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Frankreich: Große Not bei Dolmetschern für Gehörlose

by info@deaf24.com

In Frankreich wird in den Medien nicht oft über Gehörlose und Schwerhörige berichtet.
Viele Probleme, mit denen Gehörlose leben, bleiben unsichtbar.
Die Öffentlichkeit kennt diese Probleme oft nicht.

Aber in der französischen Region Sarthe, etwa 200 Kilometer südwestlich von Paris, gibt es einen aktiven Gehörlosenverein.
Dieser Verein heißt Association des Sourds de la Sarthe (ASS72).
Übersetzt bedeutet das: Gehörlosenverein Sarthe.

Der Verein hat zurzeit 66 Mitglieder.
Sie organisieren regelmäßig Veranstaltungen – etwa einmal im Monat.

Café-Treffen verbindet Gehörlose und Hörende

Einmal im Monat organisiert der Verein ein Café-Rencontre – auf Deutsch: ein Begegnungstreffen mit Kaffee.
Zu diesem Treffen kommen Gehörlose und hörende Menschen.

Bei dem Treffen ist eine Gebärdensprachdolmetscherin dabei.
Sie dolmetscht zwischen der Lautsprache und der Gebärdensprache.

Clément Chapillon, der Vorsitzende des Vereins, sagt:

„Dieses Treffen hat zwei Ziele:
Erstens – Gehörlose sollen nicht isoliert leben.
Zweitens – Hörende Menschen sollen uns Gehörlose sehen und mit uns in Kontakt kommen.
So entsteht eine Brücke zwischen Gehörlosen und Hörenden.“

Das bedeutet: Der Verein will soziale Ausgrenzung verhindern.
Gleichzeitig möchte er, dass Hörende mehr über Gehörlose lernen.
Nur durch gemeinsamen Austausch kann mehr Verständnis und Respekt entstehen.

Clément Chapillon: „Wir fühlen uns vergessen“

Der Vorsitzende Clément Chapillon macht auf ein wichtiges Problem aufmerksam:
In der Region Sarthe gibt es viel zu wenige Gebärdensprachdolmetscher.
Das ist ein großes Hindernis für die Gehörlosen.

Aber dieses Problem gibt es nicht nur in Sarthe, sondern in ganz Frankreich.

Clément sagt ganz klar:

„Es fehlt an Ausbildungen für neue Dolmetscher.
Außerdem gibt es nicht genug finanzielle Unterstützung vom Staat.
Deshalb haben wir zu wenig professionelle Dolmetscher.“

Viele Dolmetscher arbeiten freiberuflich.
Doch weil es nicht genug Ausbildungsplätze und keine gute Bezahlung gibt,
wollen immer weniger Menschen diesen Beruf lernen.

Clément sagt auch:

„Wir kämpfen für bessere Barrierefreiheit.
Und wir fordern, dass die Regierung das Gesetz vom 11. Februar 2005 einhält.“

Gesetz für Gleichheit – aber keine Umsetzung

In diesem französischen Gesetz steht:
Menschen mit Behinderungen sollen die gleichen Rechte und Chancen haben wie alle anderen.
Doch in Wirklichkeit gibt es viele Barrieren.
Zum Beispiel fehlt in vielen Bereichen ein Dolmetscher – in der Schule, bei der Arbeit, beim Arzt oder im Alltag.

Der Verein ASS72 kämpft dafür, dass sich diese Situation endlich verbessert.

Kostenlose Show zeigt Gehörlosenkultur

Um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, hat der Verein ein besonderes Event organisiert:
Ein Theaterstück, das gleichzeitig ein Vortrag ist – mit Gebärdensprache und Lautsprache.

Maison pour tous Jean Moulin – das ist ein Bürgerhaus in der Region Sarthe.

Was passiert auf der Bühne?

Zwei Personen treten gemeinsam auf:
– Eine gehörlose Person, die in der Gehörlosengemeinschaft in Frankreich sehr bekannt ist.
– Eine hörende Person, die in Lautsprache übersetzt.

Der Vorsitzende Clément erklärt:

„Das Stück ist zweisprachig – in Gebärdensprache und in französischer Lautsprache.
Es geht um die Geschichte der Gehörlosen in Frankreich,
um ihre Kultur,
um die vielen Probleme beim Thema Arbeitssuche,
und um viele andere wichtige Themen, die Gehörlose betreffen.“

Das Projekt wird vom Departementsrat (also einer politischen Stelle in der Region) finanziell unterstützt.

Nach der Show: Offene Diskussion für alle

Am Ende des Theaterstücks gibt es noch eine 30-minütige Diskussion.
Beide Schauspieler*innen sprechen mit dem Publikum über die Themen.
Gehörlose und Hörende können ihre Fragen stellen, diskutieren und sich austauschen.

Sarthe ist kein Einzelfall – ganz Frankreich leidet

Dieses Event zeigt, wie viel Potenzial es in der Gehörlosengemeinschaft gibt.
Es zeigt, dass Gehörlose eine eigene Kultur und eine eigene Geschichte haben.

Aber: Es zeigt auch, wie groß die Barrieren in Frankreich noch immer sind – vor allem wegen des Dolmetschermangels.
Der Verein ASS72 macht deutlich:
Gleichberechtigung funktioniert nur mit Barrierefreiheit – und dafür braucht es mehr ausgebildete Dolmetscher, mehr politische Unterstützung und mehr Sichtbarkeit.

Bildnachweis: Facebook-Konto der Sarthe Deaf Association

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