Für Menschen mit Hörbehinderung sind Gebärdensprachdolmetscher (GSD) oft der einzige Weg, um am Alltag teilzuhaben – bei Behördengängen, Arztbesuchen oder anderen wichtigen Terminen. Doch immer wieder zeigen sich große Mängel in der Organisation der Einsätze dieser Dolmetscher. An dieser Problematik sind nicht nur die Dolmetscher selbst beteiligt, sondern auch die verschiedenen Verbände und Organisationen, die sich um die Interessen der hörbehinderten Menschen kümmern sollten. Deaf24 hat wiederholt über diese Herausforderungen berichtet und fordert eine dringend notwendige Verbesserung. In diesem Artikel werden die verschiedenen Aspekte beleuchtet, die zu den Problemen führen und was die Verantwortlichen tun sollten, um eine Lösung herbeizuführen.
Schlechte Organisation der Einsätze – Probleme an Werktagen
Ein großes Problem besteht darin, dass viele Behörden und Unternehmen an Werktagen schlecht auf die Organisation der GSD-Einsätze vorbereitet sind. Oft werden Dolmetscher zu spät oder gar nicht rechtzeitig bestellt, sodass wichtige Termine nicht wahrgenommen werden können. Hörbehinderte Menschen sind dann auf sich allein gestellt, da keine Dolmetscher vor Ort sind. Zusätzlich sind viele Dolmetscher nicht flexibel genug, kurzfristig auf Einsätze zu reagieren, was die Kommunikation weiter erschwert. Dies führt zu einer Unsicherheit, die die betroffenen Personen stark belastet.
Fehlende Dolmetscher an Wochenenden und Feiertagen
Ein weiteres großes Problem ist, dass an Wochenenden und Feiertagen häufig gar keine Dolmetscher-Einsätze stattfinden. Viele wichtige Termine, wie Arztbesuche oder wichtige Behördengänge, fallen genau auf diese Tage – und dann sind Dolmetscher schlichtweg nicht verfügbar. Die Behörden sind an diesen Tagen geschlossen, und die Vermittlungen bieten keine Bereitschaftsdienste an. Das bedeutet für viele Gehörlose eine starke Einschränkung ihrer Lebensqualität, da sie in diesen Zeiten oft keine Unterstützung haben und wichtige Anliegen alleine bewältigen müssen.
Versäumnisse der Verbände – Deutscher Gehörlosenbund und Landesverbände
Ein großer Anteil der Verantwortung liegt bei den Verbänden, die sich für die Gehörlosen einsetzen sollten – etwa dem Deutschen Gehörlosenbund (DGB) und den Landesorganisationen. Doch leider zeigen diese Verbände oft keine ausreichende Wirkung. Es fehlt an klaren Maßnahmen, die die Situation der GSD-Einsätze langfristig verbessern. Vielmehr konzentrieren sich die Verantwortlichen zu sehr auf politische Diskussionen, anstatt konkrete und schnelle Lösungen umzusetzen. Die Gehörlosen fühlen sich daher oft im Stich gelassen und haben kaum Einfluss darauf, wie die Einsätze organisiert werden.
Finanzielle Unterstützung und ihre mangelhafte Umsetzung – Verantwortung des Landesverband Bayern der Gehörlosen e.V.
Der Bayerische Landesverband der Gehörlosen hat zwar finanzielle Mittel für sogenannte Notfallbereitschaft erhalten, die in dringenden Situationen schnelle Dolmetscherversorgung gewährleisten sollten. Doch leider zeigt sich, dass diese Mittel kaum effektiv genutzt werden. Viele Dolmetscher sind kaum bereit, solche Dienste zu übernehmen. Stattdessen ziehen sie es vor, bequem von zu Hause aus per Video zu dolmetschen, anstatt direkt vor Ort präsent zu sein. Diese Haltung führt dazu, dass wichtige Einsätze nicht durchgeführt werden oder die Qualität der Dolmetscherdienste erheblich darunter leidet. Hörbehinderte Menschen können sich dadurch nur schwer auf diese Unterstützung verlassen.

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Frage der Verantwortung des Landesverband Bayern der Gehörlosen e.V.:
Warum erhält der Bayerische Landesverband finanzielle Unterstützung für Notfallbereitschaft, wenn diese Maßnahmen unter der Führung von Landesverband Bayern der Gehörlosen e.V. nicht wie vorgesehen funktionieren? Es fehlt an klarer Planung und Kontrolle, wie die bereitgestellten Mittel tatsächlich zur Verbesserung der Dolmetscherdienste eingesetzt werden. Als Vorsitzender des Landesverbands trägt Bernd Schneider die Verantwortung dafür, dass die Mittel effektiv genutzt werden und die Dolmetscherdienste zuverlässig zur Verfügung stehen. Stattdessen zeigen sich gravierende Versäumnisse, die die Lebensqualität der hörbehinderten Menschen weiter einschränken. Es drängt sich die Frage auf: Welche Maßnahmen wird Bernd Schneider ergreifen, um diese Probleme zu lösen und die Unterstützung nachhaltig und effizient umzusetzen?
Mangel an Mitsprachemöglichkeiten und Unterstützung
Ein weiteres großes Problem ist, dass die Gehörlosen selbst in die Planung der Dolmetscher-Einsätze kaum mit einbezogen werden. Viele Betroffene fühlen sich nicht gehört oder haben keine Möglichkeit, Einfluss darauf zu nehmen, welche Dolmetscher sie benötigen. Die Organisationen entscheiden oft ohne Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse der Gehörlosen. Hier fehlt es an Transparenz und Mitsprachemöglichkeiten. Die Verbände und Vermittlungen sollten dringend darauf achten, die Gehörlosen in den Entscheidungsprozess einzubeziehen.
Fazit
Die Mängel bei den Gebärdensprachdolmetscher-Einsätzen sind zum großen Teil auf schlechte Organisation und mangelndes Engagement der zuständigen Verbände zurückzuführen. Es braucht dringend ein Umdenken: Dolmetscher müssen sowohl an Werktagen als auch an Wochenenden zuverlässig einsatzbereit sein. Zudem muss endlich die finanziell geförderte Bereitschaftsversorgung effizient genutzt und besser umgesetzt werden. Hörbehinderte Menschen haben das Recht auf eine bessere Unterstützung, die ihre Lebensqualität im Alltag spürbar verbessert. Deaf24 fordert deshalb von den Verantwortlichen ein schnelles und entschlossenes Handeln, um diese gravierenden Missstände endlich zu beheben.

