Home HörgeschädigtBerufTrotz Arbeit arm: Die schwierige Lage in Behindertenwerkstätten

Trotz Arbeit arm: Die schwierige Lage in Behindertenwerkstätten

by info@deaf24.com

In Deutschland arbeiten über 300.000 Menschen mit Behinderung in besonderen Werkstätten. Viele von ihnen arbeiten dort in Vollzeit. Trotzdem verdienen sie sehr wenig Geld – oft nicht einmal so viel wie ein Mensch in einer Stunde mit Mindestlohn.

Die Regierung (CDU/CSU und SPD) hat in ihrem neuen Vertrag versprochen, dass sie etwas verbessern will: Mehr Menschen mit Behinderung sollen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten können. Auch die Werkstätten sollen reformiert werden. Doch leider sagt die Politik nicht genau, wie das passieren soll.

Mehr als 300.000 Menschen in Werkstätten

In Deutschland arbeiten über 300.000 Menschen mit Behinderung in Werkstätten, die extra für sie eingerichtet wurden. Viele von ihnen arbeiten dort jeden Tag, also in Vollzeit.

Trotzdem bekommen sie sehr wenig Geld. Es ist oft nur so viel wie der Mindestlohn – aber nicht für einen ganzen Tag, sondern nur für eine Stunde! Das ist sehr ungerecht.

Viele Werkstätten stellen Produkte her, die von Firmen gekauft werden – zum Beispiel aus der Auto- oder Stahlindustrie. Es geht um Milliarden Euro. Die Menschen in den Werkstätten sind also wichtig für die Wirtschaft – aber sie werden kaum bezahlt.

Die meisten Menschen in Werkstätten haben eine geistige oder psychische Behinderung. Nur wenige haben eine körperliche Behinderung.

Frühe Ausgrenzung führt zu Problemen im Berufsleben

Viele Menschen in Werkstätten haben es schwer, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu arbeiten. Der Grund ist: Schon in ihrer Kindheit wurden sie ausgegrenzt.

Früher gingen sie auf Förderschulen und hatten keine Chance auf eine Ausbildung. Die Werkstatt war für sie die einzige Möglichkeit, überhaupt arbeiten zu können.

Heute ist etwa jeder dritte Mensch in der Werkstatt über 50 Jahre alt. Ihr Alltag in der Werkstatt wurde zur Gewohnheit.

Außerdem sind viele überfordert mit den Formularen und bürokratischen Regeln, die nötig sind, um eine andere Arbeit zu bekommen.

Obwohl jeder dritte Mensch in einer Werkstatt eigentlich geeignet wäre für den normalen Arbeitsmarkt, schafft es kaum jemand – weniger als ein Prozent!

Was ist das „Budget für Arbeit“?

Seit 2018 gibt es das sogenannte Budget für Arbeit. Es soll Menschen mit Behinderung helfen, auf dem normalen Arbeitsmarkt zu arbeiten – also außerhalb der Werkstatt.

Wenn du das möchtest, hilft dir der Integrationsfachdienst (IFD).

Der IFD prüft: Was kannst du gut? Was brauchst du für Unterstützung?
Er hilft dir bei der Suche nach Praktika und begleitet dich dabei.

Auch einige Werkstätten helfen ihren Beschäftigten, einen Platz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt oder in einem Inklusionsbetrieb zu finden.

Was ist das „Budget für Ausbildung“?

Seit 2020 gibt es zusätzlich das Budget für Ausbildung.

Es ist für Menschen gedacht, die eigentlich in einer Werkstatt arbeiten würden, aber stattdessen eine normale Ausbildung machen möchten – also auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

Neu seit 2024:
Wenn jemand vorher in einer Werkstatt gearbeitet hat oder das Budget für Arbeit genutzt hat, dann zählt diese Person für einen Arbeitgeber wie zwei Pflichtarbeitsplätze für Menschen mit Behinderung – aber nur in den ersten zwei Jahren.

Fazit: Große Versprechen – aber wenig klare Pläne

Im neuen Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht:
Menschen mit Behinderung sollen besser bezahlt werden. Und sie sollen leichter einen Job auf dem normalen Arbeitsmarkt finden.

Das klingt gut – aber was genau getan werden soll, bleibt unklar.
Es sieht so aus, als ob die Regierung vor allem schöne Worte benutzt, um die Menschen zu beruhigen.

Eine große Ungerechtigkeit

Die sehr niedrigen Löhne in Werkstätten sind eine extreme Ungerechtigkeit.
Es ist falsch zu sagen, dass es keine „echte Arbeit“ ist – denn die Menschen dort arbeiten sehr wohl.

Milliardengewinne – aber kein Lohn für die Beschäftigten

Werkstätten produzieren viele Dinge für große Firmen, zum Beispiel Autoteile.
Diese Firmen machen damit Milliardengewinne.

Trotzdem bekommen die Menschen in den Werkstätten nur einen kleinen Lohn.
Dabei könnten sie ganz einfach den Mindestlohn erhalten – das wäre fair.

Worte reichen nicht – es muss sich wirklich etwas ändern

Wenn die Regierung es ernst meint, muss sie viel verändern.

Sie muss schon in der Schule für echte Inklusion sorgen.
Und sie muss dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderung gute Ausbildungen und echte Jobs bekommen.

Wir müssen abwarten, ob die Regierung wirklich etwas tut – oder ob es nur leere Versprechen sind.

Bild von Janno Nivergall auf Pixabay

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