Ein Instagram-Beitrag des Nutzers „gesichert.level.zero“ (früher bekannt als deaf_iq_level_zero) hat in den vergangenen Tagen für deutliche Unruhe innerhalb der Deaf-Community gesorgt. In sogenannter Leichter Sprache sowie in vereinfachter schriftlicher DGS richtete sich der Absender gezielt an gehörlose und stark schwerhörige Menschen im Kreis Lippe. Er bot Hilfe beim Ausfüllen eines Mitgliedsantrags für die AfD an – inklusive persönlicher Begleitung zu Gesprächen, wenn dies gewünscht sei. Gleichzeitig betonte er mehrfach: „Das ist keine Werbung.“ Stimmt das?
Doch genau diese Aussage steht inzwischen stark in der Kritik. Denn Deaf24 konnte inzwischen nachweisen, dass der Nutzer selbst eindeutig AfD-nah ist und aktiv für die Partei wirbt. Damit erhält der ursprünglich scheinbar neutrale Hilfsaufruf eine völlig neue politische Dimension.
Dieser Artikel ordnet den Fall journalistisch ein, erklärt die Problematik verständlich, beleuchtet die Wirkung auf gehörlose Menschen – und zeigt auf, warum Transparenz in politischer Kommunikation unverzichtbar ist.
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Was genau wurde angeboten?
Im ursprünglichen Beitrag erklärte der Nutzer, dass er gehörlosen und stark schwerhörigen Menschen helfen wolle, wenn sie selbst Interesse an einer AfD-Mitgliedschaft hätten. Er bot an:
- den Mitgliedsantrag zu erklären
- beim Ausfüllen des Formulars zu helfen
- bei Gesprächen persönlich zu begleiten
Als Begründung nannte er ausschließlich einen Punkt:
Er wolle Kommunikationsprobleme vermeiden.
Gleichzeitig stellte er klar:
„Das ist keine Werbung. Ich helfe nur, wenn jemand sowieso Mitglied werden möchte.“
Auf den ersten Blick wirkt dieses Angebot wie eine Form von barrierefreier Unterstützung. Barrierefreiheit ist grundsätzlich ein wichtiges Menschenrecht. Politische Teilhabe darf nicht an komplizierter Sprache oder fehlender Kommunikation scheitern. Genau hier aber beginnt die kritische Debatte.
Warum der Beitrag als schleichende Werbung wirkt
Auch wenn der Absender ausdrücklich betont, dass es „keine Werbung“ sei, entsteht objektiv eine werbliche Wirkung. Das liegt an mehreren Punkten:
- Es wird ausschließlich eine konkrete Partei genannt (die AfD).
- Es wird praktische Unterstützung für den Parteieintritt angeboten.
- Die Hilfe richtet sich gezielt an eine klar definierte Zielgruppe – gehörlose Menschen.
- Die Unterstützung ist emotional positiv besetzt (Hilfe, Begleitung, Unterstützung).
In der Medienethik gilt:
Sobald ein konkreter politischer Akteur sichtbar gefördert wird, entsteht politische Werbung – unabhängig von der Selbstbezeichnung.
Gerade weil der Beitrag niedrigschwellig gestaltet ist, kann er Menschen den Einstieg erleichtern, die sich sonst vielleicht nicht mit einer Parteimitgliedschaft beschäftigt hätten. Genau darin liegt die Wirkung von indirekter politischer Werbung.
Neue Enthüllung: Deaf24 deckt AfD-Mitgliedschaft auf
Nach der Veröffentlichung des Instagram-Beitrags hat Deaf24 den Fall weiter recherchiert. Dabei wurde ein weiteres öffentlich zugängliches Video desselben Nutzers entdeckt, in dem er sich eindeutig positiv über die AfD äußert und offen parteinah auftritt.
Damit ist nun klar belegt:
@gesichert.level.zero ist nicht politisch neutral, sondern selbst AfD-Mitglied oder zumindest eindeutig parteigebunden. Zudem wirbt er auch in anderen Inhalten offen für die Partei.
Diese neue Faktenlage verändert die gesamte Bewertung des ursprünglichen Hilfsangebots grundlegend. Denn was vorher als „private Unterstützung bei bestehendem Interesse“ dargestellt wurde, ist nun als gezielte parteipolitische Ansprache der Deaf-Community einzuordnen.
Die wiederholte Aussage „keine Werbung“ verliert damit deutlich an Glaubwürdigkeit.
Warum diese Entwicklung für Gehörlose besonders kritisch ist
Gehörlose Menschen gehören zu den gesellschaftlichen Gruppen, die häufig mit folgenden Problemen kämpfen:
- erschwerter Zugang zu politischer Bildung
- komplizierte Behördensprache
- fehlende Gebärdensprachdolmetscher
- Abhängigkeit von vermittelnden Personen
Viele gehörlose Menschen berichten, dass sie sich politisch oft nicht vollständig informiert fühlen, weil Informationen nicht barrierefrei aufbereitet werden. Umso wichtiger ist es, dass politische Angebote transparent, ausgewogen und ohne versteckte Interessen erfolgen.
Wenn aber eine parteigebundene Person gezielt gehörlose Menschen anspricht, ohne diese politische Nähe offen zu benennen, entsteht der Eindruck einer verdeckten Einflussnahme. Das ist besonders problematisch, weil Vertrauen eine zentrale Rolle spielt. Hilfe wirkt neutral – politische Bindung dagegen hätte klar offengelegt werden müssen.
Hilfe ist nicht das Problem – fehlende Neutralität schon
Es ist wichtig, klar zu unterscheiden:
Barrierefreie politische Unterstützung ist richtig und notwendig.
Problematisch wird sie erst, wenn sie einseitig parteigebunden erfolgt.
Wirklich neutral wäre zum Beispiel:
- Hilfe beim Verstehen von Wahlprogrammen aller Parteien
- Begleitung bei politischen Gesprächen unabhängig von der Parteizugehörigkeit
- Aufklärung über politische Prozesse ohne Parteibindung
Im vorliegenden Fall jedoch wird politische Teilhabe direkt mit einer einzelnen Partei verknüpft. Dadurch wird aus Hilfe politische Werbung – auch dann, wenn das Wort „Werbung“ vermieden wird.
Verantwortung auf Social Media
Soziale Medien sind kein privater Raum mehr. Politische Inhalte erreichen dort schnell viele Menschen, werden geteilt, kommentiert und emotional diskutiert. Wer dort parteibezogene Hilfe anbietet, trägt automatisch öffentliche Verantwortung.
Besonders bei marginalisierten Gruppen wie der Deaf-Community gilt:
Politische Kommunikation muss transparent, ehrlich und offen gestaltet sein. Alles andere gefährdet Vertrauen – und das ist für gesellschaftliche Teilhabe unverzichtbar.
Fazit
Der Fall „gesichert.level.zero“ zeigt deutlich, wie schnell Hilfe zu politischer Werbung werden kann – besonders dann, wenn politische Nähe nicht offen benannt wird. Durch die Recherchen von Deaf24 ist inzwischen klar: Der Absender ist eindeutig AfD-nah und wirbt auch in anderen Videos offen für die Partei. Damit ist das ursprüngliche Hilfsangebot nicht mehr als neutral einzuordnen, sondern als gezielte politische Ansprache gehörloser Menschen.
Barrierefreiheit darf niemals als Werkzeug für parteipolitische Mitgliedergewinnung missbraucht werden. Gehörlose Menschen haben ein Recht auf neutrale, transparente und unabhängige politische Information. Nur so ist echte demokratische Teilhabe möglich – ohne Druck, ohne Täuschung und ohne verdeckte Interessen.
Bild von Dominic Wunderlich auf Pixabay


