Seit November 2024 hat sich beim Deutschen Gehörlosen-Bund (DGB) einiges verändert: Eine neue Vorsitzende wurde gewählt, ein frisches Team formiert und neue Kommunikationswege geschaffen. Besonders auffällig: Der DGB veröffentlicht nun jeden Freitag einen Wochenrückblick in Deutscher Gebärdensprache (DGS) – ein Format, das unter anderem auf Instagram und Facebook geteilt wird.
Ziel dieser wöchentlichen Videobeiträge scheint klar: Die Arbeit des Verbandes soll sichtbarer und nachvollziehbarer werden. Doch bei vielen gehörlosen Menschen kommt das nicht wie erhofft an. Im Gegenteil: Es gibt wachsende Zweifel, ob diese Rückblicke echte Informationen oder nur schöne Worte ohne Wirkung sind.
Was steckt wirklich hinter dieser Kommunikations-Offensive? Und wie bewerten Betroffene das neue Format?
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Wöchentliche Einblicke: Was genau zeigt der DGB?
Die Idee hinter den Wochenrückblicken ist eigentlich nachvollziehbar: Die Vorsitzende und weitere Teammitglieder berichten jeden Freitag in DGS, was in der vergangenen Woche geschehen ist. Dazu zählen Gespräche mit Politiker*innen, Fachgremien, Verbänden und erste Konzeptplanungen. Auch Informationen über interne Teamtreffen, Reisen oder Beteiligung an Veranstaltungen werden genannt.
Die Videobeiträge sind jeweils zwei bis fünf Minuten lang und wirken freundlich, offen und gut strukturiert. Man sieht: Der DGB will transparenter sein als in der Vergangenheit – ein Schritt, der auf frühere Kritik reagiert. Denn lange Zeit war vielen Gehörlosen nicht klar, was der Verband eigentlich genau tut.
Gerade vor der Neuwahl im November 2024 war die Stimmung gegenüber dem DGB angespannt. Immer wieder wurde gefragt: Was macht der DGB überhaupt? Warum verbessert sich nichts für uns? Wo bleiben Ergebnisse?
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Kritik bleibt: „Es verändert sich nichts“
Trotz der neuen Offenheit bleibt das Unbehagen in der Community spürbar. Viele Gehörlose berichten: „Die Videos sind nett, aber wir spüren keine Veränderungen in unserem Alltag.“
Kritikpunkte sind unter anderem:
- Es fehlen konkrete Fortschritte, etwa bei wichtigen Themen wie Gebärdensprachdolmetschern, Barrierefreiheit, Inklusion im Berufsleben oder Bildung.
- Die Rückblicke beinhalten viele Ankündigungen und Treffen – aber kaum Ergebnisse oder klare Maßnahmen.
- Es wird zu wenig über Konflikte, Probleme oder Schwierigkeiten gesprochen.
Einige fühlen sich durch die Videos sogar getäuscht: „Das ist alles nur Show, damit wir glauben, dass der DGB aktiv ist. Aber real tut sich nichts.“
Andere wünschen sich, dass der DGB nicht nur berichtet, was intern passiert, sondern mit den Gehörlosen spricht, sie befragt und aktiv einbindet.
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Was sagt der DGB selbst dazu?
Der DGB betont, dass Veränderung Zeit braucht. In den ersten Monaten nach einer Wahl gehe es darum, sich neu zu organisieren, Kontakte zu knüpfen, Strategien zu entwickeln. Die wöchentlichen Rückblicke seien ein erster Schritt zu mehr Sichtbarkeit und Vertrauen.
Auch wird betont, dass viele Probleme – etwa der Mangel an Gebärdensprachdolmetscher*innen – komplexe politische und strukturelle Hintergründe haben, die sich nicht sofort lösen lassen. Man wolle aber in den nächsten Monaten sichtbare Projekte vorstellen.
Einige im DGB sehen die wöchentlichen Videos auch als Chance zur Diskussion. Kritik sei willkommen, und man sei offen für Vorschläge aus der Community.
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Fazit: Ein Anfang – aber Erwartungen bleiben hoch
Die wöchentlichen Rückblicke des DGB sind ein sichtbarer Versuch, mehr Transparenz zu schaffen und Vertrauen aufzubauen. Für einen Verband, der lange Zeit als schwer erreichbar und wenig kommunikationsfreudig galt, ist das ein Schritt in die richtige Richtung.
Doch Offenheit allein reicht nicht. Die gehörlose Community erwartet greifbare Ergebnisse, konkrete Verbesserungen und ehrliche Kommunikation – auch über Rückschläge und ungelöste Probleme.
Tipps für den DGB:
- Zeigt auch, was nicht geklappt hat – Ehrlichkeit schafft Glaubwürdigkeit.
- Beteiligt die Community: Holt Rückmeldungen aus der Basis ein.
- Sprecht nicht nur über Termine, sondern über Ziele, Ergebnisse und Pläne.
- Lasst auch kritische Stimmen im Videoformat zu Wort kommen.
Nur wenn der DGB den Weg der Kommunikation konsequent und mutig weitergeht, kann das Vertrauen wachsen – und aus Rückblicken echte Fortschritte werden.

