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Analyse: Deutscher Gehörlosen-Bund e. V. (DGB)

by info@deaf24.com

Der Deutsche Gehörlosen-Bund e. V. (DGB) ist ein Verein, der sich als Interessenvertretung für etwa 80.000 gehörlose Menschen in Deutschland versteht. Laut seiner Selbstdarstellung setzt er sich für die Rechte gehörloser Menschen ein. Er nennt als Schwerpunkte: Barrierefreiheit, Bildung, Gebärdensprache, politische Arbeit und internationale Zusammenarbeit. Außerdem möchte er helfen, die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen.

Der DGB arbeitet mit anderen gehörlosen Organisationen zusammen. Zum Beispiel mit:

  • der Deutschen Gehörlosen-Jugend e. V.
  • dem Deutschen Gehörlosen-Sportverband

Wofür wird der DGB gelobt?

Viele gehörlose Menschen erkennen an, dass der DGB in den letzten Jahrzehnten wichtige Dinge erreicht hat:

  • Der DGB hat geholfen, dass die Deutsche Gebärdensprache im Jahr 2002 gesetzlich anerkannt wurde.
  • Er ist politisch aktiv und spricht mit der Politik über neue Gesetze für Barrierefreiheit.
  • Der DGB ist auch international tätig, zum Beispiel bei der World Federation of the Deaf.
  • Er macht Öffentlichkeitsarbeit, z. B. mit Gebärdensprach-Videos, Infomaterial und Aktionen.

Wo liegt das Problem? Warum gibt es Kritik am DGB?

Trotz seiner Erfolge gibt es viele gehörlose Menschen, die mit dem DGB unzufrieden sind. Sie haben das Gefühl, dass der DGB nicht wirklich ihre Interessen vertritt oder ihre Probleme löst. Die wichtigsten Kritikpunkte sind:

Kein Kontakt zur Basis:
Viele Menschen sagen, dass der DGB weit weg von den alltäglichen Problemen der Gehörlosen ist. Sie haben das Gefühl, dass der DGB eher für Funktionäre da ist, aber nicht für die ganz normalen Gehörlosen. Der Kontakt zu den Menschen fehlt oft.

Keine konkrete Hilfe im Alltag:
Der DGB hilft nicht direkt, wenn jemand Probleme hat – zum Beispiel mit dem Arbeitsamt, mit Dolmetsch-Vermittlungen, mit Diskriminierung oder mit Behörden. Viele berichten, dass sie auf Hilfe vom DGB warten, aber keine Antwort bekommen.

Der DGB lässt keine Kritik zu:
Viele Gehörlose berichten, dass der DGB kaum offen für Kritik ist. Wenn jemand Fragen stellt oder Missstände öffentlich macht, reagiert der DGB oft nicht oder zeigt sich beleidigt. Kritiker werden manchmal sogar ignoriert oder ausgeschlossen. Es gibt keinen offenen Austausch.

Keine Beteiligung möglich:
Einzelpersonen können nicht direkt Mitglied im DGB sein. Nur über Landesverbände kann man Einfluss nehmen. Dadurch haben viele Gehörlose das Gefühl, sie können nichts mitbestimmen. Die Struktur ist nicht demokratisch und nicht offen.

Keine Transparenz:
Es ist oft unklar, wie der DGB arbeitet, wie Entscheidungen getroffen werden oder welche Themen als wichtig gelten. Die Sprache in DGB-Texten ist oft schwer verständlich und nicht barrierefrei genug für alle.

Keine klare Haltung bei aktuellen Problemen:
Bei wichtigen aktuellen Themen – zum Beispiel beim Mangel an Gebärdensprachdolmetschern oder bei Problemen mit GSD-Vermittlungen – bleibt der DGB meist still. Viele Gehörlose erwarten, dass der DGB sich deutlich für ihre Rechte einsetzt, auch wenn das unbequem ist. Doch oft fehlt diese klare Haltung.

Kein Einsatz vor Gericht:
Der DGB bietet keine juristische Hilfe für Gehörlose, die Diskriminierung erleben oder Probleme mit Behörden haben. Es gibt keine rechtliche Unterstützung durch den Verband, obwohl das viele erwarten würden.

Zusammenfassung:

Der DGB hat in der Vergangenheit wichtige Dinge erreicht – zum Beispiel die Anerkennung der Gebärdensprache und politische Gespräche mit der Regierung. Dafür verdient er Anerkennung.

Aber viele Gehörlose sind heute enttäuscht. Sie fühlen sich vom DGB nicht gesehen, nicht vertreten und nicht ernst genommen. Besonders schwer wiegt: Der DGB nimmt kaum Kritik an und blockiert offene Gespräche mit der eigenen Community. Er bietet keine konkrete Hilfe im Alltag und reagiert langsam oder gar nicht auf aktuelle Probleme. Die Struktur ist nicht demokratisch, viele Menschen können nicht mitreden oder mitentscheiden.

Was wünschen sich viele Gehörlose vom DGB?

  • Der DGB soll offen für Kritik sein und den Dialog mit allen Gehörlosen suchen.
  • Es soll möglich sein, direkt mitzubestimmen, zum Beispiel durch eine Mitgliedschaft für Einzelpersonen.
  • Der DGB soll praktische Hilfe im Alltag anbieten oder vermitteln.
  • Der DGB soll nicht nur politisch, sondern auch konkret vor Ort aktiv sein.
  • Der DGB soll sich klar positionieren, wenn es Missstände gibt – zum Beispiel bei unzuverlässigen Dolmetschern oder schlechten Vermittlungsstellen.
  • Der DGB soll einfache Sprache und echte Barrierefreiheit bei seiner Kommunikation nutzen.
  • Der DGB soll auch bereit sein, gegen starke Partner oder Systeme zu kämpfen, wenn diese gehörlose Menschen benachteiligen.

Zusatzbeobachtung: Wochenrückblick – Information oder Selbstinszenierung?

Seit der Wahl des neuen Vorstands im November 2024 veröffentlicht der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) jeden Freitag einen Wochenrückblick in Videoform über seine Social-Media-Kanäle.

Ziel dieser wöchentlichen Videos ist es offenbar, mehr Transparenz zu zeigen. Hintergrund: In der Vergangenheit hatten viele Gehörlose das Gefühl, der DGB tue nichts oder sei inaktiv. Um das zu ändern, berichtet der Vorstand nun regelmäßig über interne Abläufe, Termine und Entwicklungen.

Doch viele Gehörlose empfinden diese Rückblicke als „Schönreden“ – sie sehen zwar Aktivität, aber keine konkreten Erfolge oder sichtbaren Fortschritte für die Community. In den Videos geht es oft um interne Büroabläufe, wie zum Beispiel:

  • Aufräumarbeiten nach der Auflösung der früheren Geschäftsstelle,
  • Entsorgung alter Papiere,
  • Digitalisierung von Akten mit Scannern,
  • organisatorische Treffen und Sitzungen.

Kritik von Deaf24: Diese Inhalte zeigen aus Sicht vieler Menschen wenig echtes Engagement für die Lebensrealität gehörloser Menschen. Es fehlt der Bezug zu konkreten Verbesserungen im Alltag: etwa beim Zugang zu Dolmetschern, beim Abbau von Barrieren oder bei juristischen Erfolgen.

Erwartung aus der Community: Die Gehörlosen wünschen sich nicht nur Transparenz, sondern greifbare Ergebnisse:

  • politische Durchbrüche,
  • juristische Unterstützung,
  • Einfluss auf Gesetze,
  • klare Stellungnahmen bei Missständen.

Wöchentliche Rückblicke über Büroabläufe reichen dafür nicht aus. Sie wirken auf viele eher wie eine Selbstinszenierung als ein ernst gemeinter Fortschritt.

Bild von Mohamed Hassan auf Pixabay

Rechtlicher Hinweis

Dieser Bericht stellt eine sachliche Bewertung auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen und zahlreicher Rückmeldungen aus der Gehörlosen-Community dar. Er dient der freien Meinungsäußerung und der demokratischen Teilhabe nach Artikel 5 des Grundgesetzes. Die Persönlichkeitsrechte werden gewahrt. Es handelt sich nicht um eine pauschale Kritik, sondern um eine differenzierte Einschätzung mit dem Ziel, den Dialog innerhalb der Gehörlosengemeinschaft zu fördern und eine konstruktive Diskussion anzuregen.

Die in diesem Bericht dargestellten Beobachtungen und Aussagen beruhen nicht auf Erfindungen von Deaf24, sondern sind Kommentare und Gespräche aus der Gehörlosen-Community, die durch die Redaktion gesammelt und ausgewertet wurden.

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