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Todesurteil für gehörlosen Mann nach Familienbrand

by info@deaf24.com

Ein gehörloser Mann wurde in Malaysia wegen eines tödlichen Brandanschlags auf eine Familie in Tanjung Sepat zum Tode verurteilt. Der Fall zeigt nicht nur ein schreckliches Verbrechen, sondern wirft auch wichtige Fragen zum Umgang der Justiz mit Menschen mit Behinderung auf – besonders wenn die Todesstrafe verhängt wird.

 

Was ist passiert?

Am frühen Morgen des 13. Dezember 2017 brach in einem Haus in Tanjung Sepat, Malaysia, ein Feuer aus. Vier Menschen starben dabei: Ein älteres Ehepaar und zwei Kinder. Die Polizei stellte fest, dass das Feuer nicht zufällig war, sondern gelegt wurde. Der Tatverdächtige war Kang Chang Heng, 46 Jahre alt, gehörlos und sprachbehindert.

Laut Ermittlungen hatte Kang zuvor die Familie angegriffen und die Opfer verletzt, bevor er das Haus anzündete. Die Opfer waren das Ehepaar Chia Tee Nang (73) und Lim Mai Shak (68), Eltern von Kangs damaliger Freundin, sowie deren Enkelkinder Ryan (9) und Yuan Bin (3).

 

Gerichtsverfahren über mehrere Jahre

Der Prozess begann 2018, nachdem Kang verhaftet wurde. Zuerst wurde er freigesprochen, weil nicht genug Beweise vorlagen. Doch im Berufungsgericht wurde dieser Freispruch aufgehoben. Das Gericht befand, es gebe genügend Beweise für einen Hauptprozess.

Zwischen 2019 und 2025 hörten Richterinnen und Anwälte viele Zeuginnen. Wegen der Corona-Pandemie verzögerte sich das Verfahren mehrmals. Schließlich entschied das Gericht am 24. November 2025, dass Kang die Tat begangen hat.

Er wurde zum Tode verurteilt und zusätzlich zu neun Jahren Gefängnis wegen schwerer Körperverletzung an einem damals zwölfjährigen Jungen, der die Tat überlebte.

 

Besondere Herausforderungen im Prozess

Da Kang gehörlos und sprachbehindert ist, wurde während des gesamten Prozesses ein gerichtlich bestellter Gebärdensprachdolmetscher eingesetzt. Das war wichtig, damit Kang alles verstehen und sich äußern konnte.

Kang erklärte über den Dolmetscher, dass dies seine erste Straftat gewesen sei. Er bat um ein milderes Urteil, da er sich auch um seine kranken Eltern gekümmert habe. Seine Anwältin nannte den Fall schwierig, vor allem wegen der Kommunikationsprobleme.

Die Staatsanwaltschaft forderte hingegen die Todesstrafe und bezeichnete die Tat als eine der brutalsten in den letzten Jahren.

 

Reaktionen der Hinterbliebenen

Der Vater der beiden Kinder, der ebenfalls gehörlos ist, brachte seine Trauer mit Hilfe eines Dolmetschers zum Ausdruck. Er beschrieb die Zeit nach dem Vorfall als einen „nicht endenden Alptraum“.

Der überlebende Sohn Andrew leidet bis heute an psychischen Folgen und konnte deshalb nicht zur Urteilsverkündung kommen.

 

Gesellschaftliche Bedeutung und Kritik

Der Fall hat in Malaysia viel Aufmerksamkeit bekommen. Viele Menschen sind betroffen, weil hier ein gehörloser Mann zum Tode verurteilt wurde. Menschenrechtsgruppen kritisieren generell die Todesstrafe, weil sie keine Chance auf Wiedergutmachung oder Rehabilitation lässt.

Gleichzeitig warnen Gehörlosenorganisationen davor, dass der Fall nicht zu einer Stigmatisierung von Menschen mit Hörbehinderung führen darf. Gehörlose können genauso wie andere Menschen Verantwortung übernehmen, sie sollten aber nicht wegen ihrer Behinderung als gefährlich gesehen werden.

Der frühere Polizeichef von Selangor vermutet als Motiv einen Streit um Geld. Die genauen Hintergründe bleiben aber unklar.

 

Fazit: Gerechtigkeit und Verantwortung – ein schwieriger Balanceakt

Das Todesurteil gegen Kang Chang Heng beendet einen langen Prozess, der viele Fragen aufwirft. Für die Angehörigen ist es ein Abschluss, aber der Schmerz bleibt.

Für die Gesellschaft zeigt der Fall: Auch Menschen mit Behinderung können schwere Straftaten begehen. Gleichzeitig muss die Justiz sicherstellen, dass solche Verfahren fair ablaufen. Dazu gehören verständliche Kommunikation und besondere Unterstützung.

Dieser Fall erinnert daran, wie wichtig Sensibilität und Gerechtigkeit im Umgang mit Menschen mit Behinderung sind – gerade wenn es um so schwere Urteile wie die Todesstrafe geht.

 

Tipps für Betroffene und Unterstützer*innen

  • Kommunikation sicherstellen: Menschen mit Hörbehinderung brauchen oft Gebärdensprachdolmetscher im Gericht. Dies ist wichtig für faire Prozesse.
  • Rechte kennen: Betroffene sollten ihre Rechte und Möglichkeiten kennen, z. B. das Recht auf Dolmetscher und barrierefreie Informationen.
  • Emotionale Unterstützung suchen: Gerichtliche Verfahren sind belastend. Unterstützung durch Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen kann helfen.
  • Gesellschaft sensibilisieren: Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung helfen, Vorurteile abzubauen und die Rechte von Menschen mit Behinderung zu stärken.

Bild: NSTP

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