In sozialen Medien tauchen immer mehr kurze Videos auf, in denen Finanz-Vlogger behaupten: „Seit dem 1. Januar 2024 bekommst du über 12 % Zinsen vom Staat – garantiert und ohne Risiko!“ Besonders junge Menschen und Berufseinsteiger sollen damit gelockt werden. Sie sollen einfach kommentieren oder den Vlogger direkt anschreiben – angeblich, um ein Geheimnis zu erfahren, das bares Geld bringt.
Doch viele dieser Aussagen sind nicht ganz richtig. Einige Informationen stimmen – aber sie sind verkürzt, übertrieben oder absichtlich so formuliert, dass sie Vertrauen wecken. Das Ziel: persönliche Gespräche mit Finanzberatern oder Vermittlern. Dabei geht es meist um den Abschluss eines Finanzprodukts wie Fonds, Bausparverträge oder Rentenversicherungen – gegen Provision.
Dieser Artikel klärt auf, was hinter den Aussagen steckt, was wirklich stimmt, worauf du achten musst – und warum solche Videos mit Vorsicht zu genießen sind.
Was wirklich gemeint ist: Vermögenswirksame Leistungen (VL)
Die Aussage über „12 % Zinsen vom Staat“ bezieht sich höchstwahrscheinlich auf ein staatliches Förderprogramm: die sogenannten vermögenswirksamen Leistungen (VL). Diese Leistungen sind kein Geschenk vom Staat, sondern eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, die in bestimmte Sparverträge eingezahlt werden kann – zum Beispiel:
- Bausparverträge
- Fondsparpläne
- Banksparpläne
Der Staat kann auf solche Verträge eine Arbeitnehmer-Sparzulage geben – je nach Vertragsart bis zu 20 % der eingezahlten VL, maximal 80 € pro Jahr bei Fondsanlagen.
Die Zahl 12 % stammt also nicht von einem echten Zinssatz. Sie entsteht nur, wenn man die staatliche Förderung mit dem eigenen Sparbetrag vergleicht – unter bestimmten Bedingungen. Doch das ist kein Zinsertrag wie bei einem Sparkonto, sondern eine einmalige Zulage, die man nur unter bestimmten Voraussetzungen bekommt.
Diese Bedingungen gelten – nicht jeder bekommt die Förderung
Um von der Arbeitnehmer-Sparzulage zu profitieren, müssen viele Bedingungen erfüllt sein:
- Du brauchst einen Arbeitgeber, der VL überhaupt zahlt (nicht alle tun das).
- Du brauchst einen geeigneten Vertrag, der VL-fähig ist.
- Du darfst bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten:
- Für Fondsverträge: 20.000 € Jahreseinkommen (Einzelperson)
- Für Bausparverträge: 17.900 € Jahreseinkommen (Einzelperson)
Wenn du über diesen Grenzen liegst oder keinen VL-Vertrag abschließt, bekommst du keine Förderung – und damit auch keine „12 % Zinsen“.
Warum der Begriff „garantiert“ gefährlich ist
Viele Vlogger benutzen das Wort „garantiert“, um Vertrauen zu schaffen. Doch bei Finanzprodukten gibt es nie echte Garantien, außer bei sehr konservativen Verträgen wie Banksparplänen oder staatlichen Renten. Wenn Fonds im Spiel sind, schwankt der Wert – du kannst Gewinn machen, aber auch Verluste erleiden.
Das wird in den Vlogs nicht erklärt. Es entsteht der Eindruck: „Es gibt Geld vom Staat, und du musst nichts dafür tun.“ Das ist falsch und gefährlich, vor allem für Menschen, die keine Erfahrung mit Finanzthemen haben – wie viele junge Gehörlose oder Menschen mit wenig Unterstützung beim Thema Geld.
Woran du unseriöse Werbung erkennst
Viele dieser Vlogs sind keine echten Informationsangebote, sondern Werbung für Finanzvermittler, die über persönliche Gespräche Verträge verkaufen. Dabei verdienen sie oft Provisionen, wenn du einen Vertrag unterschreibst.
Typische Warnzeichen:
- Keine Erklärung, wie das Modell funktioniert
- Reißerische Versprechen wie „12 % garantiert“
- Kein Hinweis auf Risiken oder Bedingungen
- Aufruf zur Kontaktaufnahme („Kommentiere ein Ohr“, „Schreib mir direkt“)
- Keine Angabe, ob es sich um Werbung handelt
Ein neutraler, seriöser Berater würde immer auch die Nachteile nennen, auf Risiken hinweisen und dir Bedenkzeit geben – ohne Druck.
Tipps für dich: So schützt du dich vor Täuschung
- Glaube nicht jedem Video im Internet. Hinter vielen Vlogs stecken Verkaufsinteressen, auch wenn sie freundlich wirken.
- Frage immer nach: Was ist der genaue Vertrag? Welche Risiken gibt es? Wie lange bin ich gebunden?
- Lies das Kleingedruckte, bevor du etwas unterschreibst – oder bitte jemanden um Hilfe.
- Lass dich nicht unter Druck setzen. Seriöse Beratung gibt dir Zeit zum Überlegen.
- Achte auf deine Rechte: Werbung muss als solche gekennzeichnet sein – auch in Videos!
- Hol dir eine zweite Meinung, zum Beispiel bei einer unabhängigen Verbraucherzentrale oder Schuldnerberatung.
Fazit: Versprochen wird viel – prüfe immer genau
Die Aussage „12 % Zinsen vom Staat – garantiert und ohne Risiko“ ist irreführend. Es gibt tatsächlich staatliche Förderungen wie die Arbeitnehmer-Sparzulage – aber nur unter klaren Bedingungen, und sie sind kein Geschenk. Die Darstellung in vielen Vlogs ist oft übertrieben oder verkürzt und soll dich zu einem Verkaufsgespräch führen.
Sei besonders wachsam, wenn du wenig Erfahrung mit Geldanlagen hast. Hol dir Rat, frag kritisch nach und unterschreibe nichts vorschnell. So schützt du dich vor finanziellen Nachteilen – und falschen Versprechen im Internet.

