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Erste Dame von El Salvador besucht Marokko

by info@deaf24.com

Die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Hörbehinderung steht weltweit zunehmend im Fokus. Viele Länder entwickeln spezielle Programme, Schulen und Forschungszentren, um Menschen mit Hörverlust bessere Chancen im Leben zu geben. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Besuch der Ersten Dame der Republik El Salvador, Gabriela Rodríguez de Bukele, in Marokko. Sie reiste in die Städte Rabat und Tanger, um sich über Einrichtungen zu informieren, die Gehörlosen und schwerhörigen Kindern neue Perspektiven eröffnen. Ihr Besuch unterstreicht die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit im Bereich der Inklusion und Bildung.

Im Folgenden werfen wir einen detaillierten Blick auf ihre Reise, die Einrichtungen, die sie besucht hat, sowie die Chancen und Herausforderungen, die mit solchen Projekten verbunden sind.

 

Besuch in Rabat: Zentrum für Forschung und Innovation

Am Montag führte der erste Termin Gabriela Rodríguez de Bukele in die marokkanische Hauptstadt Rabat. Dort besichtigte sie das Centre Mohammed VI de la Recherche et de l’Innovation, das der Stiftung Mohammed VI für Wissenschaft und Gesundheit untersteht.

Dieses Zentrum wurde im Juni 2023 von Prinzessin Lalla Asmaa eingeweiht und gilt als ein modernes Beispiel für die Förderung von Menschen mit Hörbehinderung. Es ist mit aktueller Technik ausgestattet und verfolgt innovative pädagogische Konzepte. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche mit Hörverlust nicht nur zu fördern, sondern ihnen auch echte berufliche und soziale Perspektiven zu eröffnen.

Die Einrichtung setzt auf eine Verbindung von medizinischer Betreuung, moderner Technik und Bildungsprogrammen, sodass hörbehinderte Menschen möglichst barrierefrei lernen können. Hierbei spielt die Gebärdensprache eine zentrale Rolle, da sie als Brücke zwischen Pädagogik, Kultur und Teilhabe dient.

 

Besuch in Tanger: Zentrum Lalla Asmaa für gehörlose Kinder

Am Dienstag reiste die Erste Dame nach Tanger, wo sie das Centre Lalla Asmaa pour Enfants Sourds besuchte. Diese Schule ist eine spezialisierte Einrichtung der Stiftung Lalla Asmaa und genießt in Marokko wie auch in Afrika einen sehr guten Ruf.

Während ihres Rundgangs informierte sich Gabriela Rodríguez de Bukele über die verschiedenen Bereiche des Zentrums. Dazu gehören nicht nur Klassenräume für den Unterricht, sondern auch Beratungs- und Förderangebote, die auf die besonderen Bedürfnisse gehörloser Kinder zugeschnitten sind.

Die Stiftung Lalla Asmaa hat es sich zur Aufgabe gemacht, Bildung und Inklusion zu vereinen. So werden Kinder und Jugendliche nicht nur in klassischen Schulfächern wie Mathematik, Sprachen oder Naturwissenschaften unterrichtet, sondern erhalten auch eine gezielte Förderung in der Kommunikation und im sozialen Miteinander.

 

Ausbildung und Zukunftsperspektiven für gehörlose Jugendliche

Ein besonderer Schwerpunkt des Zentrums in Tanger liegt auf der beruflichen Bildung. Die Erste Dame konnte verschiedene Werkstätten besuchen, in denen Jugendliche praktische Fähigkeiten erlernen. Dazu gehören:

  • Pâtisserie (Konditorei und Backkunst)
  • Coiffure (Friseurhandwerk)
  • Couture (Schneiderei und Nähen)
  • Robotik und Technik
  • Spiele- und Kreativwerkstätten

Diese Vielfalt zeigt, dass es nicht nur darum geht, gehörlosen Kindern eine Grundbildung zu vermitteln. Vielmehr sollen sie Kompetenzen erwerben, die ihnen später helfen, selbstständig zu arbeiten und ein eigenes Einkommen zu erzielen. Berufliche Selbstständigkeit ist für viele Menschen mit Hörbehinderung ein entscheidender Schlüssel zu mehr Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe.

 

Bedeutung der Stiftung Lalla Asmaa

Die Stiftung Lalla Asmaa gilt als eine der wichtigsten Organisationen in Marokko für die Förderung hörbehinderter Menschen. Sie ist auf nationaler und kontinentaler Ebene anerkannt und hat in den letzten Jahren zahlreiche Projekte gestartet.

Dazu gehören neben den Bildungszentren auch:

  • Programme zur Früherkennung von Hörverlust bei Kindern, damit frühzeitig Therapien und Unterstützung beginnen können.
  • Sensibilisierungskampagnen für die breite Bevölkerung, um Vorurteile gegenüber Gehörlosen abzubauen.
  • Fortbildungen für Lehrerinnen, Lehrer und Fachpersonal, damit die pädagogischen Methoden auf dem neuesten Stand bleiben.

Die Arbeit der Stiftung ist nicht nur für Marokko selbst von Bedeutung, sondern auch ein Vorbild für viele afrikanische Länder.

 

Offizieller Empfang und internationale Bedeutung

Bei ihrer Ankunft im Zentrum Lalla Asmaa in Tanger wurde Gabriela Rodríguez de Bukele offiziell empfangen. Anwesend waren zahlreiche Vertreter aus Politik, Verwaltung und Bildung, darunter der Gouverneur der Provinz Fahs-Anjra, Abdelkhaleq Marzouki, sowie Vertreter regionaler Bildungs- und Berufsorganisationen.

Diese offizielle Begleitung zeigt, welchen Stellenwert der Besuch hatte. Wenn hochrangige Gäste aus dem Ausland solche Einrichtungen besuchen, bedeutet dies nicht nur Anerkennung für die Arbeit vor Ort, sondern auch eine Chance, internationale Partnerschaften zu vertiefen.

Gerade für kleinere Länder wie El Salvador, das ähnliche Herausforderungen im Bereich Inklusion und Bildung kennt, kann ein solcher Austausch wertvolle Impulse geben.

 

Vergleich: Situation in Deutschland

Während in Marokko neue, moderne Zentren für gehörlose Kinder entstehen, gibt es in Deutschland ganz andere Herausforderungen. Zwar gibt es hier ein dichtes Netz an Schulen und Beratungsstellen, aber viele Gehörlose berichten über Probleme, die seit Jahren ungelöst bleiben.

  • Mangel an Gebärdensprachdolmetschern (GSD): In Deutschland fehlen Tausende Dolmetscher. Viele Gehörlose warten wochenlang oder sogar monatelang auf einen Termin. In Marokko wird dagegen stark in Strukturen investiert, die Dolmetscher und Fachkräfte enger einbinden.
  • Einschränkungen bei der Selbstbestimmung: In Deutschland dürfen Gehörlose oft nicht selbst entscheiden, wen sie als Dolmetscher einsetzen wollen. Nur Dolmetscher mit Diplom werden von den Krankenkassen bezahlt. Dabei berichten viele, dass Kommunikationshilfen ohne Diplom oft verlässlicher und kulturell näher an der Community sind.
  • Video-Dolmetschen als Notlösung: Immer häufiger wird Gehörlosen der Video-Dolmetschdienst aufgedrängt – auch in Situationen, in denen Vertrauen und persönliche Nähe entscheidend wären. Das zeigt, dass hier eher Kosten gespart werden, statt echte Barrierefreiheit zu schaffen.
  • Ungleichheit in der Bildung: Auch in Deutschland haben viele gehörlose Kinder schlechtere Bildungschancen. Es gibt zwar Förderschulen, aber der Zugang zu inklusivem Unterricht mit Gebärdensprache ist oft nicht ausreichend gesichert.

Im Vergleich dazu setzt Marokko – zumindest in den vorgestellten Zentren – stärker auf praxisnahe Ausbildung, frühzeitige Förderung und klare staatliche Unterstützung. Das könnte auch für Deutschland ein Impuls sein, die bestehenden Probleme ernsthafter anzugehen.

 

Chancen und Herausforderungen weltweit

Der Besuch macht deutlich: Bildung für gehörlose Kinder ist ein internationales Thema, das viele Länder beschäftigt. Doch trotz positiver Entwicklungen gibt es auch große Herausforderungen.

  • Fehlende Fachkräfte sind überall ein Problem.
  • Ungleichheit im Zugang zwischen Stadt und Land betrifft auch Deutschland.
  • Stigmatisierung bleibt eine weltweite Hürde.

Solche internationalen Begegnungen können helfen, Aufmerksamkeit zu schaffen, voneinander zu lernen und neue Lösungsansätze zu entwickeln.

 

Fazit

Der Besuch der Ersten Dame von El Salvador in Marokko ist ein starkes Signal für die Bedeutung von Bildung und Inklusion gehörloser Kinder. Die besichtigten Einrichtungen in Rabat und Tanger zeigen, dass moderne Konzepte, technische Innovationen und berufliche Ausbildung zusammenwirken können, um jungen Menschen mit Hörbehinderung echte Chancen im Leben zu eröffnen.

Für die Deaf-Community in Deutschland ist diese Reise auch ein Spiegel: Während andere Länder gezielt in Förderung und Barrierefreiheit investieren, kämpfen viele Gehörlose hierzulande noch mit Dolmetschermangel, mangelnder Selbstbestimmung und ungleichen Bildungschancen.

Tipp für die Deaf-Community: Schaut über den Tellerrand! Internationale Beispiele wie Marokko können Inspiration sein. Gleichzeitig ist es wichtig, in Deutschland weiter Druck zu machen – für mehr Dolmetscher, echte Wahlfreiheit und eine Bildung, die Gehörlosen wirklich offensteht.

Bild: lematin.ma / Ph : Archives

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