Am 5. Mai 2025 war wieder Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Dieser Aktionstag findet jedes Jahr in ganz Deutschland statt – seit dem Jahr 1992. Menschen mit Behinderung, ihre Angehörigen und verschiedene Organisationen machen an diesem Tag mit Demonstrationen, Aktionen und Veranstaltungen auf ihre Rechte und auf Probleme im Alltag aufmerksam.
Auch in Nürnberg waren am 5. Mai viele Menschen mit Hörbehinderung unterwegs. Sie demonstrierten gemeinsam für mehr Teilhabe, mehr Barrierefreiheit und mehr Anerkennung. Sie wollten zeigen:
Auch wenn wir nicht laut rufen können – unsere Forderungen müssen gehört werden!
Ein Protestmarsch durch Nürnberg – still, aber stark
Der Protestzug startete an der bekannten Lorenzkirche in der Nürnberger Altstadt. Von dort zogen die Teilnehmer*innen zum Rathaus der Stadt Nürnberg. Viele hatten Plakate, Transparente, Fahnen und sogar Trommeln dabei. Doch im Vergleich zu anderen Demonstrationen war es eher leise.
Warum? Weil viele der Demonstrierenden taub oder schwerhörig sind. Für sie sind Lautstärke oder Musik nicht wichtig – ihre Botschaft kommt über die Augen, über Gesten, über Körpersprache. Trotzdem war ihre Forderung deutlich:
- Gleiche Rechte für alle Menschen mit Behinderung
- Gleiche Chancen bei Arbeit, Bildung und Pflege
- Mehr barrierefreie Kommunikation in allen Lebensbereichen
Barrieren im Alltag: Das Beispiel von Marcus Willam
Ein Teilnehmer der Demo war Marcus Willam, ein Mann mit Hörbehinderung. Er hat viele Beispiele, wie Barrieren im Alltag ihn belasten:
- Wenn er am Bahnhof ist, hört er keine Durchsagen, z. B. über einen Gleiswechsel.
- Im Auto hört er keine Verkehrsmeldungen im Radio.
- Besonders schwer ist es im Alter: Er lebt in einem Pflegeheim, ist dort aber der einzige Gehörlose. Niemand dort kann Gebärdensprache.
Marcus sagt:
„Ohne Kommunikation ist das Leben im Heim wie ein Gefängnis. Ich will mit anderen reden können – ich bin kein Mensch zweiter Klasse.“
Sein Beispiel zeigt: Barrierefreiheit bedeutet nicht nur Rampen und Aufzüge – sondern auch Zugang zu Informationen und Kommunikation. Und dieser Zugang fehlt gehörlosen Menschen immer noch oft.
Forderungen an die Stadt Nürnberg übergeben
Am Ende des Protestzugs haben die Demonstrierenden ihre Forderungen offiziell an die Stadt Nürnberg übergeben. Sie wünschen sich:
- Mehr Gebärdensprachdolmetscher bei Behörden, in Kliniken und Pflegeeinrichtungen.
- Barrierefreie Informationen in einfacher Sprache und mit Gebärdensprache.
- Mehr Mitsprache in politischen Entscheidungen.
- Bessere Unterstützung im Alltag – nicht nur in Nürnberg, sondern in allen umliegenden Städten und Bezirken.
Auch der Oberbürgermeister Marcus König hat die Protestierenden empfangen. Er sagte, dass die Stadt weniger Barrieren und mehr Inklusion schaffen möchte. Aber Worte müssen auch Taten folgen, sagen viele Gehörlose. Denn oft dauert es viel zu lange, bis sich wirklich etwas ändert.
Fazit: Ein stiller Protest, der nicht überhört werden darf
Der Protest in Nürnberg war äußerlich ruhig, aber seine Wirkung war stark. Gehörlose Menschen haben gezeigt:
- Sie wollen nicht länger übersehen werden.
- Sie wollen mitreden und mitentscheiden.
- Sie wollen selbstbestimmt leben – mit Kommunikation, mit Teilhabe, mit Respekt.
Der 5. Mai hat wieder deutlich gemacht:
Inklusion ist keine Bitte – sie ist ein Recht.
Und auch wenn der Protest leise war – er war unüberhörbar wichtig.
Quelle: Frankenfernsehen.tv

