Am 22. Januar 2026 fand im Abgeordnetenhaus von Berlin ein wichtiger Termin statt: die 63. Sitzung des Ausschusses für Arbeit und Soziales. Im Mittelpunkt standen Menschen mit Behinderungen. Besonders thematisiert wurden gehörlose und hörbehinderte Menschen sowie geflüchtete Menschen mit Behinderungen. Es ging um ein zentrales Thema, das viele seit Jahren bewegt: barrierefreie Kommunikation und echte Teilhabe.
Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Selbsthilfe kamen zusammen. Für den Gehörlosenverband Berlin e. V. nahmen unter anderem Uwe Schönfeld und Steffen Helbing teil. Beide schilderten später, dass dieser Tag für sie von besonderer Bedeutung war – nicht nur politisch, sondern auch persönlich.
Sitzung im Abgeordnetenhaus: Worum es konkret ging
Die Sitzung beschäftigte sich mit der Frage, wie Kommunikation für Menschen mit Behinderungen besser gestaltet werden kann. Im Fokus standen dabei Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetscher sowie Kommunikationsassistentinnen und -assistenten. Diese Unterstützungsformen sind für viele gehörlose und hörbehinderte Menschen unverzichtbar, um gleichberechtigt an Gesprächen, Terminen und politischen Prozessen teilzunehmen.
Auch die Situation von geflüchteten Menschen mit Behinderungen wurde angesprochen. Sie stehen oft vor mehrfachen Hürden: Sprache, Behinderung, rechtlicher Status und fehlende Unterstützungssysteme. In der Sitzung wurde deutlich, dass barrierefreie Kommunikation nicht nur ein technisches Thema ist, sondern ein Menschenrecht.
Persönliche Perspektive: Stimme aus der Deaf-Community
Steffen Helbing, selbst gehörlos und Vertreter des Gehörlosenverbandes Berlin e. V., berichtete im Anschluss an die Sitzung über seine Eindrücke. Für ihn war dieser Tag ein Beispiel für gelebte Partizipation. Seine Aussagen machten deutlich: Es geht nicht nur darum, anwesend zu sein, sondern wirklich gehört zu werden.
Nach seinen Worten hörten die anwesenden Abgeordneten aufmerksam zu. Fragen wurden ernsthaft gestellt, Argumente respektvoll aufgenommen. Dieses Verhalten wurde als Zeichen von Offenheit und gegenseitigem Respekt wahrgenommen. Für viele aus der Deaf-Community ist das keine Selbstverständlichkeit.
Lesen Sie auch
Politischer Austausch auf Augenhöhe
Besonders hervorgehoben wurde die Atmosphäre der Sitzung. Verschiedene Parteien beteiligten sich am Austausch. Der Ton war sachlich, freundlich und konstruktiv. Es gab keine abwertenden Kommentare, sondern echtes Interesse an den Anliegen der Betroffenen.
Dieser Umgang ist wichtig. Viele gehörlose Menschen haben in der Vergangenheit andere Erfahrungen gemacht: Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg, komplizierte Sprache, fehlende Barrierefreiheit. Umso bedeutsamer war das Signal, das von dieser Sitzung ausging.
Hoffnung auf Veränderungen: Blick auf die Gesetzgebung
Ein zentrales Thema war die mögliche gesetzliche Anerkennung von Kommunikationsassistentinnen und -assistenten. Diese unterstützen gehörlose Menschen oft sehr praxisnah, alltagsorientiert und kulturell kompetent. In Brandenburg ist ihre Anerkennung bereits gesetzlich geregelt.
In der Sitzung wurde deutlich, dass auch Berlin diesen Weg gehen könnte. Konkrete Zusagen wurden zwar nicht gemacht, doch die Signale waren positiv. Für viele Betroffene wäre dies ein wichtiger Schritt hin zu mehr Selbstbestimmung und Wahlfreiheit bei der Kommunikation.
Dank an Politik und Verwaltung
Steffen Helbing und Uwe Schönfeld bedankten sich ausdrücklich bei Senatorin Cansel Kiziltepe sowie bei allen beteiligten Abgeordneten und Parteien. Der Dank galt nicht nur dem Inhalt der Gespräche, sondern auch der Art und Weise, wie der Austausch geführt wurde.
Respekt, Wertschätzung und Offenheit wurden mehrfach betont. Diese Faktoren tragen entscheidend dazu bei, Vertrauen zwischen Politik und Selbsthilfe aufzubauen. Ohne Vertrauen ist langfristige Zusammenarbeit kaum möglich.
Rolle des Gehörlosenverbandes Berlin e. V.
Der Gehörlosenverband Berlin e. V. sieht sich als Sprachrohr der Deaf-Community in der Hauptstadt. Die Teilnahme an der Ausschusssitzung ist Teil einer langfristigen Strategie: Probleme benennen, Lösungen vorschlagen und im Dialog bleiben.
Der Verband kündigte an, die Zusammenarbeit mit dem Abgeordnetenhaus fortzusetzen. Ziel ist es, die Interessen gehörloser Menschen kontinuierlich einzubringen und politische Prozesse aktiv zu begleiten.
Einordnung: Warum dieser Tag wichtig ist
Diese Sitzung war kein Abschluss, sondern ein Zwischenschritt. Dennoch hat sie eine starke symbolische Bedeutung. Sie zeigt, dass politische Teilhabe von gehörlosen Menschen möglich ist, wenn Barrieren abgebaut und Gespräche auf Augenhöhe geführt werden.
Für die Deaf-Community sendet dieser Tag ein wichtiges Signal: Engagement lohnt sich. Veränderungen sind möglich, auch wenn sie Zeit brauchen. Entscheidend ist, dass Betroffene selbst sprechen und ernst genommen werden.
Fazit
Der 22. Januar 2026 war für viele gehörlose Menschen in Berlin ein ermutigender Tag. Die Sitzung des Ausschusses für Arbeit und Soziales zeigte, wie respektvoller Dialog funktionieren kann. Themen wie barrierefreie Kommunikation, Gebärdensprachdolmetschen und Kommunikationsassistenz wurden offen diskutiert.
Noch sind nicht alle Probleme gelöst. Doch der Austausch im Abgeordnetenhaus macht Hoffnung auf konkrete Verbesserungen. Teilhabe beginnt mit Zuhören – und genau das ist an diesem Tag geschehen.
Video und Bild: https://www.instagram.com/steffen_helbing/


