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Polizei und Gerechtigkeit: 1,2 Millionen Dollar für gehörlose Mutter

by info@deaf24.com

Eine Festnahme ohne wirksame Kommunikation kann schwerwiegende Folgen haben. In den USA erhält eine gehörlose Mutter und ihre Familie nach einem Polizeieinsatz eine Entschädigung von 1,2 Millionen US-Dollar. Der Fall zeigt, warum Kommunikationsbarrieren bei Polizeieinsätzen nicht einfach hingenommen werden dürfen.

 

Was geschah bei dem Polizeieinsatz?

Der Vorfall ereignete sich am 7. April 2021 in North Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada.

Andrea Hollingsworth saß gemeinsam mit ihren beiden Töchtern in einem Auto. Die Familie wartete auf eine befreundete Person. In dieser Zeit kam ein Polizeibeamter zu ihrem Fahrzeug. Er untersuchte eine Meldung über eine mögliche Belästigung.

Hollingsworth ist gehörlos. Ihre wichtigste Kommunikationssprache ist American Sign Language (ASL). Das ist die amerikanische Gebärdensprache.

Nach Angaben der Klageschrift versuchte der Polizeibeamte, mit Hollingsworth zu sprechen. Sie und ihre Töchter erklärten ihm mehrfach, dass sie gehörlos ist. Hollingsworth bat darum, schriftlich miteinander zu kommunizieren.

Doch nach Darstellung der Klägerseite ging der Beamte auf diese Bitte nicht ein. Er soll weder Papier und Stift zur Verfügung gestellt noch versucht haben, einen qualifizierten Gebärdensprachdolmetscher zu organisieren.

Die Situation wurde zusätzlich erschwert, weil der Beamte eine Gesichtsabdeckung trug. Dadurch konnte Hollingsworth seine Lippen nicht erkennen. Auch das erschwerte ihr das Verständnis seiner Anweisungen.

Die Kommunikation zwischen beiden Seiten funktionierte nicht. Trotzdem verlangte der Beamte offenbar Antworten und Reaktionen von Hollingsworth.

 

Die Situation eskalierte vor den Augen der Töchter

Nach Angaben der Klage entwickelte sich aus der Kommunikationssituation eine körperliche Auseinandersetzung.

Ein weiterer Polizeibeamter kam hinzu. Andrea Hollingsworth wurde aus dem Auto gezogen, zu Boden gestoßen und mit Handschellen gefesselt. Ihre Hände wurden hinter ihrem Rücken fixiert.

Das hatte für sie eine besondere Bedeutung: Als gehörlose Frau, die ASL verwendet, braucht sie ihre Hände zur Kommunikation. Durch die Fesselung hinter dem Rücken konnte sie ihre Gebärdensprache nicht mehr benutzen.

Ihre beiden Töchter mussten den Polizeieinsatz unmittelbar miterleben. Sie sollen laut Klageschrift große Angst gehabt und versucht haben, den Beamten zum Anhalten zu bewegen.

Hollingsworth wurde festgenommen. Nach dem Bericht des Fernsehsenders KTNV wurde sie anschließend jedoch nicht wegen einer Straftat angeklagt beziehungsweise erhielt keine entsprechende Strafanzeige.

Der Vorfall wurde später zum Gegenstand eines Gerichtsverfahrens. Dabei spielte auch die Aufnahme einer Körperkamera eines Polizeibeamten eine wichtige Rolle.

 

Klage wegen Diskriminierung und Polizeigewalt

Andrea Hollingsworth und ihre beiden Töchter reichten am 21. Dezember 2021 eine Klage gegen die Stadt North Las Vegas und weitere Verantwortliche ein.

Sie beriefen sich unter anderem auf den Americans with Disabilities Act (ADA). Dieses US-Gesetz schützt Menschen mit Behinderungen vor Diskriminierung.

Die Klage bezog sich auf mehrere mögliche Rechtsverletzungen. Dazu gehörten die fehlende wirksame Kommunikation, die behauptete unangemessene Anwendung körperlicher Gewalt und die Verletzung von Bürgerrechten.

Die Klägerseite wollte nicht nur eine finanzielle Entschädigung erreichen. Sie forderte auch Veränderungen bei der Polizei, damit gehörlose und schwerhörige Menschen künftig besser geschützt werden.

Der Rechtsstreit dauerte mehrere Jahre. Die Parteien führten Gespräche und nahmen an einer außergerichtlichen Vermittlung teil.

Im Dezember 2025 teilten die Parteien dem Gericht mit, dass sie eine Einigung erzielt hatten.

Am 18. Februar 2026 stimmte der Stadtrat von North Las Vegas der Zahlung von insgesamt 1,2 Millionen US-Dollar zu. Die Entscheidung fiel einstimmig mit fünf Stimmen. Justia Dockets & Filings+1

 

1,2 Millionen Dollar für die Mutter und ihre Töchter

Einigung über 1,2 Millionen US-Dollar

Die Gesamtsumme von 1,2 Millionen US-Dollar betrifft Andrea Hollingsworth und ihre beiden Töchter.

Ein Teil der Entschädigung ist ausdrücklich für die beiden minderjährigen Kinder vorgesehen.

Das zuständige Bundesgericht genehmigte am 1. Mai 2026 die Entschädigung für die Töchter. Jede Tochter erhält 100.000 US-Dollar. Zusammen sind das 200.000 US-Dollar.

Das Geld muss jeweils auf ein Treuhandkonto eingezahlt werden. Dort bleibt es bis zur Volljährigkeit der beiden Mädchen.

Die gerichtliche Genehmigung war notwendig, weil minderjährige Kinder ihre eigenen Ansprüche nicht ohne besondere gerichtliche Prüfung durch einen Vergleich abschließen können.

Wichtig ist eine rechtliche Unterscheidung: Die Stadt und die beteiligten Polizeiverantwortlichen haben durch den Vergleich keine Haftung oder Rechtsverletzung anerkannt. Die Verteidigung bestritt weiterhin die tatsächlichen Darstellungen der Klägerseite. Auch das Gericht stellte mit seiner Genehmigung der Entschädigung keine rechtliche Schuld der Beklagten fest.

Trotzdem ist die Einigung ein bedeutendes Ergebnis für die betroffene Familie. Justia Dockets & Filings+1

 

Polizei muss wirksame Kommunikation ermöglichen

Der Fall zeigt ein grundlegendes Problem: Gehörlose Menschen können bei Polizeieinsätzen schnell in eine schwierige Situation geraten, wenn die Beamten ihre Kommunikationsbedürfnisse nicht berücksichtigen.

Die amerikanische National Association of the Deaf (NAD) weist ausdrücklich darauf hin, dass Polizei- und Sicherheitsbehörden wirksame Kommunikation mit gehörlosen und schwerhörigen Menschen ermöglichen müssen.

Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Qualifizierte Gebärdensprachdolmetscher.
  • Schriftliche Kommunikation mit Papier und Stift.
  • Geeignete technische Hilfsmittel.
  • Andere Kommunikationsformen, die zur jeweiligen Person und Situation passen.

Wichtig ist dabei: Die Polizei soll die Wünsche der betroffenen Person bei der Auswahl der Kommunikationshilfe vorrangig berücksichtigen.

Nicht jede Situation erlaubt es, sofort einen Dolmetscher zu organisieren. Bei einer einfachen Verkehrskontrolle kann beispielsweise zunächst schriftliche Kommunikation ausreichen. Wenn es jedoch um eine Festnahme, eine Vernehmung oder wichtige rechtliche Informationen geht, kann ein qualifizierter Dolmetscher notwendig sein.

Die Polizei darf sich nicht einfach darauf verlassen, dass eine gehörlose Person schon irgendwie verstehen wird, was von ihr verlangt wird. National Association of the Deaf

 

North Las Vegas kündigt Veränderungen an

Nach dem Vergleich erklärte die Stadt North Las Vegas, dass sie bereits Maßnahmen zur Verbesserung der Kommunikation eingeführt habe.

Nach Angaben der Stadt erhalten Polizeibeamte inzwischen jedes Jahr eine verpflichtende Schulung zum Umgang mit gehörlosen und schwerhörigen Menschen.

Außerdem arbeitet die Polizei mit einem Gebärdensprachdienstleister zusammen. Bei Bedarf soll ein ASL-Dolmetscher zu einem Einsatzort geschickt werden können.

Damit sollen Kommunikationsprobleme bei zukünftigen Polizeieinsätzen vermieden werden.

Die Nevada Black Deaf Advocates begrüßten die Einigung als wichtigen Schritt. Die Organisation betonte jedoch, dass eine Entschädigungszahlung allein nicht ausreiche.

Entscheidend sei, dass die neuen Maßnahmen dauerhaft umgesetzt werden. Dazu gehören regelmäßige Schulungen, professionelle Dolmetscher und eine nachvollziehbare Kontrolle der tatsächlichen Umsetzung.

Die Organisation machte außerdem deutlich, dass Kommunikationszugang nicht nur bei Polizeieinsätzen wichtig ist. Auch in Krankenhäusern, bei Rettungsdiensten, vor Gericht und bei anderen Behörden müssen gehörlose Menschen ihre Rechte verstehen und sich verständlich machen können. Channel 13 Las Vegas News KTNV+1

 

Deaf24-Meinung: Kommunikation ist keine freiwillige Leistung

Dieser Fall zeigt, wie gefährlich es werden kann, wenn Polizeibeamte die Kommunikationsbedürfnisse gehörloser Menschen nicht ernst nehmen.

Eine gehörlose Person kann eine mündliche Anweisung nicht automatisch verstehen. Wenn ein Polizeibeamter spricht, bedeutet das nicht, dass die betroffene Person ihn auch hören oder verstehen kann.

Besonders problematisch ist es, wenn die Polizei fehlende Reaktionen als Ungehorsam oder Widerstand bewertet. Wer eine Anweisung nicht verstanden hat, kann sie auch nicht zuverlässig befolgen.

Das darf nicht automatisch als absichtliche Verweigerung ausgelegt werden.

Auch die Fesselung hinter dem Rücken ist in diesem Zusammenhang besonders kritisch. Für eine gebärdensprachlich kommunizierende Person sind die Hände ein wichtiges Kommunikationsmittel. Werden sie festgehalten, wird ihr die Möglichkeit genommen, sich in ihrer Sprache auszudrücken.

Die beiden Töchter mussten erleben, wie ihre Mutter behandelt wurde. Solche Erlebnisse können für Kinder belastend sein und das Vertrauen in die Polizei nachhaltig beschädigen.

Was muss sich ändern?

Polizeibeamte brauchen verpflichtende und regelmäßige Schulungen über Gehörlosigkeit, Gebärdensprache und unterschiedliche Kommunikationsbedürfnisse.

Dabei geht es nicht darum, dass jeder Polizeibeamte fließend Gebärdensprache lernen muss. Aber jeder Beamte muss wissen, wie er mit einer gehörlosen Person kommuniziert und wann professionelle Unterstützung notwendig ist.

Auch schriftliche Kommunikation muss selbstverständlich möglich sein. Ein Stift und Papier können in vielen Situationen bereits helfen. Bei komplexen Gesprächen und rechtlich wichtigen Entscheidungen reicht das jedoch nicht immer aus.

Entscheidend ist außerdem, dass gehörlose Menschen nicht erst um ihre Rechte kämpfen müssen, wenn sie bereits in Handschellen liegen.

Gerechtigkeit bedeutet nicht nur, nach einem Vorfall Geld zu zahlen. Gerechtigkeit bedeutet auch, aus Fehlern zu lernen und dafür zu sorgen, dass sich solche Situationen nicht wiederholen.

Die Einigung über 1,2 Millionen US-Dollar ist deshalb ein wichtiges Signal. Jetzt muss die Polizei zeigen, dass sie ihre angekündigten Veränderungen tatsächlich umsetzt.

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  7. Gehörlose Mutter kämpft um Gerechtigkeit

Meine Empfehlung für Deaf24:

„Gehörlose Mutter: 1,2 Millionen Dollar nach Polizeieinsatz“

Der Titel ist sachlich, verständlich und macht neugierig, ohne bereits eine strafrechtliche Schuld der Polizei zu behaupten.

Redaktioneller Hinweis: Die 1,2 Millionen Dollar sind die Gesamtsumme für die Mutter und ihre beiden Töchter. Die gerichtliche Genehmigung der 200.000 Dollar für die Töchter ist dokumentiert. Der Vergleich bedeutet ausdrücklich kein gerichtliches Schuldanerkenntnis der Stadt oder der Polizeibeamten.

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