Barrierefreiheit im öffentlichen Raum bedeutet weit mehr als Rampen oder breite Wege. Sie beginnt bei verständlichen Informationen, die für alle Menschen zugänglich sind – unabhängig von Behinderung, Sprache oder Bildungsstand. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Córdoba eine neue Kampagne zur inklusiven Beschilderung in öffentlichen Grünanlagen gestartet. Dabei werden universelle Piktogramme und die Argentinische Gebärdensprache (LSA) eingesetzt, um Informationen klar, sichtbar und verständlich zu vermitteln.
Ziel dieser Maßnahme ist es, Menschen mit Hör-, Seh-, geistigen und Entwicklungsbehinderungen den gleichberechtigten Zugang zu Parks und Plätzen zu ermöglichen. Gleichzeitig profitieren auch ältere Menschen, Kinder sowie Personen mit geringen Lese- und Sprachkenntnissen. Die Initiative steht für einen wichtigen Schritt hin zu einer inklusiven Stadt, in der niemand von Informationen ausgeschlossen wird.
Start der Kampagne in der Plaza Las Heras – Elisa
Die erste Umsetzung der neuen Beschilderung erfolgte am Samstag, dem 5. September 2024, in der Plaza und im Park Las Heras – Elisa. Verantwortlich ist die Stadtverwaltung von Córdoba, umgesetzt durch die Generaldirektion für Behinderung, die der Sekretariatsstelle für Sozialpolitik und menschliche Entwicklung unterstellt ist.
Diese erste Installation dient als Pilotprojekt. Im Laufe des Monats September soll die Maßnahme schrittweise auf weitere Grünflächen der Stadt ausgeweitet werden. Die Wahl der Plaza Las Heras – Elisa ist bewusst getroffen worden, da es sich um einen großen, stark frequentierten Park handelt, der von Familien, Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen genutzt wird.
Piktogramme als Schlüssel zur Orientierung
Ein zentrales Element der neuen Beschilderung sind klare, leicht verständliche Piktogramme. Diese visuellen Symbole zeigen unter anderem Wege, Spielbereiche, Dienstleistungen, Regeln und Einrichtungen im Park an.
Der große Vorteil von Piktogrammen liegt darin, dass sie sprachliche Barrieren überwinden. Sie ermöglichen ein schnelles Erfassen der Informationen, ohne lange Texte lesen zu müssen. Besonders hilfreich sind sie für:
- gehörlose Menschen mit eingeschränkter Lesekompetenz
- Menschen mit geistiger oder kognitiver Beeinträchtigung
- ältere Personen
- Kinder
- Menschen mit Migrationshintergrund
Durch diese Form der visuellen Orientierung können sich Besucherinnen und Besucher selbstständiger, sicherer und stressfreier im öffentlichen Raum bewegen.
Gebärdensprache sichtbar machen
Ergänzend zu den Piktogrammen enthalten die neuen Schilder das Fingeralphabet der Argentinischen Gebärdensprache (LSA). Dieser Aspekt hat eine große symbolische und gesellschaftliche Bedeutung.
Die Integration der Gebärdensprache:
- erkennt LSA als vollwertige Sprache an
- stärkt die Sichtbarkeit der gehörlosen Community
- trägt zur Anerkennung der Gehörlosenkultur bei
Gleichzeitig kann diese Maßnahme das Interesse hörender Menschen wecken und zur Sensibilisierung beitragen. Die Präsenz von Gebärdensprache im öffentlichen Raum fördert Respekt, Verständnis und Begegnung zwischen gehörlosen und hörenden Menschen.
Barrierefreie Informationen für viele Zielgruppen
Die Kombination aus Piktogrammen und Gebärdensprache sorgt dafür, dass die Informationen für ein breites Publikum zugänglich sind. Laut Angaben der Stadt richtet sich das Konzept gezielt an Menschen mit:
- Hörbehinderungen
- Sehbehinderungen
- geistigen Behinderungen
- Entwicklungsstörungen
Damit verfolgt die Stadt einen ganzheitlichen Ansatz der Barrierefreiheit. Statt einzelner Sonderlösungen wird auf universelles Design gesetzt, das möglichst vielen Menschen gleichermaßen hilft.
QR-Codes und Videos in Gebärdensprache
Ein weiteres Element der Kampagne sind QR-Codes, die auf den Schildern angebracht sind. Über diese Codes gelangen Besucherinnen und Besucher zu einem Video, in dem zwei gehörlose Kinder erklären, wie der Platz aufgebaut ist und welche Spielmöglichkeiten es gibt.
Dieses Angebot ist besonders für gehörlose Menschen von großer Bedeutung, da:
- visuelle Kommunikation im Vordergrund steht
- Informationen in Gebärdensprache vermittelt werden
- Kinder selbst aktiv eingebunden sind
So wird Barrierefreiheit nicht nur technisch umgesetzt, sondern auch menschlich und nahbar gestaltet.
Ausweitung auf weitere Stadtteile
Die Stadtverwaltung kündigte an, die inklusive Beschilderung auch in weiteren Parks und Plätzen anzubringen. Dabei werden bewusst Orte ausgewählt, die sich in der Nähe von Stiftungen, Einrichtungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen befinden, mit denen die Generaldirektion für Behinderung zusammenarbeitet.
Geplant sind unter anderem Installationen in:
- der Plaza Los Naranjos
- der Plaza Jerónimo del Barco (Alto Alberdi)
- der Plaza Colón (Alberdi)
- der Plaza Policía Federal (San Martín Norte)
- der Plaza Lavalle (San Vicente)
- der Plaza Alberdi (General Paz)
So soll sichergestellt werden, dass barrierefreie Informationen möglichst viele Stadtteile erreichen.
Ein Schritt zu mehr Inklusion im öffentlichen Raum
Die neue Beschilderung mit Piktogrammen und Gebärdensprache ist ein konkretes und sichtbares Zeichen für Inklusion. Sie zeigt, dass Barrierefreiheit nicht kompliziert sein muss, sondern mit durchdachten Lösungen realisiert werden kann.
Öffentliche Parks und Plätze gehören allen Menschen. Damit sie von allen genutzt werden können, müssen Informationen verständlich und zugänglich sein. Die Initiative der Stadt Córdoba ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg und kann als Vorbild für weitere Städte dienen.
Inklusion entsteht dort, wo Vielfalt mitgedacht wird – von Anfang an.

