Gehörlose überlegen oft, ob sie als Betreuer arbeiten können. In Deutschland gibt es viele Menschen, die eine gesetzliche Betreuung brauchen, zum Beispiel wegen Alter, Krankheit oder Behinderung. Gehörlose können diese Arbeit übernehmen, aber es gibt bestimmte Regeln und Herausforderungen.
Was macht ein Betreuer?
Ein gesetzlicher Betreuer hilft einer Person, die wichtige Dinge nicht mehr allein entscheiden kann. Das betrifft zum Beispiel:
- Geld und Finanzen: Rechnungen bezahlen, Anträge stellen, Sozialleistungen beantragen.
- Gesundheit: Arzttermine organisieren, Behandlungen zustimmen.
- Wohnen: Wohnungssuche, Mietverträge, Umzüge regeln.
- Behörden: Briefe vom Amt verstehen, wichtige Dokumente unterschreiben.
Der Betreuer darf nicht einfach alles entscheiden. Er muss immer das Beste für die betreute Person tun.
Voraussetzungen für Gehörlose
Nicht jeder kann Betreuer werden. Man muss zuverlässig sein, gut organisieren können und sich mit Gesetzen auskennen. Gehörlose brauchen gute Kommunikationsmöglichkeiten, weil sie oft mit Ämtern, Banken oder Ärzten sprechen müssen. Wichtig ist:
- Gute Schriftsprachkenntnisse: Viel Kommunikation passiert über Briefe und E-Mails.
- Verantwortungsbewusstsein: Die Entscheidungen betreffen das Leben einer anderen Person.
- Geduld und Durchhaltevermögen: Manche Aufgaben sind kompliziert und dauern lange.
Wie kann man als Gehörloser Betreuer arbeiten?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten:
1. Ehrenamtliche Betreuung
Man kann ehrenamtlich eine Betreuung übernehmen, zum Beispiel für einen gehörlosen Freund oder Verwandten. Dafür gibt es meist kein Geld, aber eine kleine Aufwandsentschädigung.
2. Hauptberufliche Betreuung
Man kann als Berufsbetreuer arbeiten und mehrere Personen betreuen. Dafür bekommt man Geld vom Sozialamt oder Gericht.
3. Selbstständige Betreuung
Viele Berufsbetreuer sind selbstständig. Das heißt, sie arbeiten ohne festen Arbeitgeber und müssen sich selbst um alles kümmern (Kunden finden, Buchhaltung machen).
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Wer bezahlt die Betreuung?
Die Kosten für die Betreuung übernimmt:
- Das betreute Gehörlose selbst, wenn es genug Geld hat.
- Das Sozialamt, wenn die betreute Person nicht genug Geld hat.
- Das Gericht, wenn der Betreuer vom Gericht bestellt wurde.
Können gehörlose Betreute ihren Betreuer selbst aussuchen?
Ja, sie haben ein Mitspracherecht!
- Wenn jemand eine Betreuung braucht, kann er einen Wunsch äußern, wer der Betreuer sein soll.
- Das Gericht prüft diesen Wunsch und entscheidet, ob die Person als Betreuer geeignet ist.
Bestimmt das Gericht selbst, wer der Betreuer wird?
Ja, das Gericht entscheidet immer über die Betreuung.
- Wenn die betreute Person keinen Wunsch äußert oder die gewünschte Person nicht geeignet ist, bestimmt das Gericht einen Betreuer.
- Das Gericht kann Angehörige, ehrenamtliche Betreuer oder Berufsbetreuer einsetzen.
Wie viel verdient ein Betreuer?
Der Verdienst hängt von der Anzahl der Betreuungen ab. Es gibt feste Stundensätze, die vom Gericht festgelegt werden. Durchschnittlich kann ein Berufsbetreuer zwischen 2.500 und 4.500 Euro im Monat verdienen, wenn er genug Betreuungen hat.
Vorteile und Nachteile für Gehörlose
Vorteile
- Gehörlose verstehen andere Gehörlose besser.
- Sie können helfen, Barrieren abzubauen.
- Sie haben die Chance, eine verantwortungsvolle Arbeit zu übernehmen.
Nachteile
- Viel Papierkram, viele Briefe und Formulare.
- Mobbing und Vorurteile: Manche glauben, Gehörlose könnten die Arbeit nicht machen.
- Hohe Verantwortung – Fehler können große Folgen haben.
Rechte und Unterstützung für gehörlose Betreuer
Gehörlose Betreuer haben das Recht auf Unterstützung, zum Beispiel:
- Gebärdensprachdolmetscher für wichtige Gespräche mit Ämtern oder Gerichten.
- Schulungen und Fortbildungen, um sich weiterzubilden.
- Beratung und Hilfe von Betreuungsvereinen.
Ist der Beruf für Gehörlose geeignet?
Ja, aber es gibt große Herausforderungen. Gehörlose können sehr gute Betreuer sein, besonders für gehörlose Betreute. Aber sie müssen gut lesen und schreiben können, sich gegen Vorurteile wehren und viel Verantwortung tragen. Wer sich gut vorbereitet, hat eine echte Chance!
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

