Home HörgeschädigtGebärdensprachePolizistin startet BSL-Training für mehr Inklusion

Polizistin startet BSL-Training für mehr Inklusion

by info@deaf24.com

Inklusion und Barrierefreiheit sind wichtige Ziele für moderne Gesellschaften – besonders im Umgang mit Menschen mit Hörbehinderung. DC Chloe Tynan-Jones aus Nordwales zeigt, wie es geht: Sie leitet ein spezielles British Sign Language (BSL)-Training für Polizist*innen, damit diese besser mit gehörlosen Menschen kommunizieren können. Ihr persönlicher Bezug und ihr Engagement machen diese Initiative zu einem Vorbild.

 

Persönliche Motivation: BSL lernen für den Großvater

Chloe Tynan-Jones, 30 Jahre alt, lebt in Llanfairpwll und begann schon als Kind, BSL zu lernen. Ihr Schulfreund verlor nach einer Krankheit das Gehör, und eine Lehrkraft brachte ihr Gebärden bei, damit die beiden kommunizieren konnten. Zuhause übte sie mit ihrem Großvater, der sein Gehör im Laufe seines Lebens verlor und früher selbst Polizist war.

„Ich musste oft laut sprechen, weil er nichts mehr hören konnte“, erzählt Tynan-Jones lachend. Die Situation mit ihrem Großvater machte sie schon früh auf das Thema Hörverlust aufmerksam. Die Gebärdensprache half beiden, besser miteinander zu kommunizieren und verband sie auch emotional.

Nach einer schweren Zeit im Erwachsenenalter entschied sich Chloe, zur Polizei zu gehen – aus dem Wunsch heraus, Menschen zu helfen. Der Tod ihres Großvaters 2019 bestärkte sie darin, eine Brücke zur Gehörlosengemeinschaft zu bauen und Barrieren abzubauen.

 

Maßgeschneidertes BSL-Training für Polizist*innen

Mit Unterstützung ihrer Polizeidienststelle begann DC Tynan-Jones Anfang 2025, nach passenden Kursen zu suchen. In Zusammenarbeit mit dem College Grwp Llandrillo Menai wurde ein spezielles BSL-Training für Polizeieinsätze entwickelt. Der Kurs läuft fünf Wochen und umfasst praxisnahe Inhalte, die direkt auf Situationen im Polizeialltag zugeschnitten sind.

Zehn Polizist*innen nehmen derzeit teil und erwerben die BSL Level 1 Qualifikation. Wer den Kurs erfolgreich abschließt, erhält ein Abzeichen, das zeigt: „Ich kann BSL sprechen.“ So wird die Sichtbarkeit und Anerkennung für Gebärdensprache im Polizeidienst gestärkt.

Chloe erklärt: „Mein Großvater wäre sehr stolz. Diese Ausbildung hilft uns, die Gehörlosengemeinschaft besser zu unterstützen und Barrieren abzubauen.“ Sie hofft, dass Nordwales die Vorreiterrolle in ganz Wales übernimmt und BSL als festen Bestandteil im Polizeialltag verankert.

 

Unterstützung für Betroffene – vor allem bei häuslicher Gewalt

Neben dem offiziellen Training arbeitet Chloe auch ehrenamtlich als Vorsitzende des Behinderten-Support-Netzwerks ENABLE. Dort unterstützt sie Polizistinnen, Mitarbeiterinnen und deren Familien mit Behinderungen.

Besonders wichtig ist ihr, dass gehörlose Opfer von Straftaten, etwa häuslicher Gewalt, sicher und ohne Kommunikationsbarrieren Hilfe bekommen. „Es darf keine Hürde geben, wenn jemand Unterstützung braucht“, betont sie. Für viele gehörlose Menschen kann der Kontakt mit der Polizei einschüchternd sein – umso wichtiger ist es, die Sprache zu beherrschen, die sie verstehen.

 

Stimmen aus der Praxis: Polizei und Bildungspartner

Superintendentin Llinos Davies lobt die Initiative: „Dieses Programm ist ein großer Schritt, um Inklusion zu fördern. Es stärkt die Verbindung zwischen Polizei und Gehörlosengemeinschaft und sorgt dafür, dass sich jede Person wahrgenommen fühlt.“

Auch Martin Walker vom Grwp Llandrillo Menai betont: „Unsere Zusammenarbeit zeigt, wie wichtig es ist, Kommunikationsbarrieren abzubauen. Wir setzen uns für Barrierefreiheit und lebenslanges Lernen ein.“

 

Fazit: Ein Modell für mehr Barrierefreiheit und Verständnis

DC Chloe Tynan-Jones beweist mit ihrem Einsatz, wie persönliches Engagement Barrieren abbauen kann – und dass Gebärdensprache im Polizeidienst unverzichtbar ist. Ihr maßgeschneidertes BSL-Training gibt Polizist*innen wichtige Werkzeuge an die Hand, um mit gehörlosen Menschen besser zu kommunizieren und ihnen zu helfen.

Solche Projekte fördern nicht nur Inklusion, sondern schaffen Vertrauen und Respekt. Sie zeigen, wie Behörden und Gemeinschaften gemeinsam eine barrierefreie Gesellschaft gestalten können, in der niemand wegen seiner Hörbehinderung ausgeschlossen wird.

 

Tipps für Behörden und Organisationen:

  • Bieten Sie gezielte Gebärdensprachkurse an, die auf den Berufsalltag zugeschnitten sind.
  • Motivieren Sie Mitarbeitende, sich im Bereich Inklusion weiterzubilden.
  • Schaffen Sie sichtbare Zeichen für BSL-Kompetenz (z. B. Abzeichen).
  • Fördern Sie den direkten Dialog mit Gehörlosen, um ihre Bedürfnisse besser zu verstehen.
  • Sorgen Sie für barrierefreie Zugänge zu allen Dienstleistungen, insbesondere in sensiblen Bereichen wie Polizei und Sozialdiensten.

So wird Inklusion lebendig – für eine Gesellschaft, in der alle Stimmen gehört werden, egal ob laut oder leise.

Bild: northwales.police.uk

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