In Bayern warten seit vielen Jahren rund 10.000 gehörlose Menschen auf eine Unterstützung, die in anderen Bundesländern längst selbstverständlich ist: ein eigenes Gehörlosengeld. Verbände, Betroffene und Unterstützer wie der VdK Bayern machen deutlich:
Teilhabe ist kein Luxus – sie ist ein Menschenrecht.
Trotz klarer politischer Versprechen wurde das Gehörlosengeld erneut gestoppt. Viele Gehörlose fühlen sich von der Politik allein gelassen, ignoriert und ungerecht behandelt.
Aktueller Stand: Bayern hält sein Versprechen nicht ein
Im Koalitionsvertrag hatten CSU und Freie Wähler zugesichert, in dieser Legislaturperiode ein Gehörlosengeld einzuführen. Doch Anfang 2025 wurde das Projekt komplett gestrichen – obwohl:
- Blinde Menschen in Bayern derzeit 776 Euro pro Monat erhalten,
- taubblinde Menschen sogar 1.552 Euro pro Monat,
- gehörlose Menschen jedoch 0 Euro.
Für viele Betroffene ist das ein schwerer Schlag, denn Barrieren im Alltag sind massiv – besonders beim Zugang zu Kommunikation und Informationen.
Politischer Hintergrund: Zehn Jahre Forderungen – kein Ergebnis
Bereits seit 2013 kämpfen Organisationen wie:
- KOGEBA,
- Landesverband Bayern der Gehörlosen,
- sowie die gesamte Deaf-Community in Bayern
für ein Gehörlosengeld.
Die Grundlage hierfür liefert sogar die Bayerische Verfassung (Art. 118a):
Sie verpflichtet den Staat zu gleichwertigen Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderungen.
Gesetzentwurf der Grünen (Oktober 2025)
Die Grünen legten einen konkreten Vorschlag vor:
- 60 % des Blindengeldes (mind. 411 €)
– für Personen mit Hörverlust ≥ 80 % und GdB 100 - 30 % des Blindengeldes (mind. 205 €)
– für Personen mit GdB ≥ 70
Auch die AfD unterstützte grundsätzlich die Einführung, kritisierte aber einzelne Details. Trotzdem wurde politisch nichts beschlossen.
Warum wurde das Gehörlosengeld abgelehnt?
Im November 2024 präsentierte die Staatsregierung nach angeblichen „Werkstattgesprächen“ das Ergebnis:
Das Projekt wird auf unbestimmte Zeit verschoben.
Die wichtigsten Gründe laut Regierung:
- Keine finanziellen Mittel eingeplant
- Unklarheiten im Konzept
- Weitere Beratungen notwendig
So reagieren Verbände und Betroffene:
Viele sehen darin einen klaren Wortbruch.
- Die ÖDP spricht offen von „sozialer Kälte“.
- Der VdK wirft der Regierung vor, am falschen Ende zu sparen.
- Gehörlose fühlen sich ein weiteres Mal übergangen.
Ministerpräsident Markus Söder hatte zuvor öffentlich versprochen, alle sozialen Projekte aus dem Koalitionsvertrag umzusetzen – ein Versprechen, das nun als gebrochen gilt.
Auswirkungen auf den Alltag gehörloser Menschen
Gehörlose Menschen sind jeden Tag mit erheblichen Barrieren konfrontiert:
Kommunikation:
- keine Telefonzugänglichkeit
- viele Ämter nutzen kaum Gebärdensprache
- häufig fehlende Dolmetscher
Corona-Krise:
Die Pandemie zeigte besonders deutlich, wie schlecht Bayern für die Kommunikation mit Gehörlosen vorbereitet ist.
Die einmalige Auszahlung von 145 Euro (Frist: 2023) war für viele nur ein Alibi-Zeichen und löste kein einziges Problem dauerhaft.
Teilhabe bleibt ungleich
Während andere Sinnesbehinderte in Bayern monatlich unterstützt werden, müssen Gehörlose weiter alles selbst bezahlen:
- Dolmetscher (wenn keine Kostenübernahme)
- Gebärdensprachkurse
- Videotelefonie-Hilfsmittel
- Kommunikationshilfen im Alltag
Viele fühlen sich dadurch abgewertet.
Protest, Kampagnen und öffentlicher Druck
Die Wut und Enttäuschung wachsen. Besonders aktiv:
- @vdk_bayern
- @gehoerlosengeld_bayern
- zahlreiche Influencer*innen aus der Deaf-Community
Auf Instagram, YouTube und Petitionsplattformen wird immer lauter gefordert:
„Das Gehörlosengeld MUSS endlich kommen!“
Die Petitionen und Aktionen richten sich an:
- Bayerische Staatsregierung (@bayern.de)
- Bayerischen Landtag
- die verantwortlichen Minister
Viele hoffen, dass der öffentliche Druck steigt und die Regierung nicht weiter ignorieren kann, dass Teilhabe kein Luxus ist.
Fazit: Bayern steht still – die Deaf-Community nicht
Die Diskussion um das Gehörlosengeld zeigt ein grundlegendes Problem:
Gehörlose Menschen werden politisch nicht ernst genug genommen, obwohl ihre Teilhabe gesetzlich garantiert ist.
Während andere Gruppen selbstverständlich Unterstützung erhalten, müssen Gehörlose seit über 10 Jahren kämpfen – und werden immer wieder vertröstet.
Doch der Druck steigt. Die Community ist entschlossen, weiter für ihre Rechte einzustehen. Denn:
**Teilhabe ist ein Menschenrecht.
Und Menschenrechte dürfen nicht gestrichen werden.**
Video und Bild: vdk_bayern

