In Hampshire und auf der Isle of Wight hat die Polizei einen wichtigen Schritt in Richtung Barrierefreiheit unternommen. Mit dem neuen BSL-Videoservice können gehörlose und schwerhörige Menschen direkt mit der Polizei kommunizieren – in ihrer eigenen Sprache, der British Sign Language (BSL). Der Dienst soll Hindernisse abbauen, Vertrauen schaffen und sicherstellen, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Hörfähigkeit Zugang zu polizeilicher Unterstützung haben. Dieser Beitrag erklärt ausführlich, wie der Service funktioniert, für wen er gedacht ist und warum er ein wichtiger Fortschritt für die Deaf-Community ist.
Was ist der BSL-Videoservice der Polizei?
Der BSL-Videoservice ist ein digitaler Kommunikationsdienst, der es gehörlosen Menschen ermöglicht, über Gebärdensprache mit der Polizei in Kontakt zu treten. Anstelle eines Telefonats wird eine Videoverbindung hergestellt. Eine qualifizierte Gebärdensprachdolmetscherin oder ein Dolmetscher vermittelt zwischen der gehörlosen Person und dem Polizeipersonal.
Der Dienst wird in Zusammenarbeit mit dem Anbieter Sign Video angeboten und steht rund um die Uhr zur Verfügung. Ziel ist es, Barrieren abzubauen und eine direkte, respektvolle Kommunikation zu ermöglichen – ohne Umwege, ohne schriftliche Hürden und ohne Abhängigkeit von hörenden Dritten.
Wie funktioniert der Service technisch?
Die Nutzung ist bewusst einfach gehalten:
- Die Nutzerin oder der Nutzer öffnet die Sign-Video-App oder die Webversion auf Smartphone, Tablet oder Computer.
- In der Auswahlliste wird „Hampshire & Isle of Wight Constabulary“ ausgewählt.
- Eine qualifizierte BSL-Dolmetscherin oder ein Dolmetscher wird zugeschaltet.
- Die Dolmetschperson übersetzt die Gebärdensprache in gesprochene Sprache für die Polizei und umgekehrt.
- Die Kommunikation erfolgt live und in Echtzeit.
Der gesamte Vorgang ist kostenfrei und erfordert keine vorherige Anmeldung.
Wer kann den Service nutzen?
Der Dienst richtet sich an:
- gehörlose Menschen, die BSL als Hauptsprache verwenden
- schwerhörige Menschen, die visuelle Kommunikation bevorzugen
- Personen, die sich in einer Situation befinden, in der gesprochene Sprache nicht ausreichend verständlich ist
- Menschen, die Informationen, Beratung oder Unterstützung von der Polizei benötigen, ohne einen Notruf auszulösen
Der Service ist sowohl für Einzelpersonen als auch für Familien oder Begleitpersonen geeignet, sofern die betroffene Person zustimmt.
Wann ist der BSL-Videoservice sinnvoll?
Der Service eignet sich besonders für:
- nicht akute Polizeianliegen
- Rückfragen zu Vorfällen oder laufenden Meldungen
- Gespräche mit lokalen Polizeiteams
- Informationsanfragen zu Sicherheit, Nachbarschaft oder Prävention
- Situationen, in denen schriftliche Kommunikation nicht ausreicht
Bei akuten Notfällen gilt weiterhin der offizielle Notrufweg. Der Videoservice ergänzt bestehende Angebote, ersetzt sie aber nicht vollständig.
Vorteile für die Deaf-Community
Der neue Dienst bringt mehrere konkrete Verbesserungen:
- Barrierefreiheit: Kommunikation in der eigenen Sprache stärkt Selbstbestimmung.
- Verständlichkeit: Missverständnisse durch Schreiben oder Lippenlesen werden reduziert.
- Wertschätzung: Die Polizei zeigt, dass gehörlose Menschen ernst genommen werden.
- Vertrauen: Direkter Kontakt schafft Sicherheit und Transparenz.
- Gleichberechtigung: Zugang zu Informationen ohne zusätzliche Hürden.
Für viele gehörlose Menschen ist dies ein wichtiger Schritt hin zu echter Teilhabe im öffentlichen Raum.
Rechtlicher und organisatorischer Rahmen
Der Videoservice wird von der Polizei in Zusammenarbeit mit einem professionellen Dolmetschdienst betrieben. Die Kommunikation erfolgt vertraulich und datenschutzkonform. Alle eingesetzten Dolmetscherinnen und Dolmetscher sind qualifiziert und auf die Arbeit im öffentlichen Dienst vorbereitet.
Der Dienst ist kostenlos und freiwillig. Er ersetzt keine Notrufnummer, sondern ergänzt bestehende Kommunikationswege. Ziel ist es, Barrieren abzubauen, nicht neue Verpflichtungen zu schaffen.
Beispiele aus dem Alltag
Beispiel 1:
Eine gehörlose Person möchte eine wiederkehrende Störung in der Nachbarschaft melden. Über den BSL-Service kann sie die Situation klar schildern und Rückfragen direkt beantworten.
Beispiel 2:
Eine Familie möchte wissen, wie sie mit dem zuständigen Polizeiteam Kontakt aufnehmen kann. Über den Videoservice erhält sie verständliche Informationen ohne Missverständnisse.
Beispiel 3:
Eine Person fühlt sich unsicher und möchte sich beraten lassen, ohne sofort eine formelle Anzeige zu machen. Der BSL-Service bietet einen niederschwelligen Zugang.
Hinweise für eine gute Nutzung
- Eine stabile Internetverbindung verbessert die Bildqualität.
- Eine ruhige Umgebung erleichtert das Dolmetschen.
- Gute Beleuchtung hilft, Gebärden klar zu erkennen.
- Bei technischen Problemen kann ein erneuter Verbindungsaufbau helfen.
Warum dieser Schritt wichtig ist
Der BSL-Videoservice zeigt, dass Barrierefreiheit nicht nur ein technisches Thema ist, sondern eine Frage von Respekt und Teilhabe. Wenn gehörlose Menschen ihre Anliegen selbstbestimmt und ohne Hürden äußern können, stärkt das das Vertrauen in staatliche Institutionen und fördert gesellschaftliche Teilhabe.
Die Initiative der Hampshire-Polizei kann als positives Beispiel dienen, wie öffentliche Stellen auf die Bedürfnisse der Deaf-Community eingehen können – pragmatisch, respektvoll und inklusiv.
Bildbeschreibung (sprachlich)
Eine Person kommuniziert über ein Tablet mit einer Gebärdensprachdolmetscherin auf dem Bildschirm. Im Hintergrund ist eine Polizeistation zu sehen. Die Szene vermittelt Sicherheit, Offenheit und barrierefreie Kommunikation.
Bild: Canva

