Home HörgeschädigtBildungJunger Nigerian kämpft für Rechte von Menschen mit Hörbehinderung

Junger Nigerian kämpft für Rechte von Menschen mit Hörbehinderung

by info@deaf24.com

Ibrahim Tukur, ein junger Mann aus Nigeria, hat sein Leben der Unterstützung von Menschen mit Hörbehinderung gewidmet. Von seiner eigenen schwierigen Kindheit bis hin zu seiner Arbeit als Lehrer und Aktivist zeigt seine Geschichte, wie wichtig Inklusion und Bildung für Menschen mit Hörverlust sind. In Nigeria, wo Millionen von Menschen mit Hörbehinderung leben, kämpft Tukur für mehr Gleichberechtigung und bessere Chancen.

 

 

Von der Stigmatisierung zum Einsatz für Inklusion

Ibrahim Tukur wurde in der kleinen Gemeinde Galadimawa im Bundesstaat Katsina geboren. Als Kind erkrankte er an Meningitis, einer schweren Infektion, die zu seinem Hörverlust führte. Früher wurde er von anderen Kindern und sogar Erwachsenen verspottet und mit dem abwertenden Wort „kurma“ beschimpft. Die Stigmatisierung war so stark, dass seine Eltern 2008 mit ihm in eine andere Gemeinde umzogen, um ihm ein besseres Umfeld zu bieten.

Obwohl er seine Hörfähigkeit verlor, ließ Tukur sich nicht entmutigen. Mit Unterstützung seiner Eltern lernte er Lesen und Schreiben. Seine Eltern suchten lange nach medizinischer Hilfe, doch die Heilung blieb aus. Schließlich wurde der Glaube zu einer wichtigen Stütze für die Familie.

Tukur ist Teil der geschätzten 9,5 Millionen Nigerianer mit Hörverlust. Seine eigenen Erfahrungen mit Einsamkeit und Ausgrenzung motivierten ihn, sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen einzusetzen.

 

Bildung als Schlüssel zur Teilhabe

Seine erste Schule war eine Regelschule, doch wegen seiner Hörprobleme wurde er auf eine spezielle Schule für Hörbehinderte geschickt. Dort konnte er sich besser entwickeln. 2023 schloss er sein Studium in Sonderpädagogik und Soziologie ab. Das Studium war trotz fehlender Gebärdensprachdolmetscher nicht einfach für ihn. Er saß oft nah bei seinen Kommilitonen, um von ihren Notizen zu lernen, und verbrachte viel Zeit in der Bibliothek.

Zwischen Mai und Dezember 2020 startete Tukur ein Programm zur Unterstützung gehörloser Unternehmer in seiner Heimat Ingawa. Über 50 Menschen erhielten dort wichtige Fähigkeiten für den Start eigener Unternehmen. Gleichzeitig setzte er sich für bessere Gebärdensprachkurse ein, um die Kommunikation zwischen Hörenden und Hörbehinderten zu verbessern.

Als Jugendleiter der Gehörlosenvereinigung im Bundesstaat Katsina arbeitete Tukur mit verschiedenen Organisationen zusammen, um für Gleichberechtigung zu kämpfen. Sein Ziel ist eine Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderungen in Bildung, Beruf und Gesundheitsversorgung gleichberechtigt sind.

 

Engagement vor Ort und politische Teilhabe

Tukur kritisierte, dass Regierungsprojekte oft die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung ignorieren. Besonders bei Jobangeboten und Förderprogrammen gäbe es große Ungleichheiten. Deshalb sammelte er 2020 eine Gruppe von Menschen mit Behinderung, um mit politischen Vertretern zu sprechen.

Nachdem der erste Versuch, mit einem Abgeordneten zu sprechen, scheiterte, erreichte die Gruppe über Kontakte schließlich doch Gehör. Der Abgeordnete versprach Unterstützung. Wenig später erhielten mehrere Gruppenmitglieder Maschinen für ihre Arbeit und dauerhafte Jobangebote.

Auf Basis dieses Erfolgs gründete Tukur das „Disability Inclusion Advocacy Program“ – ein Programm zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderung in mehreren Landkreisen. Diese Initiative ist Teil eines politischen Forums, das sich für Politiker einsetzt, die die Rechte von Menschen mit Behinderung unterstützen.

 

Bildung für alle: Schule für Hörbehinderte in Ingawa

Ein weiterer Schwerpunkt von Tukurs Arbeit war die Gründung einer Schule für hörbehinderte Kinder in Ingawa. Bisher gab es nur wenige solche Schulen in Katsina, und die nächste lag über 50 Kilometer entfernt. Nach langem Einsatz wurde 2023 die Dambo Tukur Schule für Gehörlose eröffnet.

Die Einschreibung verlief schleppend, da manche Eltern nicht verstanden, wie wichtig Bildung für ihre hörbehinderten Kinder ist. Tukur und sein Team gingen von Tür zu Tür, erklärten die Vorteile der Schule und motivierten Eltern, ihre Kinder anzumelden. Heute besuchen 43 Kinder die Schule, die nur einen Klassenraum hat.

Tukur arbeitet dort als Leiter, gemeinsam mit zwei gehörlosen Lehrkräften und einer weiteren Lehrerin mit Sonderpädagogik-Ausbildung. Der Unterricht umfasst Fächer wie Englisch, Mathematik, Islamische Studien und Gebärdensprache.

 

Fortschritte und Zukunftsperspektiven

Tukur sieht die Arbeit als herausfordernd, aber lohnend an. Die Kinder lernen nicht nur Fachwissen, sondern auch Werte wie Respekt und Gebet. Kommunikation ist schwierig, doch die Fortschritte sind sichtbar.

Viele Schülerinnen und Schüler sind begeistert und hoffen auf eine bessere Zukunft. Tukur möchte die Schule erweitern, sie zu einem Internat ausbauen und so Kindern aus mehreren Regionen den Zugang zur Bildung ermöglichen.

Trotz einiger Hindernisse bleibt Tukur optimistisch: „Manche Eltern glauben noch nicht an den Wert von Bildung für ihre Kinder, aber ich bin sicher, dass sich das ändern wird. Unsere Arbeit zeigt, dass Bildung der Weg zu mehr Chancen und besserer Teilhabe ist.“

 

Fazit

Ibrahim Tukur ist ein Beispiel dafür, wie persönliche Herausforderungen zu großem gesellschaftlichem Engagement führen können. Von einem ausgegrenzten Kind zum Bildungs- und Menschenrechtsaktivisten kämpft er für eine inklusive Gesellschaft in Nigeria. Seine Arbeit zeigt, wie wichtig Bildung und politische Teilhabe für Menschen mit Hörbehinderung sind – und wie viel noch getan werden muss, damit niemand wegen seiner Behinderung zurückbleibt. Seine Geschichte ist ein Mutmacher für viele Betroffene weltweit.

Photo credit: Ibrahim Tukur

Related Posts

This site is registered on wpml.org as a development site. Switch to a production site key to remove this banner.