In der hörenden Welt darf man nicht vergessen, dass auch Gehörlose und Hörgeschädigte ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind. Gehörlose Menschen gehen selbstbewusst einkaufen, erledigen Behördengänge und nehmen am öffentlichen Leben teil. Oft wollen Hörende etwas an Gehörlose „vermitteln“ oder „verkaufen“, doch es gibt häufig unnötige und sinnlose Sprachbarrieren, die die Kommunikation erschweren.Wichtig zu wissen: Gehörlose Menschen achten sehr genau auf Mimik und Gesten. Sie spüren sofort, ob ihr Gegenüber freundlich oder abweisend ist. Unachtsame Gesten oder unfreundliche Mimik können Gehörlose seelisch und psychisch verletzen, da sie besonders sensibel auf nonverbale Signale reagieren. Daher ist es entscheidend, dass wir Hörende uns bewusst mit der Kommunikation mit Gehörlosen auseinandersetzen, um Barrieren abzubauen und Respekt zu zeigen.
Nicht wegschauen, bei Fragen oder Unklarheit
Wenn du mit einem hörgeschädigten Menschen sprichst, ist es wichtig, dass du nicht wegschaust, wenn du etwas nicht verstehst oder wenn der andere etwas nicht verstanden hat. Hörgeschädigte Menschen können oft nicht hören, was du sagst, aber sie können deine Körpersprache und deine Mimik sehen. Wenn du wegschaust, kann das als Desinteresse oder Unhöflichkeit empfunden werden. Bleibe also im Gespräch und zeige, dass du bereit bist, dich zu verständigen.
In die Augen schauen
Blickkontakt ist sehr wichtig. Wenn du mit einem hörgeschädigten Menschen sprichst, schaue ihm in die Augen. Das zeigt Respekt und hilft ihm, sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Wenn du wegschaust, kann es sein, dass der andere denkt, du bist nicht interessiert oder du hast etwas zu verbergen.
Verständigungsprobleme nicht ignorieren
Wenn es ein Verständigungsproblem gibt, solltest du nicht einfach weitermachen, als ob nichts wäre. Hörgeschädigte Menschen können oft nicht sofort sagen, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Frage nach, ob alles klar ist, und wiederhole gegebenenfalls das Gesagte. Es ist besser, etwas langsamer zu sprechen und sicherzustellen, dass die Botschaft ankommt, als dass Missverständnisse entstehen.
Deutlich und langsam sprechen
Sprich deutlich und langsam, aber nicht übertrieben langsam. Hörgeschädigte Menschen können oft von den Lippen ablesen (Lippenlesen), und wenn du zu schnell sprichst, wird es schwierig für sie, dir zu folgen. Achte darauf, dass du nicht mit deiner Hand vor dem Mund sprichst, da dies das Lippenlesen erschwert.
Mund ablesen: Das sollst du wissen
Viele hörgeschädigte Menschen sind darauf angewiesen, von den Lippen abzulesen. Das bedeutet, dass sie die Worte anhand der Bewegung deines Mundes verstehen. Es ist wichtig, dass du deutlich sprichst und deinen Mund nicht verdeckst. Vermeide es, während des Sprechens zu essen oder Kaugummi zu kauen, da dies das Lippenlesen erschwert.
Mundbild zum Ablesen: Mama/Papa, Oma/Opa …
Einige hörgeschädigte Menschen können von den Lippen ablesen. Das bedeutet, dass sie die Worte anhand der Bewegung deines Mundes verstehen. Wörter wie „Mama“, „Papa“, „Oma“ oder „Opa“ sind oft einfacher zu erkennen, weil sie klare Mundbewegungen haben. Versuche, solche Wörter deutlich auszusprechen, um das Verständnis zu erleichtern.
Einfach aufschreiben
Wenn das Gespräch zu schwierig wird, kannst du auch etwas aufschreiben. Schreibe möglichst einfach und klar, damit der hörgeschädigte Mensch es leicht verstehen kann. Ein Zettel und ein Stift können oft eine große Hilfe sein, um Missverständnisse zu vermeiden.
Hörgeschädigte sind oft laut, aber nicht aggressiv
Hörgeschädigte Menschen haben oft keine Selbstkontrolle über ihre Lautstärke, weil sie nicht hören können, wie laut sie sprechen. Das bedeutet aber nicht, dass sie aggressiv sind. Wenn jemand behauptet, dass ein hörgeschädigter Mensch wegen seiner Lautstärke aggressiv ist, ist das eine Diskriminierung. Es ist wichtig, dies zu verstehen und geduldig zu sein.
Unfreundliche Mimik verletzt Gehörlose – Weil sie launische Stimmen nicht hören können
Gehörlose Menschen können keine lautsprachlichen Hinweise wie Tonfall oder Stimmlage hören. Sie sind daher besonders auf Mimik und Gestik angewiesen, um die Emotionen ihres Gegenübers zu verstehen. Wenn Hörende unfreundliche oder miese Mimik zeigen, interpretieren Gehörlose dies direkt als negative Botschaft. Sie können nicht hören, ob jemand sarkastisch, ironisch oder freundlich spricht – sie sehen nur die Mimik. Eine unfreundliche Mimik, wie ein abweisender Blick oder ein genervtes Stirnrunzeln, wird daher oft als direkte Ablehnung empfunden und kann seelisch verletzen. Wichtig: Hörende sollten sich bewusst sein, dass ihre Mimik bei Gehörlosen eine starke Wirkung hat. Eine freundliche und offene Mimik hilft, Missverständnisse zu vermeiden und eine positive Kommunikation zu fördern.
8. Weitere wichtige Punkte
- Geduld haben: Kommunikation mit hörgeschädigten Menschen kann manchmal länger dauern. Sei geduldig und gib dem anderen die Zeit, die er braucht, um zu verstehen und zu antworten.
- Körpersprache nutzen: Gesten und Mimik können helfen, das Gesagte zu verdeutlichen. Achte darauf, dass deine Körpersprache freundlich und offen ist.
- Technische Hilfsmittel: Es gibt viele technische Hilfsmittel, wie Hörgeräte oder Gebärdensprachdolmetscher, die die Kommunikation erleichtern können. Informiere dich darüber, welche Möglichkeiten es gibt.
Fazit:
Kommunikation mit hörgeschädigten Menschen erfordert Geduld, Respekt und Verständnis. Indem du deutlich sprichst, Blickkontakt hältst und bei Unklarheiten nachfragst, kannst du eine gute Verständigung sicherstellen. Es ist wichtig, nicht wegzuschauen und sich Zeit zu nehmen, um sicherzustellen, dass die Botschaft ankommt. Hörgeschädigte Menschen sind nicht aggressiv, nur weil sie laut sprechen – sie haben einfach keine Kontrolle über ihre Lautstärke.
Besonders wichtig ist es, auf eine freundliche Mimik zu achten, da Gehörlose keine lautsprachlichen Hinweise wie Tonfall oder Stimmlage hören können. Unfreundliche Mimik wird direkt als negative Botschaft interpretiert und kann seelisch verletzen. Mit diesen Tipps kannst du eine positive und respektvolle Kommunikation aufbauen und Barrieren abbauen.
Bild von Sasin Tipchai auf Pixabay

