Seit vielen Jahren kämpft die Gehörlosen-Community mit großen Herausforderungen. Doch trotz zahlreicher Hinweise und Bitten an die Verantwortlichen hat sich wenig verbessert. Besonders die Organisation von Gebärdensprachdolmetschern (GSD), die Barrierefreiheit in Behörden und Krankenhäusern sowie die generelle Unterstützung durch die Verbände bleiben problematisch.
Gebärdensprachdolmetscher: Organisation statt Mangel
Das Problem liegt nicht daran, dass es zu wenige Dolmetscher gibt, sondern daran, wie schlecht die Organisation funktioniert:
- Keine Meldepflicht: GSD sind nicht verpflichtet, ihre Verfügbarkeit bei Vermittlungsstellen zu melden. Dadurch wissen die Vermittlungsstellen oft nicht, wann und wo Dolmetscher verfügbar sind.
- Direktbuchung durch Gehörlose: Viele Gehörlose buchen Dolmetscher direkt, weil sie mit den Vermittlungsstellen unzufrieden sind. Dies sorgt für Unordnung und erschwert die Planung.
- Schlechte Koordination: Ohne klare Strukturen entstehen unnötige Fahrzeiten, und Dolmetscher könnten mehr Einsätze schaffen, wenn die Organisation besser wäre.
Gehörlose müssen ihre Rechte einfordern
Die Gehörlosen-Community darf nicht länger passiv bleiben. Es ist wichtig, selbstbewusst und auf Augenhöhe mit den Verbänden und Vermittlungsstellen zu sprechen.
- Gleichberechtigt handeln: Gehörlose haben ein Recht darauf, respektvoll behandelt zu werden. Es geht nicht darum, sich anzupassen oder zu „bitten“, sondern darum, aktiv mitzubestimmen.
- Mitgestaltung: Gehörlose wissen selbst am besten, was sie brauchen. Ihre Erfahrungen müssen ernst genommen werden, um bessere Lösungen zu finden.
- Keine Unterordnung: Die Zeiten, in denen Gehörlose die Entscheidungen der Verbände und Vermittlungsstellen einfach akzeptieren, müssen vorbei sein. Es braucht einen respektvollen und fairen Austausch.
Barrieren in Behörden und Krankenhäusern
In Behörden und Krankenhäusern gibt es weiterhin große Hindernisse für Gehörlose.
- Behörden: Oft fehlen Dolmetscher, und die Mitarbeiter wissen nicht, wie sie mit Gehörlosen kommunizieren sollen. Das macht einfache Behördengänge schwierig.
- Krankenhäuser: Besonders in Notfällen fehlen Dolmetscher. Ohne klare Kommunikation kann dies sogar gefährlich werden. Viele Krankenhäuser haben keine Strukturen, um Dolmetscher schnell zu organisieren.
Was machen die Verbände?
Die Landesverbände der Gehörlosen und der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) tragen eine große Verantwortung. Doch sie scheinen seit Jahren nicht aktiv genug zu sein:
- Versäumte Reformen: Viele Probleme, wie die schlechte Organisation der Dolmetscher oder fehlende Barrierefreiheit, bleiben ungelöst.
- Keine Nähe zur Community: Die Verbände wirken oft distanziert und scheinen die tatsächlichen Bedürfnisse der Gehörlosen nicht zu kennen.
- Veraltete Strukturen: Anstatt mit der Zeit zu gehen und moderne Lösungen zu finden, bleiben die Verbände in alten Systemen stecken.
Was muss sich ändern?
- Bessere Organisation von Dolmetschern: GSD sollten verpflichtet werden, ihre Verfügbarkeit zu melden. So könnten Einsätze besser geplant und Wartezeiten verkürzt werden.
- Barrierefreiheit verbessern: Behörden und Krankenhäuser müssen verbindlich Dolmetscher bereitstellen. Außerdem braucht es Schulungen für die Mitarbeiter, um die Kommunikation zu erleichtern.
- Verbände in die Pflicht nehmen: Die Gehörlosen-Verbände müssen aktiver werden und enger mit der Community zusammenarbeiten. Sie sollten moderne Lösungen finden und die Anliegen der Gehörlosen entschlossen vertreten.
- Stärkung der Selbstbestimmung: Gehörlose müssen selbstbewusst für ihre Rechte eintreten und klar kommunizieren, was sie brauchen.
Fazit
Die Gehörlosen-Community hat lange genug gewartet. Es ist Zeit für echte Veränderungen – durch die Verbände, durch die Vermittlungsstellen und durch die Gehörlosen selbst. Nur durch bessere Zusammenarbeit und Respekt auf Augenhöhe können die Probleme gelöst und eine barrierefreie Zukunft geschaffen werden.

