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Ein Tag als gehörloser Arbeiter im Golfstaat Dubai

by info@deaf24.com

Dubai ist eine Stadt, die viele kennen. Glitzernde Wolkenkratzer, teure Autos, saubere Straßen. Influencer zeigen diese Stadt oft als perfekt und sauber. Für Touristen sieht alles toll aus. Aber die meisten Menschen in Dubai sehen das nicht. Sie arbeiten hart, leben in großen Gruppen und haben wenig Geld. Manche Menschen sind gehörlos. Sie haben noch mehr Schwierigkeiten. Diese Reportage erzählt einen Tag im Leben eines gehörlosen Arbeiters in Dubai.

 

Arbeitstag eines Gastarbeiters in Dubai

Ein typischer Arbeitstag für einen gehörlosen Gastarbeiter in Dubai beginnt früh morgens, oft noch vor Sonnenaufgang. Die Arbeiter werden in Bussen aus ihren überfüllten Unterkünften abgeholt – oft in Schlafräumen, die mit bis zu zehn Personen belegt sind – und zur Baustelle transportiert.

Die Arbeitszeit beträgt üblicherweise sechs Tage die Woche, mit bis zu 12 Stunden pro Tag, besonders in der Hitze des Sommers, wo Temperaturen über 40 Grad Celsius liegen. Die Arbeit ist körperlich extrem anstrengend: Bauarbeiter tragen schwere Materialien, montieren Fenster, putzen Hochhäuser von Seilen aus oder schuften unter der Sonne.

Die Löhne sind niedrig – oft unter 500 Euro im Monat – und werden gelegentlich monatelang nicht ausgezahlt. Viele Arbeiter sind durch das „Sponsoring-System“ an ihren Arbeitgeber gebunden, wodurch ihre Pässe eingezogen werden können, was die Flucht aus schlechten Arbeitsverhältnissen nahezu unmöglich macht.

Ein gehörloser Arbeiter ist besonders anfällig für Missstände, da er nicht auf akustische Warnungen reagieren kann, was die Gefahr von Unfällen erhöht. Kommunikation erfolgt über Zeichen, Schrift oder über Kollegen, die sich verstehen. In der Mittagspause, die inzwischen gesetzlich auf vier Stunden im Sommer festgelegt ist, versuchen viele, sich im Schatten auszuruhen, da die Hitze lebensbedrohlich sein kann.

Am Ende des Tages werden die Arbeiter wieder abgeholt und zurück in die Camps gebracht – oft bereits erschöpft und müde. Abends sitzen sie zusammen, sprechen über ihre Arbeit, ihre Familie und ihre Hoffnung, eines Tages nach Hause zurückkehren zu können. Doch viele sind finanziell abhängig und können sich keinen Rückflug leisten, besonders wenn sie noch Löhne oder Schulden bei ihrem Arbeitgeber haben.

 

Früh am Morgen

„Mein Wecker klingelt um 4:30 Uhr. Ich wohne in einem Lager mit neun anderen Männern. Wir schlafen in Stockbetten in einem Raum. Es gibt nur eine Gemeinschaftsküche und eine Toilette für alle.

Ich ziehe meine Arbeitskleidung an. Frühstück gibt es schnell: Brot, Reis, manchmal Bohnen. Danach gehe ich zum Bus. Wir fahren zur Baustelle, manchmal eine Stunde. Im Bus ist es still. Ich sehe auf mein Handy oder schaue aus dem Fenster.“

 

Auf der Baustelle

„Um 7 Uhr beginnt die Arbeit. Es ist heiß – im Sommer oft über 40 Grad. Wir tragen Beton, Stahl oder bauen Gerüste. Es ist sehr anstrengend.

Ich kann nicht hören, wenn mein Chef Anweisungen gibt. Ich muss auf Handzeichen meiner Kollegen achten. Manchmal ist es schwierig, alles richtig zu verstehen. Aber wir lernen, uns zu verständigen.

Mittags gibt es eine Pause. Wir essen zusammen Reis, Brot und Wasser. Nach kurzer Zeit geht die Arbeit weiter. Wir arbeiten bis 18 oder 19 Uhr.“

 

Gehörlos sein auf der Baustelle

„Für mich ist es schwieriger als für hörende Kollegen. Ansagen hören? Geht nicht. Notfälle? Ich muss auf Signale achten. Manche Kollegen wissen ein bisschen Gebärdensprache, aber nicht genug. Ich muss sehr aufmerksam sein und mich auf meine Augen verlassen.“

 

Rückfahrt ins Lager

„Abends fahren wir zurück. Viele schlafen auf dem Weg. Das Lager liegt weit weg, oft am Stadtrand. Wir kommen müde zurück. Duschen, Abendessen, kurze Ruhe – und dann schlafen. Privatsphäre gibt es kaum. In einem Zimmer schlafen sechs bis zehn Männer zusammen.“

 

Freizeit und Kommunikation

„Meine Freizeit ist kurz. Ich schreibe Nachrichten an meine Familie, manchmal spiele ich auf dem Handy oder sehe Videos. Aber ich kann nicht einfach zur Behörde gehen, weil Dolmetscher selten sind. Arztbesuche sind schwierig. Alles kostet mehr Zeit und Mühe.“

 

Arbeit und Geld

„Ich verdiene 350 Euro im Monat. Wenig Geld? Für meine Familie zu Hause ist es sehr viel. Ich schicke Geld nach Indien. Ohne dieses Einkommen könnten sie nicht leben. Deshalb bleibe ich hier, trotz der harten Arbeit und der Hitze.“

 

Beobachtungen

„Touristen sehen nur die sauberen Straßen, die Hotels, die Luxus-Shops. Sie sehen nicht die Lager, die Busse, die Baustellen. Viele Menschen hier leben so wie ich – hart und anonym. Gehörlose haben zusätzliche Hürden, aber wir versuchen, jeden Tag zu überstehen.

Es gibt Regeln: Pausen in der Hitze, Arbeitszeiten, Lohnkontrollen. Aber nicht alle Firmen halten sich strikt daran. Manche kleine Firmen sparen Kosten, auf Kosten der Arbeiter.“

 

Fazit

„Dubai ist nicht nur Luxus. Es gibt zwei Welten: die glänzende Skyline für Touristen und das harte Leben der Arbeitsmigranten. Als gehörloser Arbeiter sehe ich beide Seiten. Die Stadt ist sauber und schön für Besucher, aber für viele wie mich ist es ein harter Alltag.

Wer Dubai wirklich verstehen will, muss beide Seiten kennen. Nur dann versteht man, wie viel Arbeit, Anstrengung und Ausdauer nötig sind, um hier zu leben.“

Bild von Olga Ozik auf Pixabay / theguardian

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