Ein Besuch bei der Polizei sollte für alle Bürgerinnen und Bürger gleich ablaufen – unabhängig davon, ob sie hörend oder gehörlos sind.
Doch ein aktuelles Erlebnis in Würzburg zeigt, dass es in der Kommunikation zwischen Polizei und Gehörlosen weiterhin große Hürden gibt.
Dieser Bericht beschreibt eine persönliche Erfahrung und fasst Beobachtungen aus der Gehörlosen-Community zusammen.
Begegnung mit der Polizei in Würzburg: Ein persönliches Erlebnis
Ich bin gehörlos. Vor einiger Zeit musste ich in Würzburg zur Polizei, um eine Angelegenheit zu klären.
Eine Polizistin sprach mich an. Ich erklärte ihr sofort, dass ich taub bin. Darauf antwortete sie, dass sie nicht wisse, wie sie mit Gehörlosen umgehen solle.
Sie schlug vor, dass wir schriftlich miteinander kommunizieren. Für viele Gehörlose – mich eingeschlossen – ist dies nicht die bevorzugte Methode, weil schriftliche Kommunikation leicht zu Missverständnissen führen kann, besonders bei komplexen oder wichtigen Themen.
Ich bat stattdessen um ein Gespräch mit klarer, langsamer Aussprache, sodass ich vom Mund absehen (Lippenlesen) kann. Die Polizistin blieb jedoch bei ihrem Vorschlag, nur zu schreiben.
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Polizei benachteiligt Gehörlose bei Gesprächen
Es gibt viele Situationen, in denen die Polizei gerufen wird – etwa bei einem Autounfall, einer Schlägerei oder anderen Vorfällen.
Der Zufall bringt eine Lösung
Während dieser Situation kam zufällig ein Kollege der Polizistin in den Raum.
Er wollte lediglich etwas abholen, bemerkte mich und sprach mich an – langsam und deutlich, sodass ich ihn verstehen konnte.
Dieser Kollege war eigentlich nicht für meinen Fall zuständig.
Ohne diesen Zufall hätte die Verständigung vermutlich ausschließlich schriftlich stattgefunden – entgegen meinem Wunsch.
Deaf24 warnt seit Jahren – ohne sichtbare Veränderungen
Nach Kenntnis von Deaf24 werden solche Situationen nicht nur in Würzburg, sondern auch an anderen Orten berichtet.
Seit über zwei Jahren weist Deaf24 wiederholt darauf hin, dass Polizeibehörden besser auf die Kommunikation mit Gehörlosen vorbereitet sein sollten.
In Gesprächen und Artikeln wurden Vorschläge gemacht, wie die Kommunikation verbessert werden kann – zum Beispiel durch einfache Gebärden, klare Aussprache oder den Einsatz von Dolmetschern.
Nach aktuellem Kenntnisstand wird in der Polizeiausbildung der Umgang mit Gehörlosen nicht als eigenständiges Thema vermittelt.
Viele in der Gehörlosen-Community empfinden dies als ein deutliches Versäumnis, das in einem modernen und inklusiven Deutschland dringend behoben werden sollte.
Was dieser Vorfall deutlich macht
Der Vorfall in Würzburg zeigt einige wiederkehrende Probleme, die Gehörlose bei Behörden erleben:
- Fehlende Schulung – Viele Polizistinnen und Polizisten sind nicht speziell darauf vorbereitet, mit Gehörlosen zu kommunizieren.
- Einseitige Kommunikationswege – Schriftliche Kommunikation wird oft als Standardlösung vorgeschlagen, auch wenn andere Möglichkeiten verfügbar wären.
- Abhängigkeit vom Zufall – Reibungslose Verständigung entsteht häufig nur dann, wenn zufällig jemand mit den passenden Fähigkeiten vor Ort ist.
- Keine einheitlichen Abläufe – Es gibt offenbar keine klaren Vorgaben, wie Gehörlose im direkten Kontakt mit der Polizei unterstützt werden sollen.
Warum gute Kommunikation so wichtig ist
Für Gehörlose ist Kommunikation mit Behörden oft eine besondere Herausforderung.
Wenn Missverständnisse auftreten, können wichtige Informationen verloren gehen – mit möglicherweise ernsthaften Folgen.
Direkte Gespräche, langsame und deutliche Aussprache oder die Unterstützung durch Dolmetscher sind oft der beste Weg, um Missverständnisse zu vermeiden.
Schriftliche Kommunikation kann hilfreich sein, sollte aber nicht die einzige Lösung sein – besonders wenn Betroffene andere, für sie bessere Kommunikationsformen wünschen.
Tipps für Gehörlose bei der Polizei
Um die Verständigung zu erleichtern, können folgende Strategien helfen:
- Gleich zu Beginn mitteilen, dass man gehörlos ist – am besten mit einem vorbereiteten Hinweiszettel.
- Klar sagen, welche Kommunikationsform gewünscht wird, z. B. Lippenlesen, Gebärdensprache oder langsames Sprechen.
- Nicht sofort auf schriftliche Kommunikation einlassen, wenn sie nicht passt.
- Hilfsmittel mitbringen, wie ein Smartphone mit Text-zu-Sprache-App oder Notizblock – als Ergänzung, nicht als Hauptmethode.
- Begleitperson mitnehmen, die gebärden oder beim Lippenlesen helfen kann.
- Sachlich, aber bestimmt bleiben, um Missverständnisse zu vermeiden und die eigenen Bedürfnisse deutlich zu machen.
Fazit
Der geschilderte Vorfall in Würzburg zeigt: Verständigung zwischen Polizei und Gehörlosen hängt oft vom Zufall ab.
Ohne den zufällig anwesenden Kollegen hätte die Kommunikation nur schriftlich stattgefunden – entgegen meinem Wunsch.
Dass Deaf24 seit Jahren auf diese Probleme hinweist, ohne dass in der Polizeiausbildung spürbare Änderungen erkennbar sind, verstärkt in der Gehörlosen-Community den Eindruck, dass hier ein wichtiges Thema zu wenig Beachtung findet.
Barrierefreie Kommunikation sollte bei der Polizei selbstverständlich sein – in Würzburg und überall in Deutschland.
Nur so ist sichergestellt, dass alle Bürgerinnen und Bürger gleichberechtigt behandelt werden.

