdensprache kann Unterrichtssprache, Fremdsprache und Prüfungssprache sein.

Österreich baut damit Schritt für Schritt eine Bildungsstruktur für ÖGS auf.

 

Und Deutschland?

Hier stellt sich eine unangenehme Frage:

Warum geht Österreich diesen Weg – und Deutschland nicht?

Deutschland erkennt die Deutsche Gebärdensprache zwar rechtlich an.

Aber Anerkennung allein reicht nicht.

Gehörlose Menschen brauchen auch konkrete Möglichkeiten, DGS in der Bildung zu lernen und zu nutzen.

Es reicht nicht, immer wieder von Inklusion, Teilhabe und Barrierefreiheit zu sprechen.

Diese Rechte müssen im Alltag ankommen.

Dazu gehört auch Bildung in und mit Gebärdensprache.

DGS darf nicht nur ein Thema für Aktionstage sein

Seit Jahren wird über die Situation gehörloser Kinder gesprochen.

Es gibt Diskussionen über Inklusion.

Es gibt Forderungen nach mehr Barrierefreiheit.

Es gibt Projekte und Modellversuche.

Aber die entscheidende Frage bleibt:

Wo ist ein bundesweit vergleichbarer und langfristiger Bildungsweg für DGS?

Warum können hörende Kinder nicht überall selbstverständlich DGS lernen?

Warum ist DGS nicht an mehr Schulen ein reguläres Unterrichtsfach?

Warum gibt es keinen klaren politischen Fahrplan, wie DGS in Schulen, Ausbildung und Prüfungen stärker verankert werden soll?

 

Österreich zeigt: Es geht

Genau deshalb ist die Entwicklung in Österreich interessant.

Österreich sagt nicht nur:

„Gebärdensprache ist wichtig.“

Österreich schafft konkrete Strukturen.

Erst kommt ÖGS an Pflichtschulen.

Dann kommt ÖGS an die AHS-Oberstufe.

Danach soll die Matura in ÖGS möglich werden.

Das ist eine Entwicklung mit einem klaren Ziel.

Deutschland könnte sich daran ein Beispiel nehmen.

 

Besonders wichtig für hörende Kinder

Gebärdensprache sollte nicht ausschließlich als Sprache gehörloser Menschen betrachtet werden.

Wenn hörende Kinder DGS lernen, entstehen neue Möglichkeiten.

Sie können mit gehörlosen Mitschülern kommunizieren.

Sie lernen eine andere Sprache und eine andere Form der Kommunikation kennen.

Und sie können später vielleicht auch im Beruf davon profitieren.

Mehr Menschen mit DGS-Kenntnissen bedeuten langfristig:

weniger Kommunikationsbarrieren.

 

Gehörlose Kinder brauchen echte Wahlmöglichkeiten

Für gehörlose Kinder geht es um noch mehr.

Es geht um die Frage, ob sie ihre Bildung vollständig und ohne unnötige Kommunikationsbarrieren erhalten können.

Ein Kind darf nicht erst jahrelang kämpfen müssen, damit seine Sprache im Unterricht berücksichtigt wird.

Gebärdensprache muss früh gefördert werden.

Lehrkräfte müssen entsprechend ausgebildet werden.

Unterrichtsmaterialien müssen vorhanden sein.

Und auch Prüfungen müssen in Gebärdensprache möglich sein.

Österreich zeigt, dass ein solcher Weg politisch geplant werden kann.

 

Deutschland darf nicht nur zuschauen

Deutschland ist wirtschaftlich und politisch ein großes Land.

Es gibt viele Gesetze zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen.

Doch zwischen gesetzlicher Anerkennung und tatsächlicher Gleichstellung besteht noch immer eine große Lücke.

Gerade bei der Gebärdensprache wird diese Lücke sichtbar.

Barrierefreiheit darf nicht nur bedeuten, dass irgendwann ein Gebärdensprachdolmetscher bestellt werden kann.

Barrierefreiheit bedeutet auch:

Menschen sollen Zugang zu Bildung in ihrer Sprache haben.

 

Die politische Frage

Österreich hat jetzt eine klare Richtung eingeschlagen.

Deshalb sollte Deutschland nicht nur gratulieren oder beobachten.

Die Bundesregierung und die Bundesländer sollten sich fragen:

Wann bekommt die Deutsche Gebärdensprache einen vergleichbaren Platz im deutschen Bildungssystem?

Und noch wichtiger:

Wann können Schülerinnen und Schüler in Deutschland DGS selbstverständlich lernen – bis hin zu einem anerkannten Schulabschluss?

 

Deaf24-Fazit

Österreich setzt ein wichtiges Zeichen.

ÖGS wird an der AHS-Oberstufe als zweite lebende Fremdsprache verankert. Bereits an Pflichtschulen können Kinder ÖGS lernen. Ab 2029 soll sogar die Matura in ÖGS möglich sein.

Das ist ein großer Schritt für die Anerkennung der Gebärdensprache.

Für Deutschland sollte diese Entwicklung ein Weckruf sein.

Denn gehörlose Menschen brauchen keine schönen Worte über Inklusion.

Sie brauchen konkrete politische Entscheidungen.

Österreich zeigt, was möglich ist.

Jetzt ist Deutschland gefragt:

Wann bekommt die Deutsche Gebärdensprache endlich den Platz, den sie verdient?

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