Am 23. Dezember 2025 veröffentlichte der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) auf Instagram seinen Weihnachtsgruß 2025. Der Beitrag richtet sich an Mitglieder und an die gesamte Gehörlosengemeinschaft. Das Präsidium blickt darin auf sein erstes Jahr zurück, bedankt sich für Engagement und Solidarität und formuliert Ziele für das kommende Jahr.
Deaf24 nimmt diesen Beitrag zum Anlass, den Inhalt journalistisch einzuordnen, kritisch zu bewerten und in Beziehung zur Lebensrealität vieler gehörloser Menschen zu setzen. Ziel dieser Gegenstellungnahme ist keine Abwertung, sondern eine sachliche Analyse: Was wird gesagt, was bleibt offen – und wie wird dies von Teilen der Community wahrgenommen?
Grundlage dieser Einordnung
Die vorliegende Textfassung basiert auf einer sinngemäßen Übersetzung eines Gebärdensprachvideos in Schriftsprache. Es handelt sich nicht um eine offizielle schriftliche Veröffentlichung des DGB, sondern um eine journalistische Aufbereitung durch Deaf24, um eine inhaltliche Auseinandersetzung zu ermöglichen.
Diese Klarstellung ist wichtig, da sie den Fokus bewusst auf den Inhalt und nicht auf die Form der Übersetzung legt.
Rückblick des Präsidiums: Aktivität ohne konkrete Ergebnisse
Der DGB beschreibt das Jahr 2025 als intensiv und herausfordernd. Genannt werden unter anderem:
- die Aufarbeitung der Kulturtage,
- eine Neuorganisation der Geschäftsstelle,
- Zusammenarbeit mit internationalen Verbänden und Ministerien,
- regelmäßige Videobeiträge und Wochenrückblicke.
Diese Punkte zeigen, dass innerhalb des Verbandes viel Arbeit stattgefunden hat. Aus Sicht vieler Gehörloser stellt sich jedoch eine zentrale Frage:
Welche konkreten Verbesserungen sind daraus im Alltag entstanden?
Kaum haben die Gehörlosen im Jahr 2025 tatsächlich spürbare Änderungen wahrgenommen. Im Weihnachtsgruß werden keine messbaren Ergebnisse genannt. Es bleibt offen:
- welche politischen Entscheidungen beeinflusst wurden,
- welche Rechte konkret gestärkt wurden,
- welche Barrieren tatsächlich abgebaut wurden.
Für viele Betroffene ist diese fehlende Konkretisierung problematisch, da sich ihre alltäglichen Schwierigkeiten weiterhin kaum verändert haben. haben.
Kritik an der Aufarbeitung der Kulturtage: Warum dauert es so lange?
Im Weihnachtsgruß erwähnt der DGB die Aufarbeitung der Kulturtage als Teil seiner Arbeit. Viele Gehörlose fragen sich jedoch:
Warum zieht sich diese Aufarbeitung bereits seit fast einem Jahr hin, ohne dass abschließende Ergebnisse öffentlich gemacht wurden?
Das Thema wurde von Seiten des Verbands lange kaum oder gar nicht transparent kommuniziert. Für viele Betroffene wirkt es so, als ob wichtige Informationen bewusst verschwiegen oder zurückgehalten werden.
Gerade die Kulturtage sind ein bedeutendes Ereignis mit vielen offenen Fragen und Konflikten. Eine schnelle, offene und transparente Aufarbeitung wäre notwendig gewesen, um Vertrauen zu erhalten und die Gemeinschaft zu stärken.
Dass die Bearbeitung sich so lange hinzieht und der Informationsfluss minimal ist, sorgt bei vielen Gehörlosen für Unmut und Zweifel an der Effektivität der Verbandsarbeit.
Eine klare und verständliche Information über den Stand der Aufarbeitung fehlt bis heute – und genau diese Transparenz wünschen sich viele aus der Community auch generell in der Verbandsarbeit.
Alltag vieler Gehörloser: Eine andere Realität
Während der Weihnachtsgruß Fortschritt und Zusammenhalt betont, berichten viele Gehörlose weiterhin von:
- langen Wartezeiten auf Gebärdensprachdolmetscher,
- fehlender Wahlfreiheit bei Kommunikationshilfen,
- unzureichender Barrierefreiheit in Behörden,
- Überforderung durch zusätzliche Termine und Vermittlungsstellen.
Diese Themen werden im Beitrag nicht angesprochen. Dadurch entsteht eine Diskrepanz zwischen Verbandsdarstellung und Alltagserfahrung, die von vielen als belastend empfunden wird.
Transparenz: Mehr als Sichtbarkeit
Der DGB hebt hervor, transparenter geworden zu sein. Transparenz wird dabei vor allem mit regelmäßigen Videobeiträgen und Rückblicken verbunden. Aus Sicht von Deaf24 geht Transparenz jedoch weiter. Sie bedeutet auch:
- den offenen Umgang mit Kritik,
- die Benennung von Problemen,
- den Dialog mit unzufriedenen Mitgliedern und unabhängigen Medien.
Viele Gehörlose haben den Eindruck, dass kritische Stimmen bislang nur begrenzt einbezogen werden. Solange zentrale Konfliktthemen öffentlich kaum aufgegriffen werden, bleibt der Transparenzbegriff unvollständig.
Rechte und politische Teilhabe: Anspruch und Umsetzung
Der Weihnachtsgruß stellt klar, dass Rechte gehörloser Menschen, Sprachrechte, Barrierefreiheit und politische Teilhabe im Mittelpunkt der Verbandsarbeit stehen. Diese Zielsetzungen sind unbestritten richtig und wichtig.
Gleichzeitig bleibt offen, wie sich diese Ziele konkret niederschlagen. Politische Teilhabe scheitert für viele Gehörlose weiterhin an praktischen Hürden – etwa dann, wenn Dolmetscher fehlen oder Termine nicht barrierefrei organisiert werden.
Zwischen Anspruch und Umsetzung besteht aus Sicht vieler Betroffener weiterhin eine spürbare Lücke.
„Marginalisierte Gruppen einbeziehen“ – offene Fragen
Der DGB kündigt an, marginalisierte Gruppen stärker einbeziehen und schützen zu wollen. Diese Aussage ist bedeutsam, wirft jedoch Fragen auf:
- Wer gilt als marginalisiert innerhalb der Gehörlosengemeinschaft?
- Werden sozial benachteiligte Gehörlose ausreichend erreicht?
- Finden Menschen mit geringer Bildung oder eingeschränkter Schriftsprachkompetenz Gehör?
- Haben kritische Stimmen und unabhängige Medien Platz im Diskurs?
Ohne konkrete Maßnahmen bleibt diese Ankündigung symbolisch.
Fazit: Gute Worte, begrenzte Wirkung
Der Weihnachtsgruß 2025 des Deutschen Gehörlosen-Bundes ist freundlich formuliert und zeigt den Anspruch, etwas zu bewegen. Gleichzeitig bleibt er vage, stark selbstbezogen und wenig konkret. Zentrale Alltagsprobleme vieler Gehörloser werden nicht benannt.
Für viele in der Community reicht das nicht aus. Sie wünschen sich:
- klare Ergebnisse statt allgemeiner Aussagen,
- echte Beteiligung statt symbolischer Nähe,
- offene Auseinandersetzung statt Ausblendung von Kritik.
Ausblick: Kritische Berichterstattung bleibt notwendig
Auch Deaf24 wird im neuen Jahr weiterhin über den Deutschen Gehörlosen-Bund berichten. Diese Berichterstattung wird kritisch, unabhängig und konsequent bleiben. Denn Journalismus hat die Aufgabe, Machtstrukturen zu hinterfragen, Aussagen einzuordnen und sie an der Realität der Betroffenen zu messen.
Solange zwischen den Worten von Verbänden und den Erfahrungen vieler Gehörloser eine Lücke besteht, sieht Deaf24 eine klare Verantwortung, diese sichtbar zu machen. Kritik ist dabei kein Angriff, sondern ein notwendiger Bestandteil demokratischer Verbandsarbeit.
Deaf24 versteht sich weiterhin als Stimme vieler Gehörloser, die sich nicht ausreichend gehört fühlen. Auch im kommenden Jahr wird Deaf24 genau hinschauen, nachfragen und Missstände benennen – sachlich, schonungslos und im Interesse der Gehörlosengemeinschaft.

