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Grundrente vs. Grundsicherung: Der klare Unterschied

by info@deaf24.com

Viele Menschen, die alt sind oder nicht mehr arbeiten können, bekommen zu wenig Geld zum Leben. Besonders in der Gehörlosengemeinschaft betrifft das viele Menschen. Sie haben oft weniger verdient, weil sie schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hatten. Oder sie konnten gar nicht voll arbeiten – zum Beispiel, weil sie Angehörige gepflegt oder Kinder großgezogen haben.

Wenn die eigene Rente nicht reicht, gibt es in Deutschland zwei Möglichkeiten der Unterstützung: Grundrente und Grundsicherung im Alter. Beide sollen helfen – aber sie funktionieren ganz unterschiedlich. Viele Menschen kennen den Unterschied nicht und wissen nicht, worauf sie Anspruch haben.

In diesem Artikel erklären wir ganz genau, was die beiden Leistungen bedeuten, wer sie bekommt, was geprüft wird und wie man sie bekommt – einfach, verständlich und ausführlich.

 

Was ist die Grundsicherung im Alter? – Hilfe vom Sozialamt bei zu wenig Geld

Die Grundsicherung im Alter ist eine Leistung vom Sozialamt. Sie wurde 2003 eingeführt und hilft Menschen, die im Alter oder bei dauerhafter Erwerbsunfähigkeit nicht genug Einkommen haben, um den Lebensunterhalt zu decken.

Das Ziel:
Niemand soll in Deutschland im Alter arm leben müssen. Deshalb gibt es diese Sozialleistung – sie ist ähnlich wie die Sozialhilfe, aber speziell für ältere oder kranke Menschen.

Was wird bezahlt?

Die Grundsicherung übernimmt alle notwendigen Lebenshaltungskosten:

  • Miete und Heizkosten (in angemessener Höhe)
  • Essen und Trinken
  • Kleidung
  • Gesundheitskosten (Zuzahlungen für Medikamente usw.)
  • Grundbedarf für Kommunikation und persönliche Dinge

Wer hat Anspruch?

Du kannst Grundsicherung im Alter beantragen, wenn:

  • Du das gesetzliche Rentenalter erreicht hast (je nach Geburtsjahr zwischen 65 und 67 Jahren), oder
  • Du dauerhaft erwerbsgemindert bist (kannst dauerhaft nicht arbeiten), und
  • Deine Rente und sonstiges Einkommen nicht ausreichen, um deinen Lebensunterhalt zu decken

Welche Bedingungen gibt es?

Es wird geprüft:

  • Dein Einkommen: Dazu zählen Rente, Kindergeld, Unterhaltszahlungen, Betriebsrenten, Mini-Jobs usw.
  • Dein Vermögen: Alles, was Du angespart hast – z. B. auf dem Bankkonto, Lebensversicherungen, Schmuck. Es gibt Freibeträge, meist bis ca. 10.000 €.
  • Einkommen deines Ehepartners
  • Einkommen deiner Kinder: Nur, wenn sie mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr verdienen – das ist selten der Fall!

Wie bekommst Du die Grundsicherung?

Du musst die Leistung selbst beantragen – beim Sozialamt deiner Stadt oder Gemeinde. Dafür brauchst Du:

  • Deinen Rentenbescheid
  • Kontoauszüge
  • Mietvertrag
  • Nachweise über Ausgaben

Wichtig: Ohne Antrag bekommst Du keine Grundsicherung! Die Behörde prüft, ob Du bedürftig bist.

 

Was ist die Grundrente? – Zuschlag für langes Arbeiten mit kleinem Lohn

Die Grundrente ist etwas ganz anderes als Grundsicherung. Sie wurde erst 2021 eingeführt. Es geht nicht um Sozialhilfe, sondern um Anerkennung für Menschen, die lange gearbeitet haben, aber trotzdem im Alter nur eine kleine Rente bekommen.

Das Ziel:
Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben (oft in schlecht bezahlten Berufen), sollen im Alter mehr Rente bekommen – auch wenn sie wenig verdient haben.

Wer bekommt Grundrente?

Du bekommst Grundrente, wenn Du:

  • mindestens 33 Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt hast
    Dazu zählen:
    • Arbeit mit Pflichtbeiträgen
    • Kindererziehungszeiten
    • Pflege von Angehörigen
    • Zeiten mit Minijobs, wenn Beiträge gezahlt wurden
  • keine hohe zusätzliche Rente oder Einkommen hast

Ab 35 Jahren mit diesen sogenannten „Grundrentenzeiten“ bekommst Du den vollen Grundrentenzuschlag. Bei 33 oder 34 Jahren gibt es einen geringeren Betrag.

Wie hoch ist die Grundrente?

Die Höhe hängt davon ab, wie lange und wie viel Du gearbeitet hast.
Maximal bekommst Du etwa 400 Euro zusätzlich zur normalen Rente.

Wird geprüft, wie viel Du verdienst?

Ja. Es gibt eine Einkommensprüfung:

  • Als Alleinstehende/r darfst Du bis zu 1.250 € netto im Monat haben, ohne Kürzung
  • Als Ehepaar bis zu 1.950 € netto im Monat

Liegt dein Einkommen darüber, bekommst Du weniger oder keine Grundrente.

Aber wichtig:
Anders als bei der Grundsicherung wird kein Vermögen geprüft. Du darfst also auch Ersparnisse haben.

Muss man die Grundrente beantragen?

Nein!
Die Grundrente wird automatisch von der Deutschen Rentenversicherung geprüft. Du bekommst einen Bescheid, wenn Du Anspruch hast.

 

Vergleich: Grundrente und Grundsicherung im Alter im Überblick

MerkmalGrundrenteGrundsicherung im Alter
Einführung20212003
ZielRentner mit langer Arbeitszeit und kleiner Rente unterstützenExistenzminimum sichern
ZuständigDeutsche RentenversicherungSozialamt der Stadt oder Gemeinde
EinkommensprüfungJa, mit FreibeträgenJa, streng und umfassend
VermögensprüfungNeinJa, mit Freibetrag (ca. 10.000 €)
Kinder-Einkommen relevant?NeinNur über 100.000 € jährlich
Beantragung nötig?NeinJa
LeistungshöheBis ca. 400 € extraJe nach Bedarf – Mietkosten, Lebensunterhalt usw.
Recht auf beides?Ja, bei BedarfJa, wenn Grundrente nicht reicht

 

Kann man Grundrente und Grundsicherung gleichzeitig bekommen?

Ja, das geht. Die Grundrente zählt als Einkommen. Wenn Deine Gesamteinnahmen (inkl. Grundrente) trotzdem nicht zum Leben reichen, kannst Du zusätzlich Grundsicherung im Alter beantragen.

Beispiel:

  • Du bekommst 600 € normale Rente
  • Dazu 300 € Grundrente
  • Zusammen 900 €
  • Das Sozialamt berechnet, dass Du 1.150 € brauchst
    → Du bekommst 250 € Grundsicherung im Alter zusätzlich

So wird Dein Einkommen auf das Existenzminimum aufgestockt.

 

Tipps für Gehörlose und Menschen mit wenig Einkommen

  1. Lass Dich beraten: Gehörlosengerechte Beratung gibt es bei Sozialdiensten, Rentenversicherung oder Behindertenbeauftragten. Frag nach Dolmetscher!
  2. Sammle frühzeitig Unterlagen: Rentenbescheid, Kontoauszüge, Mietvertrag – alles bereithalten, damit keine Verzögerung entsteht.
  3. Schäme Dich nicht: Diese Leistungen sind ein Recht – keine Bettelei.
  4. Prüfe regelmäßig Deinen Bescheid: Manchmal ändern sich Einkommen oder Mieten. Dann kann sich auch Dein Anspruch ändern.
  5. Auch bei Minijobs möglich: Geringverdiener, die lange gearbeitet haben, können trotzdem Grundrente bekommen.

 

Fazit: Zwei Leistungen – ein gemeinsames Ziel: Würde im Alter

Die Grundrente und die Grundsicherung im Alter sind zwei verschiedene Möglichkeiten, um ältere Menschen mit wenig Einkommen zu unterstützen.

  • Die Grundrente belohnt Menschen, die lange gearbeitet haben – auch bei geringem Verdienst.
  • Die Grundsicherung schützt alle, die nicht genug Geld zum Leben haben – auch wenn sie wenig oder gar nicht gearbeitet haben.

Beides zusammen soll verhindern, dass ältere Menschen in Armut leben müssen – egal ob hörend oder gehörlos. Wer unsicher ist, sollte sich beraten lassen und seine Rechte nutzen. Denn jeder Mensch hat ein Recht auf ein würdiges Leben im Alter.

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