Viele gehörlose Menschen fragen sich: Hat die AfD schlechte Auswirkungen auf uns? Diese Frage kommt nicht von ungefähr. In den sozialen Medien sehen immer mehr gehörlose Nutzer Werbung für einen Beitritt zur AfD oder Aussagen, die suggerieren, dass die AfD viele Anliegen der Gehörlosen unterstützt. Doch stimmt das wirklich? Oder geht es eher um Wahlkampf und politische Strategie?
In diesem Text erklären wir klar, verständlich und vollständig, wie die AfD auf die Situation von gehörlosen Menschen wirkt – welche Aussagen es gibt, was wichtig ist zu wissen und wie seriöse Stimmen dazu stehen.
AfD und Gehörlose – Was ist offiziell bekannt?
Die AfD hat kein umfangreiches Parteiprogramm speziell für Gehörlose oder Menschen mit Behinderungen veröffentlicht. Es gibt keine klaren, detaillierten Aussagen mit systematischen Plänen zur Barrierefreiheit, Gebärdensprachförderung oder verbesserter sozialer Teilhabe, die im Zentrum der Parteipolitik stehen.
Das bedeutet: Es gibt kein offizielles AfD‑Konzept, das Inklusion für Gehörlose konsequent vorantreibt.
Die AfD hat jedoch in einigen Regionen punktuelle Forderungen eingebracht. In Bayern forderte die AfD‑Landtagsfraktion beispielsweise die Einführung eines „Gehörlosengeldes“, um die Teilhabe von hörbehinderten Menschen zu verbessern. Diese Forderung wurde als sozialpolitische Maßnahme vorgestellt. (AfD Landtag Bayern)
AfD‑Vertreter sagen auch, sie hätten Positionen für gehörlose Sportler oder bessere finanzielle Unterstützung in bestimmten Bundesländern entwickelt. (abgeordnetenwatch.de)
Diese Aktivitäten sind aber Einzelfälle und keine klare Gesamtstrategie. Sie stehen nicht im Zentrum eines größeren inklusiven Plans.
Social Media: Werbung für AfD + Debatte in der Gehörlosen‑Community
In sozialen Netzwerken wie Instagram oder TikTok sehen einige gehörlose Menschen Werbung oder Postings, die von AfD‑Beitritt und angeblicher Unterstützung für die Gehörlosen sprechen.
Es ist wichtig zu unterscheiden:
- Offizielle Parteiaussagen: Teilweise existieren vereinzelte Pressemitteilungen oder Initiativen für finanzielle Unterstützung.
- Social Media‑Posts: Diese werden oft nicht von der offiziellen Partei‑Führung, sondern von Pfeilern oder einzelnen AfD‑Anhänger*innen erstellt.
Einige gehörlose AfD‑Mitglieder berichten in Social Media, sie würden von Gebärdensprachdolmetschern abgelehnt, wenn es um AfD‑Veranstaltungen geht. Dies wird in den Netzwerken oft als „Diskriminierung“ dargestellt. Allerdings zeigen seriöse Einordnungen, dass eine Absage einzelner Dolmetscher kein Beweis für systematische Ausgrenzung ist. Fachleute betonen:
- Dolmetscher*innen dürfen aus Gewissensgründen Angebote ablehnen.
- Es ist nicht automatisch ein Zeichen politischer Unterdrückung.
- Die Verantwortung liegt beim Veranstalter, für barrierefreie Kommunikation zu sorgen. (Deaf24 News Magazin Travel)
In vielen Posts werden komplexe Themen stark vereinfacht und emotionalisiert, was den Eindruck verstärken kann, dass die AfD „besonders große Unterstützung“ für Gehörlose bietet – unabhängig davon, wie die Realität wirklich aussieht.
Ist die Unterstützungs‑Werbung echt oder Wahlkampf?
Viele Experten und Organisationen, die sich für Inklusion einsetzen, bewerten diese Social‑Media‑Werbung kritisch:
Ja, AfD‑Vertreter haben punktuelle sozialpolitische Vorschläge gemacht.
Nein, das ist kein klarer, dauerhafter Plan für echte Inklusion.
Nein, viele gehörlose Interessenvertretungen sehen in der AfD keine konsequente inklusive Politik.
Verbände wie die Bundesvereinigung Lebenshilfe warnen davor, dass die AfD oft Positionen vertritt, die eine inklusive Gesellschaft ablehnen und dass eine Zusammenarbeit mit dieser Partei Angst und Unsicherheit bei Menschen mit Behinderung erzeugt. (Lebenshilfe)
Zudem kritisieren andere Sozialverbände wiederholt behinderten‑ und menschenfeindliche Aussagen aus der AfD, etwa das Herabwürdigen barrierefreier Medienangebote, die auch behinderte Menschen nutzen. (Sozialverband Deutschland)
Diese Kritik zeigt: Das Bild ist nicht eindeutig positiv. Punktuelle Werbung in Social Media kann stark wahlkampforientiert sein, ohne dass sie langfristige inklusive Folgen hat.
Wie bewerten Organisationen die AfD?
Viele gehörlose Selbstvertretungsgruppen und Sozialverbände lehnen die AfD‑Positionen klar ab und warnen vor einer engen Verbindung. Sie sehen insbesondere in AfD‑nahen Gruppen wie der „Alternative für Hörgeschädigte“ ein Risiko für die Inklusion und Demokratie, weil dort rechtsextreme Narrative verbreitet werden könnten. (SPD Berlin)
Fazit: Realität vs. Social Media‑Narrativ
Die AfD hat keine klare, langfristige Inklusionsstrategie für Gehörlose.
Einzelne Forderungen wie ein Gehörlosengeld sagen nichts über ein umfassendes Konzept aus.
Werbung in sozialen Netzwerken kann überhöht oder strategisch sein – oft mehr Wahlkampf als echte politische Lösung.
Viele wichtige Gehörlosen‑Organisationen und Sozialverbände sehen die AfD kritisch oder lehnen sie ab.
Schlussgedanke
Die Entscheidung, welcher Partei man vertraut, ist individuell. Wichtig ist: Informationen vergleichen, nicht nur Social Media‑Posts glauben, sondern auch seriöse Quellen und echte politische Programme ansehen. Nur so kann die Gehörlosen‑Community eine fundierte Meinung entwickeln – frei, selbstbestimmt und gut informiert.

