Immer mehr technische Hilfsmittel sollen den Alltag für Gehörlose verbessern. Eine dieser neuen Entwicklungen ist Hearview – ein System, das gesprochene Inhalte aus dem Radio (wie Verkehrsmeldungen, Wetterberichte oder Warnungen vor Blitzern) in Untertitel umwandelt. Dadurch können gehörlose Autofahrer besser informiert bleiben, obwohl sie die Durchsagen im Radio nicht hören.
Doch es stellt sich eine wichtige Frage:
Ist es erlaubt, während der Fahrt diese Untertitel zu lesen? Und ist es überhaupt sicher?
Was ist Hearview?
Hearview ist ein Hilfsmittel für Gehörlose im Auto. Es empfängt Radiodurchsagen (z. B. Nachrichten, Staumeldungen oder Wetterwarnungen) und zeigt den gesprochenen Text als Untertitel auf einem Bildschirm an. Gehörlose können so wichtige Informationen verstehen, die sonst nur hörende Fahrer mitbekommen.
Was sagt das Gesetz in Deutschland?
In Deutschland gibt es klare Regeln für das Verhalten im Straßenverkehr. Diese Regeln stehen in der Straßenverkehrsordnung (StVO).
Dort heißt es in § 23 Absatz 1a StVO:
„Wer ein Fahrzeug führt, darf ein elektronisches Gerät mit Bildschirm nur benutzen, wenn es der Verkehrssicherheit nicht entgegensteht und der Blick nur kurz vom Verkehrsgeschehen abgewendet wird.“
Das bedeutet:
- Ein Bildschirm im Auto ist nicht verboten, wenn man nur kurz darauf schaut und weiterhin sicher fährt.
- Verboten ist es aber, längere Texte zu lesen, während man fährt, weil das zu viel Aufmerksamkeit vom Verkehr ablenkt.
Besonders Handys und Smartphones gelten als gefährlich. Auch wenn man nur eine Nachricht liest, kann das gefährlich sein. Deshalb ist das Tippen oder Lesen auf dem Handy während der Fahrt in den meisten Fällen nicht erlaubt.
Für Hearview gibt es bisher keine spezielle gesetzliche Regelung. Das bedeutet: Es ist nicht ausdrücklich verboten, aber auch nicht ausdrücklich erlaubt. Es hängt davon ab, wie und wie lange man das Gerät während der Fahrt benutzt.
Ist es gefährlich, beim Autofahren Untertitel zu lesen?
Ja, es kann gefährlich sein, wenn man beim Fahren zu lange auf einen Bildschirm schaut.
Warum?
- Bereits 2 Sekunden Ablenkung können ausreichen, um einen Unfall zu verursachen.
- Bei Tempo 100 km/h fährt man in 2 Sekunden etwa 55 Meter weit. In dieser Zeit sieht man nicht, was auf der Straße passiert.
- Wenn man Untertitel liest, schaut man nicht auf die Straße. Das ist ähnlich gefährlich wie eine SMS zu lesen.
Auch wenn Hearview nur kurze Texte zeigt (z. B. „Stau auf der A3 bei Würzburg“), muss man kurz wegschauen. Dieser Moment kann in bestimmten Situationen (z. B. Stadtverkehr, Autobahn, Überholen) bereits zu viel sein.
Was sagen Fachleute?
Verkehrssicherheits-Experten warnen schon seit Jahren:
Ablenkung am Steuer ist eine der häufigsten Unfallursachen.
Deshalb empfehlen Fachleute:
- Keine langen Texte während der Fahrt lesen.
- Möglichst nur auf Geräte schauen, die fest eingebaut sind (z. B. Navigationsgeräte).
- Nur kurz und mit einem Blick die Information aufnehmen – ähnlich wie bei einem Blick auf den Tacho.
Für Gehörlose heißt das: Auch wenn Hearview eine Hilfe ist, muss man sehr vorsichtig damit umgehen. Die Sicherheit im Straßenverkehr hat immer Vorrang.
Was ist erlaubt? Was ist nicht erlaubt?
| Erlaubt | Nicht erlaubt |
|---|---|
| Kurzer Blick auf einen fest eingebauten Bildschirm mit wichtigen Infos | Längeres Lesen von Texten während der Fahrt |
| Nutzung eines Systems, das kurze Meldungen (z. B. Stauwarnung) zeigt | Nutzung eines Tablets oder Smartphones während der Fahrt |
| Nutzung durch den Beifahrer | Nutzung von Hearview während schneller oder unübersichtlicher Fahrten (z. B. Autobahn) |
| Lesen im Stand (z. B. rote Ampel, Stau, Parkplatz) | Lesen bei voller Fahrt in gefährlichen Verkehrssituationen |
Was ist die Empfehlung für gehörlose Autofahrer?
- Hearview ist eine gute Idee, um gehörlose Menschen gleichberechtigt zu informieren.
- Aber: Während der Fahrt sollten die Untertitel nur sehr kurz und nur in sicheren Momenten gelesen werden.
- Besser ist: Beifahrer liest die Untertitel mit und gibt die Informationen weiter – z. B. durch Tippen auf die Schulter oder Handzeichen.
- Alternativ kann man die Informationen auch im Stand oder im Stau lesen.
- Wenn es um wichtige Nachrichten oder Meldungen geht (z. B. Unfall auf der Strecke), kann man kurz anhalten oder die Meldung später nachlesen.
7. Zusammenfassung
- Hearview bietet eine neue Möglichkeit für Gehörlose, wichtige Verkehrsinformationen zu erhalten.
- Das Lesen von Untertiteln während der Fahrt ist nicht grundsätzlich verboten, aber gefährlich, wenn es zu sehr ablenkt.
- Die Sicherheit im Straßenverkehr ist immer am wichtigsten.
- Kurze, klare Informationen können eventuell während der Fahrt gelesen werden – aber nur dann, wenn es die Verkehrssituation erlaubt.
- Deaf24 empfiehlt: Nur im Notfall unterwegs lesen, besser im Stand oder mit Beifahrer verwenden.

