Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist für viele taube Menschen mehr als nur ein Kommunikationsmittel – sie ist ein zentraler Teil ihrer Identität, Kultur und Gemeinschaft. Trotzdem genießt sie in Deutschland bisher keinen rechtlichen Status als Minderheitensprache. Das soll sich ändern. Ein politisches Treffen im Deutschen Bundestag setzt nun ein wichtiges Zeichen: Gemeinsam mit politischen und sprachpolitischen Fachleuten wurde über die Anerkennung der DGS als Minderheitensprache gesprochen. Was genau geplant ist, wer beteiligt ist und welche nächsten Schritte folgen – das erklärt dieser Bericht in einfacher und klarer Sprache für die Deaf-Community.
Austausch im Bundestag: Ein wichtiger Schritt
Am gestrigen Tag fand ein bedeutendes Treffen im Deutschen Bundestag statt. Steffen Helbing, selbst aktiver CDU-Politiker und seit vielen Jahren engagiert für die Rechte gehörloser Menschen, traf gemeinsam mit Professor Dr. Christian Rathmann (Humboldt-Universität zu Berlin), der Sprachexpertin Dina Zander-Tabbert und Uwe Schönfeld auf den Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers (CDU).
Zentrales Thema des Gesprächs war die Frage:
Wie kann die Deutsche Gebärdensprache in Deutschland rechtlich besser geschützt werden?
Das Ziel: Die Gebärdensprache soll als Minderheitensprache anerkannt werden – so wie zum Beispiel das Sorbische oder Friesische. Dadurch würde die DGS nicht nur als Kommunikationsform anerkannt, sondern auch offiziell als Teil einer sprachlichen und kulturellen Identität in Deutschland geschützt.
Wilfried Oellers zeigte großes Interesse und sicherte seine Unterstützung für das Vorhaben zu. Ein deutliches Zeichen, dass das Thema in der CDU ernst genommen wird.
Warum ist die Anerkennung als Minderheitensprache so wichtig?
Die Deutsche Gebärdensprache ist ein fester Bestandteil der Gehörlosenkultur. Viele taube Menschen wachsen mit DGS als Erstsprache auf – also der Sprache, die sie zuerst lernen und mit der sie sich am besten ausdrücken können. Doch rechtlich gesehen ist die DGS in Deutschland bisher nur teilweise anerkannt.
Die Anerkennung als Minderheitensprache würde bedeuten:
- Mehr Schutz für die Sprache – auch durch Gesetze
- Mehr Rechte für taube Menschen in Bildung, Medien und Verwaltung
- Bessere Förderung von Bildung in Gebärdensprache
- Klarere Pflichten für staatliche Stellen, z. B. bei der Bereitstellung von Dolmetschern
Diese Anerkennung würde auch den Weg für mehr gesellschaftliche Teilhabe öffnen. Denn wer in seiner eigenen Sprache lernen, arbeiten und leben kann, hat mehr Chancen auf ein gleichberechtigtes Leben.
Wer arbeitet mit? – Starke Partner an einem Tisch
Die Initiative für die rechtliche Stärkung der DGS kommt nicht allein aus der Politik. Auch Fachleute aus Wissenschaft, Verbänden und der Sprachpraxis arbeiten mit:
- Prof. Dr. Christian Rathmann ist ein anerkannter Wissenschaftler und setzt sich für Gebärdensprachenrechte ein.
- Dina Zander-Tabbert ist Expertin für Sprachrechte beim Deutschen Gehörlosen-Bund (DGB e. V.).
- Beide arbeiten gemeinsam mit Steffen Helbing daran, die DGS als schützenswerte Sprache ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
- Auch Uwe Schönfeld, eine bekannte Person aus der Deaf-Community, war am Gespräch beteiligt.
Gemeinsam mit Wilfried Oellers sollen in den kommenden Wochen Gespräche mit weiteren politischen Stellen geführt werden. Geplant sind Treffen mit:
- dem Beauftragten der Bundesregierung für nationale Minderheiten,
- der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien,
- verschiedenen Bundesministerien.
Sprache ist Identität – und Identität braucht Schutz
Der Satz „Sprache ist Identität“ fasst das Ziel der Initiative gut zusammen. Für taube Menschen ist Gebärdensprache nicht einfach ein Werkzeug, sondern Ausdruck ihrer Persönlichkeit, Geschichte und Zugehörigkeit.
Ein rechtlicher Schutz durch das Minderheitensprachengesetz wäre ein klares Signal: Die Gesellschaft erkennt die Gebärdensprachgemeinschaft als eigenständige sprachliche Minderheit an.
Steffen Helbing bringt es auf den Punkt:
„Gesten sprechen – und sie sprechen mit Würde. Dafür setzen wir uns ein.“
Fazit: Ein gemeinsamer Weg zu mehr Anerkennung
Die Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache als Minderheitensprache ist kein symbolischer Akt – sie wäre ein echter Fortschritt für die Rechte und die Teilhabe gehörloser Menschen.
Die aktuellen Gespräche im Bundestag zeigen: Das Thema kommt auf die politische Tagesordnung. Mit Unterstützung von Fachleuten, Verbänden und politischen Partnern wie Wilfried Oellers gibt es nun eine konkrete Chance, die rechtliche Situation der DGS deutlich zu verbessern.
Wichtig ist nun, dass die Deaf-Community informiert bleibt, mitredet und ihre Stimme erhebt – denn Sprache ist nicht nur Kommunikation. Sprache ist Heimat.
Bild: Instagram Steffen Helbig

