Home HörgeschädigtPolitikDoppelte Arbeit: Warum LvGlNRW und DGB Zeit verschwendeten

Doppelte Arbeit: Warum LvGlNRW und DGB Zeit verschwendeten

by info@deaf24.com

In Nordrhein-Westfalen trafen sich der Landesverband der Gehörlosen und Gebärdensprachgemeinschaft Nordrhein-Westfalen 1899 e.V. (LvGlNRW) und der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) gemeinsam mit Politiker*innen. Dabei ging es vor allem um den Umgang der Polizei mit Gehörlosen und andere wichtige Themen. Auf den ersten Blick scheint dieses gemeinsame Treffen sinnvoll und notwendig. Doch viele Menschen aus der Gehörlosen-Community fragen sich: War das wirklich effektiv? Oder wurden dabei Ressourcen verschwendet, die anderswo dringender gebraucht werden?

 

Doppelarbeit, Verwirrung und fehlende Priorität für Alltagsprobleme

Der Landesverband der Gehörlosen und Gebärdensprachgemeinschaft Nordrhein-Westfalen (LvGlNRW) ist der regionale Ansprechpartner für alle Belange der Gehörlosen in NRW. Er kennt die lokalen Strukturen, ist mit den Behörden vertraut und sollte bei regionalen Themen, wie dem Umgang der Polizei mit Gehörlosen, die Führung übernehmen. Der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) dagegen vertritt Gehörloseninteressen auf Bundesebene. Er verhandelt mit Bundesministerien und setzt sich für bundesweite Rechte und Standards ein.

Wenn es also um ein Thema geht, das speziell NRW betrifft, wie etwa die Polizei in Bochum oder lokale Behörden, dann wäre es effizienter und sinnvoller, wenn der LvGlNRW diese Gespräche alleine führt. Beim letzten Treffen waren jedoch sowohl LvGlNRW als auch DGB gemeinsam vor Ort. Dieses Vorgehen führte zu mehreren Problemen:

  • Doppelarbeit: Beide Verbände arbeiten zum Teil an denselben Themen gleichzeitig, obwohl klar ist, wer eigentlich zuständig ist.
  • Zeitverlust: Der DGB investiert Zeit in regionale Angelegenheiten, die besser für bundesweite, dringende Aufgaben genutzt werden sollte.
  • Verwirrung bei Politikern: Die Beteiligten sind unsicher, welcher Verband die Verantwortung trägt.
  • Weniger Durchsetzungskraft: Gemeinsames Auftreten kann den Eindruck erwecken, dass beide Organisationen nicht selbstbewusst genug sind, alleine zu handeln.

Darüber hinaus ist es wichtig zu betonen, dass sich politische Gespräche nicht nur auf Einzelfälle konzentrieren dürfen. Ein Beispiel ist der tragische Vorfall mit dem 12-jährigen Mädchen in Bochum, der oft als Grund für das Treffen genannt wird. So wichtig und bedauerlich dieser Fall auch ist, darf die Arbeit der Verbände nicht allein darauf fokussiert sein. Vielmehr sollten die vielen Alltagsprobleme der Gehörlosen im Vordergrund stehen:

  • Kommunikationsschwierigkeiten mit Behörden und Polizei
  • Mangel an Gebärdensprachdolmetschern
  • Barrieren im Alltag, in Bildung, Arbeit und Gesundheit
  • Diskriminierungserfahrungen
  • Probleme bei Notrufen und in Krisensituationen

Nur wenn diese grundlegenden Herausforderungen ernsthaft und systematisch behandelt werden, können nachhaltige Verbesserungen erreicht werden.

 

Politische Stärke des LvGlNRW: Selbstbewusst oder schwach?

Der LvGlNRW ist eine traditionsreiche Organisation mit über 120 Jahren Erfahrung. Er kennt die regionalen Gegebenheiten und ist für viele Gehörlose in NRW ein wichtiger Ansprechpartner. Doch in der Praxis zeigt sich häufig, dass der Landesverband politisch nicht immer stark genug auftritt. Oft holt er sich zur Unterstützung den DGB dazu, besonders wenn es um schwierige oder große politische Verhandlungen geht.

Das kann verschiedene Ursachen haben:

  • Fehlendes Selbstbewusstsein oder politische Erfahrung
  • Begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen
  • Komplexität der politischen Themen und Verhandlungen

Diese Abhängigkeit vom DGB kann nach außen hin so wirken, als sei der LvGlNRW politisch schwach oder nicht handlungsfähig – auch wenn das nicht unbedingt der Fall ist.

 

Wie kann die Zusammenarbeit besser funktionieren?

Damit zukünftige Gespräche und Verhandlungen effektiver werden, sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • Klare Aufgabenverteilung: Der LvGlNRW übernimmt regionale Themen in NRW, der DGB kümmert sich um bundesweite Angelegenheiten.
  • Stärkung des LvGlNRW: Politische Schulungen und Lobbyarbeit können das Selbstbewusstsein und die Verhandlungskompetenz des Landesverbands stärken.
  • Gezielte Kooperation: Gemeinsame Treffen von LvGlNRW und DGB sind sinnvoll, wenn es um bundesweite Fragen oder besondere Herausforderungen geht.
  • Regelmäßige Abstimmung: Durch den kontinuierlichen Austausch vermeiden beide Organisationen Doppelarbeit und koordinieren ihre Arbeit besser.
  • Fokus auf Alltagsprobleme: Politische Gespräche müssen sich auf die vielfältigen und systematischen Alltagsprobleme der Gehörlosen konzentrieren, statt auf einzelne Einzelfälle.
  • Nachahmung in anderen Bundesländern: Auch andere Landesverbände, insbesondere der Landesverband Bayern der Gehörlosen, sollten diesem Beispiel folgen und ihre politische Arbeit eigenständig und klar strukturiert gestalten, um effektiver für die Belange der Gehörlosen einzutreten.

 

Fazit

Das gemeinsame Auftreten von LvGlNRW und DGB bei politischen Gesprächen in NRW ist gut gemeint, führt aber oft zu ineffizienter Arbeit, Zeitverschwendung und Verwirrung über Zuständigkeiten. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen hat das Potenzial, politisch selbstbewusster aufzutreten und regionale Probleme eigenständig zu vertreten. Der Deutsche Gehörlosen-Bund sollte seine knappen Ressourcen auf bundesweite Herausforderungen konzentrieren.

Eine klare Arbeitsteilung, regelmäßige Abstimmung und mehr politische Stärke beim Landesverband können dazu beitragen, dass die Anliegen der Gehörlosen in NRW und ganz Deutschland besser gehört und schneller umgesetzt werden. Nur wenn beide Organisationen effizient zusammenarbeiten und die Alltagsprobleme der Gehörlosen in den Mittelpunkt stellen, kann nachhaltiger Fortschritt entstehen.

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