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Arztbrief verletzt Gehörloser – Diskriminierung oder Missverständnis?

by info@deaf24.com

Ein gehörloser Sohn betreut seine Mutter, die an Thrombose leidet. Als sie nach einem Krankenhausaufenthalt in der MVZ Missioklinik Würzburg entlassen wurde, erhielt er einen Arztbrief.
Beim Durchlesen fiel ihm ein Satz besonders auf: „…er ist taub (liest Lippen kann sich undeutlich verständigen.)“

Der Gehörlose war schockiert und verletzt. Er fragt sich: Warum schreibt der Arzt das?

Worum geht es in einem Arztbrief?

Ein Arztbrief sollte wichtige Informationen über den Gesundheitszustand der Patientin enthalten, z. B.:

  • Diagnosen
  • Behandlung
  • Medikamenteneinnahme
  • Empfehlungen für die weitere Versorgung

Aber hier wurde etwas anderes beschrieben – nicht die Gesundheit der Mutter, sondern die Hörbehinderung des Sohnes. Warum?

Falsches Bild über Gehörlose

Der gehörlose Sohn lebt in zwei Welten:

  • In der Gehörlosenwelt benutzt er Gebärdensprache.
  • In der hörenden Welt kommuniziert er gut – er hat sogar zwei Jahre Sprachtherapie gemacht. Viele Hörende merken nicht einmal, dass er gehörlos ist.

Trotzdem schrieb der Arzt, er könne sich „undeutlich verständigen“. Das ist für den Gehörlosen unverständlich. Soll damit gesagt werden, dass er schuld ist, wenn die Mutter nicht richtig behandelt wurde?

Zusätzlich schrieb die Ärztin, dass er telefonisch nicht erreichbar war. Dabei hatte der Gehörlose ausdrücklich darum gebeten, stattdessen per SMS zu kommunizieren. Diese Bitte wurde ignoriert.


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Ist das Diskriminierung?

Der Satz im Arztbrief stellt die Kommunikationsfähigkeit des Gehörlosen in den Mittelpunkt – aber warum? Sollte das nicht in einem Arztgespräch geklärt werden?

Mögliche Probleme:

  1. Abwertung: Es wird so dargestellt, als ob der Gehörlose nicht richtig kommunizieren kann.
  2. Schuldzuweisung: Bedeutet das, dass Missverständnisse wegen ihm entstanden sind?
  3. Unnötige Erwähnung: Die Hörfähigkeit des Sohnes hat nichts mit der Krankheit der Mutter zu tun.

Verstoß gegen Gesetze?

Es gibt klare Gesetze zum Schutz von Menschen mit Behinderungen:

  • UN-Behindertenrechtskonvention: Alle Menschen sollen gleich behandelt werden.
  • Gleichbehandlungsgesetz (AGG): Niemand darf wegen einer Behinderung benachteiligt werden.
  • Europäisches Recht: Die EU fordert gleiche Rechte für Menschen mit Behinderungen.

Ein Arzt sollte neutral und professionell dokumentieren. Die Hörbehinderung des Sohnes hat nichts mit der Behandlung der Mutter zu tun.

Wie kommunizieren Ärzte und Pfleger mit Demenzkranken oder älteren Menschen, die – wie Gehörlose – langsam und deutlich sprechen?

Viele Demenzkranke oder ältere Menschen mit Hörverlust haben Schwierigkeiten, Sprache schnell zu verstehen. Ärzte und Pflegekräfte nehmen sich oft Zeit, sprechen langsam und deutlich, um sicherzustellen, dass sie verstanden werden. Genauso brauchen Gehörlose eine angepasste Kommunikation – sei es durch Gebärdensprache, schriftliche Kommunikation oder andere Hilfsmittel. Warum wird dies bei Gehörlosen nicht selbstverständlich berücksichtigt?

Fazit: Wie sollte damit umgegangen werden?

  1. Arzt auf den Fehler hinweisen: Der Sohn kann eine Klarstellung fordern.
  2. Beschwerde bei der Klinik oder Ärztekammer einreichen: Falls sich der Arzt nicht einsichtig zeigt.
  3. Aufklärung über Gehörlosigkeit: Viele Ärzte haben keine Erfahrung mit Gehörlosen. Hier braucht es Schulungen.

Deaf24 fragt: War das nur ein Missverständnis oder ein klarer Fall von Diskriminierung?

Bild von Tung Nguyen auf Pixabay

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