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Schweigen am Tag der Gebärdensprache 2025 – Kritik an Medien, DGB und Landesverbänden

by info@deaf24.com

Am 23. September 2025 wurde der Tag der Gebärdensprache begangen. Dieser Tag macht weltweit auf die Bedeutung der Gebärdensprache aufmerksam und erinnert an die jahrzehntelange Unterdrückung gehörloser Menschen. In Deutschland gab keine Berichterstattung: ARD, ZDF, die Tagesschau, führende Zeitungen, Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) sowie die Landesverbände der Gehörlosen veröffentlichten keine Berichte oder Aktionen zu diesem Tag.

Für viele Gehörlose ist dies ein deutliches Signal, dass ihre Sprache und ihre Rechte noch immer nicht die nötige Aufmerksamkeit erhalten. Die Gebärdensprache ist ihre Muttersprache und Voraussetzung für gleichberechtigte Teilhabe an Bildung, Arbeit und gesellschaftlichem Leben.

 

Historischer Hintergrund: 100 Jahre Unterdrückung

Die Geschichte der Gebärdensprache in Deutschland ist von Unterdrückung geprägt. Seit dem Mailänder Kongress 1880 war der Gebrauch der Gebärdensprache in Schulen verboten; gehörlose Kinder mussten ausschließlich Lautsprache lernen – eine Sprache, die sie ohne Gehör nicht auf die gleiche Weise nutzen konnten.

Erst 2002 wurde die Deutsche Gebärdensprache offiziell anerkannt. Trotzdem bestehen im Alltag, in Bildung und Behördenkommunikation weiterhin zahlreiche Barrieren. Der Tag der Gebärdensprache soll auf diese Problematik aufmerksam machen und den fortlaufenden Einsatz für Sichtbarkeit und Gleichberechtigung unterstützen.

 

Medien schweigen – ein deutliches Signal

Dass ARD, ZDF, die Tagesschau und führende Zeitungen am 23. September 2025 keine Berichterstattung veröffentlichten, zeigt, dass das Thema in der breiten Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommen wird.

Andere gesellschaftliche Ereignisse erhalten regelmäßig mediale Aufmerksamkeit:

  • Der Christopher Street Day (CSD) zieht jedes Jahr große Berichterstattung auf sich.
  • Der Karneval in Köln oder Rio wird regelmäßig in Nachrichten gezeigt.
  • Internationale Kulturfeste oder Menschenrechtstage erscheinen in Hauptnachrichten.

Der Tag der Gebärdensprache erhielt 2025 keine vergleichbare Beachtung. Für die Gehörlosen-Gemeinschaft verdeutlicht dies, dass die Sprache und Kultur der Gehörlosen weiterhin wenig sichtbar sind.

 

Verantwortung der öffentlich-rechtlichen Medien

ARD und ZDF haben den Auftrag, gesellschaftliche Vielfalt abzubilden und Minderheiten sichtbar zu machen. Dass der Tag der Gebärdensprache regelmäßig keine Berichterstattung erhält, stellt ein Versäumnis dar.

Es geht dabei nicht um Unterhaltung oder Quoten, sondern um Menschenrechte, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe. Fehlende Sichtbarkeit in den Medien verstärkt bestehende Barrieren und Benachteiligungen.

 

Die Rolle von DGB und Landesverbänden – hausgemachte Probleme

Auch der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) und die Landesverbände der Gehörlosen tragen eine entscheidende Verantwortung. Sie sind zentrale Interessenvertretungen und müssten die Anliegen der Gehörlosen aktiv in die Öffentlichkeit tragen. Dazu gehören:

  • Pressemitteilungen an Medien
  • Interviews mit Gehörlosen
  • Öffentlichkeitsaktionen, die auf die Bedeutung der Gebärdensprache aufmerksam machen

2025 wurden diese Schritte weitgehend nicht umgesetzt. Dies führt dazu, dass die mediale Aufmerksamkeit fehlt und die Anliegen der Gehörlosen nicht ausreichend vertreten werden. Viele Gehörlose empfinden dies als Versäumnis, weil sowohl der DGB als auch die Landesverbände ihrer Verantwortung nicht nachkamen.

Das Schweigen und die fehlende Aktivität der Verbände tragen dazu bei, dass viele Barrieren bestehen bleiben. Es liegt nicht an den Hörenden, sondern an den Strukturen, Prioritäten und Handlungen innerhalb der Gehörlosen-Organisationen selbst. Diese hausgemachten Probleme verhindern, dass Barrieren abgebaut werden.

 

Schweigen verstärkt Barrieren

Das Schweigen der Medien, des DGB und der Landesverbände ist nicht neutral. Es verstärkt die Unsichtbarkeit und trägt indirekt zu bestehenden Barrieren bei:

  • Ohne Berichterstattung bleibt die Gesellschaft uninformiert über die Anliegen Gehörloser.
  • Fehlende mediale Präsenz erschwert die Umsetzung von Barrierefreiheit.
  • Ohne aktives Engagement der Verbände verfestigen sich Strukturen, die Gehörlose benachteiligen.

Die Sichtbarkeit der Gebärdensprache ist entscheidend für Gleichberechtigung. Sprache, Kultur und Rechte Gehörloser verdienen Anerkennung und Aufmerksamkeit.

 

Forderungen von Deaf24

Deaf24 fordert:

  1. ARD, ZDF, führende Medien und Landesverbände sollen künftig regelmäßig über den Tag der Gebärdensprache berichten.
  2. Der DGB muss seine Rolle ernst nehmen und aktiv Pressearbeit leisten, um Öffentlichkeit zu schaffen.
  3. Die Politik muss Barrierefreiheit und mediale Sichtbarkeit gehörloser Menschen gezielt fördern.
  4. Die Gehörlosen-Verbände müssen ihre internen Strukturen überprüfen und Maßnahmen ergreifen, die Barrieren abbauen. Verantwortung darf nicht auf Hörende abgewälzt werden.

„Schweigen ist keine Neutralität – es trägt zur Unsichtbarkeit bei“, so Deaf24. „Gehörlose haben das Recht, sichtbar zu sein – nicht nur am Tag der Gebärdensprache, sondern dauerhaft.“

 

Schlusswort

Der Tag der Gebärdensprache soll ein Tag der Sichtbarkeit, des Stolzes und der gesellschaftlichen Anerkennung sein. In Deutschland wurde er 2025 jedoch weitgehend ignoriert – von großen Sendern, führenden Zeitungen, dem DGB und den Landesverbänden der Gehörlosen.

Es ist dringend notwendig, dass alle Beteiligten ihre Verantwortung erkennen. Nur durch aktive Sichtbarkeit kann Gleichberechtigung erreicht und die Gebärdensprache als wichtiger Bestandteil der Kultur und Menschenrechte anerkannt werden.

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