Home HörgeschädigtGebärdenspracheFünf wichtige Fakten zur Französischen Gebärdensprache

Fünf wichtige Fakten zur Französischen Gebärdensprache

by info@deaf24.com

Am 23. September wird jedes Jahr der Internationale Tag der Gebärdensprachen gefeiert. Er wurde 2017 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen und fällt in die Internationale Woche der Gehörlosen, die bereits seit den 1950er-Jahren begangen wird. Ziel dieser Veranstaltungen ist es, die Rechte gehörloser Menschen sichtbar zu machen und die Gesellschaft für die Bedeutung von Gebärdensprachen zu sensibilisieren.

In Frankreich steht dabei die Langue des Signes Française (LSF) im Mittelpunkt. Sie ist für viele gehörlose Menschen nicht nur Kommunikationsmittel, sondern auch Teil ihrer Identität und Kultur. Dennoch gibt es über die LSF viele Vorurteile und Missverständnisse. Dieser Beitrag klärt über fünf zentrale Fakten auf, die jeder über die Französische Gebärdensprache wissen sollte.

 

Es gibt nicht die eine Gebärdensprache, sondern viele

Ein weitverbreitetes Missverständnis lautet: Gebärdensprache sei international und überall gleich. Tatsächlich gibt es auf der Welt mehr als 300 verschiedene Gebärdensprachen, die jeweils ihre eigenen Strukturen und Besonderheiten haben.

Die LSF ist also nicht identisch mit der Deutschen Gebärdensprache (DGS), der American Sign Language (ASL) oder der Spanischen Gebärdensprache (LSE). Auch innerhalb eines Landes können regionale Unterschiede auftreten, ähnlich wie bei Dialekten.

Beispiel: Ein französischer Gehörloser, der LSF nutzt, versteht eine Person aus den USA, die ASL verwendet, meist nicht. Dennoch gibt es Ähnlichkeiten zwischen den Sprachen, vor allem wenn sie historisch verbunden sind. So hatte die LSF Einfluss auf die Entwicklung der ASL im 19. Jahrhundert.

Tipp: Wenn Sie mit Menschen aus anderen Ländern kommunizieren möchten, kann die sogenannte International Sign (IS) helfen. Diese vereinfachte Gebärdensprache wird bei internationalen Treffen genutzt, ist aber keine eigenständige Muttersprache.

 

Es heißt „Sprache der Gebärden“, nicht „Gebärden­sprache als Hilfsmittel“

Oft wird fälschlicherweise von „Gebärden­sprache als Hilfsmittel“ oder von „Gebärden­sprache wie ein Werkzeug“ gesprochen. Doch die LSF ist viel mehr: Sie ist eine vollwertige Sprache mit eigener Grammatik, Syntax und Vokabular.

Sie wird nicht wie ein „Gesten­system“ benutzt, sondern funktioniert genauso wie gesprochene Sprachen – nur visuell. Wer LSF lernen möchte, muss sich intensiv damit beschäftigen, denn auch die Grammatik unterscheidet sich stark vom Französischen oder Deutschen.

Beispiel: In der LSF spielt die Nutzung des Raumes eine zentrale Rolle. Mit Handbewegungen, Gesichtsausdruck und Körperhaltung werden Informationen über Zeit, Ort und Beziehungen vermittelt.

Tipp: Wer die LSF erlernen möchte, sollte sich auf einen längeren Lernprozess einstellen. Es ist nicht „nur ein bisschen Gestikulieren“, sondern eine neue Sprache mit komplexen Regeln.

 

Gebärdensprache ist nicht gleich Pantomime

Manche glauben, Gebärdensprache sei einfach „Mimen“ oder „Gestikulieren“. Das stimmt nicht. Zwar können einzelne Zeichen pantomimische Elemente enthalten – zum Beispiel wenn das Zeichen bildhaft eine Handlung beschreibt –, doch die LSF ist eine kodifizierte Sprache mit festgelegten Bedeutungen.

Ein Beispiel: Das Gebärdenzeichen für „Auto“ besteht nicht darin, ein imaginäres Lenkrad zu bewegen. Stattdessen gibt es ein spezifisches Handzeichen, das in der Community anerkannt ist.

Tipp: Wer mit gehörlosen Menschen kommuniziert, sollte Gesten oder pantomimische Bewegungen nicht mit Gebärdensprache verwechseln. Respektvoll ist es, sich wirklich mit der LSF auseinanderzusetzen.

 

Gehörlos bedeutet nicht „stumm“

Ein weiteres hartnäckiges Vorurteil: Gehörlose Menschen seien „taubstumm“. Dieser Begriff ist veraltet und diskriminierend. Gehörlose haben voll funktionsfähige Stimmbänder. Dass viele von ihnen nicht sprechen oder nur schwer verständlich sprechen, liegt daran, dass sie ohne Hörvermögen die Laute nicht kontrollieren können.

Viele Gehörlose entscheiden sich bewusst dafür, ihre Stimme nicht oder nur selten zu nutzen, weil Gebärdensprache für sie die natürlichste und klarste Ausdrucksform ist.

Tipp: Verwenden Sie bitte nicht den Ausdruck „taubstumm“. Sagen Sie „gehörlos“ oder „taub“, wenn Sie die Hörbehinderung beschreiben möchten. Das wird in der Community als respektvoll empfunden.

 

Die LSF ist offiziell anerkannt

Seit Februar 2005 ist die Französische Gebärdensprache gesetzlich als eigenständige Sprache anerkannt. Dies war ein wichtiger Meilenstein für die Rechte gehörloser Menschen in Frankreich.

Trotzdem bleibt der Zugang zu LSF-Angeboten eingeschränkt. Während in den letzten Jahren Kurse für „Babyzeichen“ an Popularität gewonnen haben, ist es für gehörlose Kinder oft schwierig, frühzeitig LSF-Unterricht zu erhalten. Dies liegt unter anderem an fehlenden Ressourcen, mangelnder Förderung in Schulen und einem langsamen politischen Fortschritt.

Es gibt jedoch positive Entwicklungen: Kulturelle Einrichtungen wie das MAMAC in Nizza oder das Picasso-Museum in Antibes bieten inzwischen spezielle Führungen in LSF an. Auch Theateraufführungen und öffentliche Veranstaltungen setzen vermehrt auf zweisprachige Angebote.

Tipp: Wenn Sie in Frankreich leben oder reisen, achten Sie auf Museen, Theater oder Vereine, die Programme in LSF anbieten. Das ist eine gute Möglichkeit, die Sprache zu erleben und die Kultur der Gehörlosen besser kennenzulernen.

 

Fazit

Die Französische Gebärdensprache ist eine faszinierende, eigenständige Sprache, die Millionen gehörloser Menschen in Frankreich und darüber hinaus verbindet. Sie ist weder eine universelle Sprache noch bloßes „Gestikulieren“. Wer sie erlernt, öffnet sich einer neuen Welt voller Ausdruckskraft, visueller Kreativität und kultureller Vielfalt.

Die Anerkennung der LSF seit 2005 war ein großer Schritt, doch es bleibt viel zu tun: mehr Zugang zu Bildung, mehr Angebote für gehörlose Kinder und mehr Sichtbarkeit in der Gesellschaft. Der Internationale Tag der Gebärdensprachen erinnert uns daran, dass Gleichberechtigung für Gehörlose nur möglich ist, wenn ihre Sprache in allen Lebensbereichen selbstverständlich genutzt wird.

Tipp zum Mitnehmen: Wenn Sie selbst Hörend sind, informieren Sie sich über die LSF oder eine andere Gebärdensprache. Schon wenige Grundkenntnisse können Barrieren abbauen und Begegnungen erleichtern. Für Gehörlose ist das ein Zeichen von Respekt und echter Inklusion.

Related Posts

Diese Site ist auf wpml.org als Entwicklungs-Site registriert. Wechseln Sie zu einer Produktionssite mit dem Schlüssel remove this banner.