Krefeld – Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist eine visuell ausgedrückte Sprache mit eigener Grammatik. Sie ist nicht einfach eine „gestikulierte“ Version des Deutschen, sondern ein eigenständiges Sprachsystem. Genau das lernen hörende Menschen aktuell in einem besonderen Kurs an der Volkshochschule (VHS) Krefeld. Dort unterrichtet eine gebärdensprachkompetente Dozentin, wie vielfältig und ausdrucksstark die Gebärdensprache ist – und wie viel Konzentration und Respekt sie erfordert.
Ein Kurs mit Aha-Erlebnissen
Der Kurs ist offen für alle, doch er richtet sich vor allem an hörende Menschen, die sich für die Gebärdensprache interessieren – sei es beruflich, privat oder aus Solidarität mit Gehörlosen. Schon in den ersten Stunden wird deutlich: Es geht hier nicht nur um Vokabeln. Vielmehr müssen die Teilnehmer lernen, visuell zu denken, sich auf Mimik, Gestik und Körperhaltung zu konzentrieren – und sich auf eine völlig neue Sprachlogik einzulassen.
Ein Teilnehmer erzählt:
„Ich dachte, es sei nur ein bisschen Winken. Aber das stimmt nicht. Es ist wie eine eigene Welt.“
Vier Gebärden für „Hund“ – regionale Unterschiede und kulturelle Vielfalt
Ein besonders spannender Moment im Unterricht: Die Dozentin zeigt, dass es vier verschiedene Gebärden für das Wort „Hund“ gibt – je nachdem, in welcher Region man lebt oder in welchem Zusammenhang das Wort gebraucht wird.
Beispielsweise:
- Die klassische Gebärde stellt das Rufen eines Hundes nach.
- Eine andere Variante zeigt den Hund mit der Zunge heraushängend.
- In manchen Regionen wird auf die Leine angespielt.
- Manche Gehörlose nutzen eine Gebärde, die eher wie ein Bellen aussieht.
Die Teilnehmer sind erstaunt – und gleichzeitig fasziniert.
Die Dozentin erklärt:
„Gebärdensprache ist nicht einheitlich. Es gibt Dialekte, wie im Deutschen auch. Manche Zeichen verändern sich auch mit der Zeit.“
Konzentration auf Augen, Hände und Gesicht
Der Kurs ist mehr als Sprachunterricht – er ist auch eine Übung in Aufmerksamkeit und Körperbeherrschung. Denn: In der Gebärdensprache ist das Gesicht genauso wichtig wie die Handbewegungen. Emotionen, Fragen, Betonungen – all das wird über Mimik mitgeteilt.
Für viele Teilnehmer ist das eine Herausforderung:
„Ich merke, dass ich oft mit dem Gesicht zu wenig mache. Man muss wirklich lernen, den ganzen Körper zu benutzen.“
Die Kursleiterin achtet streng darauf, dass Fragen im Gesicht sichtbar gemacht werden – etwa durch hochgezogene Augenbrauen oder bestimmte Kopfbewegungen. Das erfordert Übung und Konzentration, vor allem für Menschen, die es nicht gewohnt sind.
Gehörlose Menschen und ihre Sprache ernst nehmen
Ein zentraler Punkt des Kurses ist auch das Verständnis für die Gehörlosenkultur. Die Gebärdensprache ist nicht einfach ein Hilfsmittel, sondern identitätsstiftend. Viele Gehörlose empfinden es als respektlos, wenn hörende Menschen die Sprache nur „nebenbei“ oder falsch benutzen.
Die Dozentin betont:
„Wer mit Gehörlosen kommunizieren will, muss mehr tun, als nur Zeichen nachahmen. Man muss die Kultur verstehen – und bereit sein, sich auf andere Denkweisen einzulassen.“
Deshalb behandelt der Kurs auch Themen wie:
- Geschichte der Gebärdensprache in Deutschland
- Rechte von Gehörlosen
- Barrieren im Alltag
- Umgang mit Dolmetschern
Ein Schritt zur Inklusion
Die VHS Krefeld zeigt mit diesem Kurs, wie wichtig es ist, Barrieren zwischen hörenden und gehörlosen Menschen abzubauen. Denn echte Inklusion beginnt mit Verständnis – und mit Sprache.
Die Teilnehmer nehmen nicht nur neues Wissen mit, sondern auch eine neue Sicht auf Kommunikation:
„Ich habe gelernt, dass es nicht nur ums Reden geht. Sondern ums Sehen, Fühlen und Verstehen.“
Fazit
Die Deutsche Gebärdensprache ist weit mehr als eine Sammlung von Zeichen – sie ist eine lebendige, kreative und tiefgründige Sprache. Der Kurs an der VHS Krefeld zeigt eindrucksvoll, wie komplex und schön diese Sprache ist. Wer sich darauf einlässt, betritt eine neue Welt – voller Respekt, Ausdruckskraft und Menschlichkeit.
Hinweis für Gehörlose:
Wenn du hörende Bekannte hast, die Interesse an der Gebärdensprache zeigen, ist dieser VHS-Kurs vielleicht eine gute Empfehlung. So kann gegenseitiges Verständnis wachsen – und ein Stück Alltag barrierefreier werden.
Bild von Tumisu auf Pixabay

