In den sozialen Medien gab es viele spannende Diskussionen rund um den Landesverband Bayern der Gehörlosen. Besonders oft ging es um die Satzung – also die Regeln und Abläufe im Verband. Natürlich ist es wichtig, diese Regeln zu kennen und zu verstehen. Aber: Die Satzung allein löst keine Probleme. Viel wichtiger ist, dass wir über die wirklichen Schwierigkeiten sprechen, die die gehörlose Gemeinschaft in Bayern betreffen. Denn es gibt viele offene Fragen, große Herausforderungen und Dinge, die besser laufen müssen.
Große Probleme in der gehörlosen Gemeinschaft in Bayern:
Die Gemeinschaft ist stark gespalten – es fehlt an Zusammenhalt.
Viele Gehörlose in Bayern fühlen sich nicht als Teil einer gemeinsamen Familie. Es gibt Gruppen, Vereine und Einzelpersonen, die nicht gut miteinander sprechen oder zusammenarbeiten. Manche fühlen sich ausgeschlossen oder nicht ernst genommen. Das führt zu Streit, Misstrauen und Unzufriedenheit. Eine starke Gemeinschaft braucht aber Vertrauen, Austausch und ein gutes Miteinander.
Keine Einigkeit bei wichtigen politischen und gesellschaftlichen Themen.
Ob es um Bildung, Barrierefreiheit, Dolmetscher, Arbeitswelt oder Gehörlosengeld geht – oft haben die verschiedenen Gruppen und Verbände unterschiedliche Meinungen. Das führt dazu, dass nichts vorankommt. Wenn wir uneinig sind, hören Politik und Gesellschaft nicht auf uns. Eine starke gemeinsame Stimme wäre notwendig, um wichtige Forderungen durchzusetzen.
Die Lobby der Gehörlosen ist schwach.
In der Politik braucht jede Gruppe Menschen, die sich für ihre Rechte stark machen – eine sogenannte Lobby. Leider ist die Lobby der Gehörlosen in Bayern nicht stark genug. Unsere Anliegen werden kaum gehört. Es fehlen klare Strategien und mutige Vertreter, die die Interessen der Gehörlosen mit Nachdruck vertreten.
Mangelnde Transparenz zwischen Vorstand und Vereinen.
Viele Mitglieder fragen sich: Was macht der Vorstand eigentlich? Welche Entscheidungen werden getroffen und warum? Oft bekommen die Vereine keine klaren Infos. Es gibt zu wenig Austausch und Gespräche zwischen dem Vorstand und den Menschen an der Basis. Das sorgt für Misstrauen und Unklarheit.
Schlechte Informationsweitergabe – viele Gehörlose bleiben unwissend.
Oft erfahren Mitglieder wichtige Neuigkeiten erst sehr spät – oder gar nicht. Veranstaltungen, Wahlen, Satzungsänderungen oder andere wichtige Dinge werden nicht gut oder verständlich erklärt. Viele fühlen sich übergangen und nicht mitgenommen.
Schwäche bei wichtigen Themen wie Frauenrechte, Senioren, Bildung und Gehörlosengeld.
Gerade bei Themen, die viele Gehörlose betreffen, ist die politische Stimme des Verbands sehr leise. Oft wird nichts unternommen oder es herrscht Stillstand, weil sich die Beteiligten nicht einig sind. Dadurch bleiben viele Probleme ungelöst – seit Jahren.
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Persönliche Erfahrung zeigt: Es fehlt an Offenheit und Unterstützung
Als Rudolf Gast noch lebte, hat er mich einmal gefragt, ob ich den ersten Vorsitz im Landesverband übernehmen möchte. Das war für mich eine große Ehre. Er hat mir damit sein Vertrauen gezeigt. Doch er hat keine Hinweise auf die Satzung, die Geschäftsordnung oder andere Regeln gegeben. Keine Erklärung, keine Einführung, keine Orientierung.
Er hat sich wirklich gewünscht, dass ich dieses Amt übernehme – aus voller Überzeugung. Nicht wegen Regeln, sondern weil er gesehen hat, dass ich mich engagieren will und Verantwortung übernehmen kann.
Diese Erfahrung zeigt deutlich: Es braucht mehr als Regeln. Es braucht Offenheit, Unterstützung und den echten Willen, neue Menschen einzubinden – egal ob sie Erfahrung mit Paragraphen haben oder nicht.
Auch früher gab es andere Beispiele: Gerhard Jandy und Volker Siegling durften kandidieren, obwohl sie keine Delegierten waren. Das war ein gutes Zeichen: Wer motiviert war, durfte mitmachen – auch ohne komplizierte Regeln. Heute scheint das nicht mehr möglich zu sein. Warum?
Der Eindruck: Willkür statt Fairness
Viele fragen sich: Warum dürfen manche kandidieren und andere nicht? Warum werden manche ausgeschlossen? Diese Prozesse wirken willkürlich – also unfair und ohne klare Regeln. Das ist gefährlich für unsere Demokratie und unsere Mitbestimmung. Die gehörlose Gemeinschaft braucht faire und offene Prozesse – sonst verlieren viele das Vertrauen in den Verband.
Fazit: Wir brauchen Veränderung – jetzt!
Die gehörlose Gemeinschaft in Bayern verdient mehr Respekt, mehr Mitbestimmung und mehr Zusammenhalt. Der Vorstand muss offen mit den Vereinen und Mitgliedern kommunizieren. Entscheidungen müssen transparent und verständlich erklärt werden. Menschen, die sich engagieren wollen, müssen Unterstützung bekommen – keine Hindernisse.
Nur wenn wir gemeinsam, offen und ehrlich zusammenarbeiten, können wir die großen Herausforderungen lösen. Es geht um unsere Zukunft. Und die beginnt mit dem Mut zur Veränderung.

