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Mehr Barrierefreiheit im Pflegeheim

by info@deaf24.com

Spanien – Viele ältere Menschen mit Hörbehinderung leben heute in Pflegeheimen. Dort stoßen sie oft auf große Kommunikationsprobleme, die zu Einsamkeit und Isolation führen. Eine neue Leitlinie der CNSE (Confederación Estatal de Personas Sordas) zeigt Wege auf, wie Pflegeheime besser auf die Bedürfnisse dieser älteren gehörlosen Menschen eingehen können – unter anderem durch Videotechnologie und Schulungen für das Personal. Damit soll ihre Teilhabe, Würde und Lebensqualität verbessert werden.

 

Videotechnik und Kommunikation: Mehr Selbstbestimmung für Ältere mit Hörbehinderung

Die neue Leitlinie „Gute Praxis in der sozial-gesundheitlichen Betreuung älterer gehörloser Menschen in Pflegeeinrichtungen“ macht klar: Die Kommunikation ist der Schlüssel zur Lebensqualität. Um die Verbindung zu Familie und Freunden zu erleichtern, soll es in Pflegeheimen Systeme für eigenständige Videotelefonate geben. So können ältere Menschen mit Hörbehinderung auch ohne fremde Hilfe Kontakt halten.

Darüber hinaus wird in der Leitlinie vorgeschlagen, dass Bewohner mit ausreichender Selbstständigkeit sogar Video-Dolmetschdienste wie die Plattform SVisual nutzen können, um sich bei Bedarf eigenständig zu verständigen. Dies gibt den Senioren mehr Autonomie und ermöglicht es ihnen, wichtige Angelegenheiten selbst zu regeln.

Auch technische Hilfsmittel wie automatische Übersetzungstools oder KI-gestützte Software zur Sprachumwandlung könnten den Zugang zu Informationen erleichtern. So wird die Barriere zwischen Gebärdensprache und Schriftsprache leichter überwunden.

 

Die Leitlinie als sozialer Meilenstein

Roberto Suárez, Präsident der CNSE, nennt die Veröffentlichung der Leitlinie „ein Zeichen von Gerechtigkeit“ für eine oft vergessene Gruppe. Ältere gehörlose Menschen würden häufig übersehen und von öffentlichen Angeboten ausgeschlossen. Suárez betont: „Diese Menschen fordern keine Mitleid, sondern Würde, Präsenz und Teilhabe.“ Die Realität sei, dass viele Senioren mit Hörbehinderung in Heimen das Gefühl haben, sprachlich und kulturell isoliert zu sein. Ihre Muttersprache, die Gebärdensprache, werde oft nicht anerkannt, und ihre Erinnerungen und Erlebnisse fänden kaum Gehör.

Die fehlende Zugänglichkeit beeinträchtigt nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch grundlegende Rechte wie die Teilhabe an Entscheidungen über das eigene Leben oder die soziale Integration. Suárez warnt: „Ohne Barrierefreiheit gibt es kein echtes Zugehörigkeitsgefühl.“ Pflegeeinrichtungen müssten deshalb nicht nur Orte der Pflege sein, sondern auch solche, in denen sich die Menschen aufgehoben und verstanden fühlen.

 

Praktische Empfehlungen für Pflegeeinrichtungen

Die Leitlinie basiert auf dem Real Decreto 674/2023, das eine menschenzentrierte Betreuung mit universeller Zugänglichkeit fordert. Sie enthält konkrete Empfehlungen für Pflegeheime:

  • Schulung des Personals: Alle Mitarbeitenden sollen eine Grundausbildung zur Gebärdensprache und zur Kultur der Gehörlosengemeinschaft erhalten. Dies hilft, sensibler auf die Bedürfnisse der Bewohner einzugehen.
  • Anpassung der Umgebung: Sichtbare Beschilderungen, visuelle Alarmanlagen und Räume, die den Augenkontakt erleichtern, sollen die Orientierung und Sicherheit verbessern.
  • Kommunikationshilfen: Einsatz von Dolmetschern und Mediatoren sowie Nutzung von Videodolmetschdiensten wie SVisual oder VidAsor, die Videoassistenz und Begleitung bieten.
  • Inklusive Aktivitäten: Pflegeheime sollen wichtige Feiertage der Gehörlosengemeinschaft feiern und Angebote gestalten, die alle Bewohner einbeziehen.
  • Verbindung zur Gemeinschaft: Förderung von Kontakten zu lokalen Gehörlosenvereinen, um den sozialen Austausch zu stärken.

 

Stimmen aus der Praxis

Susana Obiang, technische Verantwortliche für die Leitlinie, berichtet, dass bei der Erstellung ältere gehörlose Menschen aktiv eingebunden wurden. Ihre Erfahrungsberichte zeigen eine tiefe Sehnsucht, wahrgenommen und nicht vergessen zu werden. Viele fühlen sich in Heimen unsichtbar und stumm. Obiang fasst zusammen: „Eine gehörlose Person hört nicht auf, gehörlos zu sein, wenn sie alt wird. Diese Leitlinie sagt: ‚Genug!‘ Sie verdienen Umgebungen, in denen sie kommunizieren, erinnern und teilen können.“

 

Fazit

Die neue Leitlinie der CNSE ist ein wichtiger Schritt, um die Lebensqualität älterer Menschen mit Hörbehinderung in Pflegeheimen deutlich zu verbessern. Durch Schulungen, technische Hilfen und inklusive Konzepte wird ihre Kommunikation und Teilhabe gestärkt. Besonders die Möglichkeit zur eigenständigen Videokommunikation mit Familie und Freunden trägt dazu bei, Isolation zu vermeiden und Würde zu bewahren. Pflegeheime müssen mehr sein als reine Pflegeorte: Sie müssen Räume der Zugehörigkeit und Verständigung werden – für alle Menschen, unabhängig von ihren Sinnen.

So wird soziale Gerechtigkeit konkret, und die Stimmen der älteren gehörlosen Generation finden Gehör.

Quelle: CNSE / ILUNION Soziale Kommunikation

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