Für viele Gehörlose ist der Zugang zu einem passenden Gebärdensprachdolmetscher (GSD) von zentraler Bedeutung. In der Praxis entstehen jedoch häufig Probleme, die weniger an den Dolmetschern selbst liegen, sondern vielmehr an der Art und Weise, wie die Vermittlungen organisiert sind. Die GSD-Vermittlungen priorisieren in der Regel Dolmetscher mit Diplom und schließen andere Optionen oft aus. Diese Praxis hat verschiedene Folgen, die vor allem für die Gehörlosen nachteilig sind.
Die Probleme der Vermittlung: Warum sind Gehörlose oft unzufrieden?
- Eingeschränkte Wahlfreiheit: Viele Gehörlose würden gerne auch zertifizierte Kommunikationshilfen nutzen, die oft über viel Erfahrung in der Gehörlosengemeinschaft verfügen und kostengünstiger sind. Durch die einseitige Bevorzugung diplomierter Dolmetscher bleibt ihnen jedoch diese Wahlmöglichkeit verwehrt.
- Lange Wartezeiten: Durch die Fokussierung auf diplomierte Dolmetscher kommt es oft zu Engpässen, da nicht ausreichend Dolmetscher mit Diplom verfügbar sind. In vielen Regionen führt dies zu langen Wartezeiten, was besonders für dringende Termine problematisch ist.
- Hohe Kosten: Diplomierte Dolmetscher sind oft teurer als Kommunikationshilfen. Da Vermittlungen in der Regel nur diplomierte Dolmetscher empfehlen, steigen die Gesamtkosten für die Dolmetschleistungen. Das belastet das Budget der Kostenträger und schränkt die Anzahl der finanzierten Einsätze für Gehörlose ein.
- Fehlende Flexibilität: Viele Gehörlose benötigen Dolmetscher für unterschiedliche Situationen, z. B. für medizinische Termine, Behördengänge oder den Arbeitsalltag. Für einige dieser Situationen könnten Kommunikationshilfen ausreichend sein. Die Vermittlungen sind jedoch selten flexibel genug, um auf solche individuellen Bedürfnisse einzugehen.
Verantwortung der Vermittlungen: Keine Mängel der Dolmetscher, sondern der Organisation
Die beschriebenen Probleme sind kein Zeichen mangelnder Kompetenz der diplomierten Dolmetscher. Viele von ihnen leisten hervorragende Arbeit und sind gut ausgebildet. Die eigentlichen Mängel liegen in der Struktur der Vermittlungen, die starr und wenig auf die Bedürfnisse der Gehörlosen ausgerichtet sind. Die Vermittlungen könnten mehr Alternativen anbieten und die Ressourcen besser verteilen, um Wartezeiten zu verkürzen und die Kosten zu senken.
Fazit: Gehörlose fordern Veränderungen bei der Vermittlung
Gehörlose möchten eine flexiblere Vermittlung, die ihnen ermöglicht, die für ihre Bedürfnisse am besten geeignete Unterstützung zu wählen – sei es durch einen diplomierten Dolmetscher oder eine zertifizierte Kommunikationshilfe. Die aktuellen Vermittlungsstrukturen müssen überdacht werden, damit Gehörlose nicht unnötig eingeschränkt oder benachteiligt werden. Ein gerechteres und flexibleres Vermittlungssystem würde die Lebensqualität vieler Gehörloser verbessern und ihre Wahlfreiheit respektieren.

