Home HörgeschädigtPolitikTaube Frauen auf der Wiesn: Barrierefreie Hilfe fehlt – DGB e.V und LvByGl in der Kritik

Taube Frauen auf der Wiesn: Barrierefreie Hilfe fehlt – DGB e.V und LvByGl in der Kritik

by info@deaf24.com

Jedes Jahr strömen Millionen Menschen nach München, um das Oktoberfest zu feiern. Die Wiesn ist ein Ort für Spaß, Bier und bayerische Tradition. Doch leider gibt es auch eine dunkle Seite: Viele Frauen und Mädchen werden belästigt, bedroht oder Opfer sexualisierter Gewalt. Um Schutz und Hilfe zu bieten, gibt es seit 2003 den sogenannten Safe Space auf der Theresienwiese.

Doch für taube Frauen bleibt die Hilfe unzureichend. Es gibt nur einen Telefonkontakt, keine E-Mail, keinen Messenger, keinen WhatsApp-Service. Hier stellt sich die Frage: Warum unterstützen Deutscher Gehörlosenbund e.V. (DGB) und Landesverband Bayern der Gehörlosen (LvByGl) diese Initiative nicht barrierefrei?

 

Was ist der Safe Space?

Der Safe Space ist eine sichere Anlaufstelle für Frauen und Mädchen, die Hilfe suchen. Das Angebot reicht von Unterstützung nach Belästigungen oder Übergriffen über Begleitung bei verlorenen Gruppen bis hin zu Beratung, wenn Frauen sich unsicher, bedroht oder zu betrunken fühlen.

Ort und Erreichbarkeit:

  • Servicezentrum hinter dem Schottenhamelzelt (Eingang „Erste Hilfe“)
  • Öffnungszeiten: täglich 18–1 Uhr; Fr/Sa/So und 2./3. Oktober zusätzlich ab 15:30 Uhr
  • Telefon: 089 / 890 57 45 188
  • Kostenlos und anonym

Die Nutzung ist in den letzten Jahren stark gestiegen: von 28 Frauen im ersten Jahr auf heute mehrere Hundert pro Jahr. Besonders an den Wochenenden ist die Nachfrage hoch. 2022 besuchten an einem Spitzentag 68 Frauen die Anlaufstelle.

 

Ursprung des Safe Space

Der Safe Space entstand nach schweren sexualisierten Übergriffen im Jahr 2002, darunter eine Vergewaltigung durch fünf Männer. Die Gründerinnen der Aktion „Sichere Wiesn“ sagten damals: „Es muss etwas passieren.“ Seitdem setzt sich der Safe Space für Schutz und Unterstützung von Frauen auf dem Oktoberfest ein.

 

Barrierefreiheit für taube Frauen: Fehlanzeige

Für taube Frauen ist die Situation besonders kritisch. Telefonische Hilfe allein reicht nicht, da viele taube Menschen nicht oder nur eingeschränkt telefonieren können. Moderne, textbasierte Kommunikationswege wie E-Mail, WhatsApp, Messenger oder Social Media wären notwendig, um tauben Frauen sofortige Hilfe zu ermöglichen.

Derzeit bietet der Safe Space diese barrierefreien Kommunikationsformen nicht an. Deutscher Gehörlosenbund e.V. (DGB und Landesverband Bayern der Gehörlosen (LvByGl) haben bisher versäumt, hier aktiv zu werden. Gerade in München, wo viele Gehörlose leben, wäre eine schriftbasierte, digitale Kontaktmöglichkeit dringend erforderlich.

 

Zusammenarbeit mit Polizei und Sicherheit

Der Safe Space arbeitet eng mit der Polizei zusammen, besonders wegen zunehmender K.O.-Tropfen-Fälle. Frauen, die Opfer solcher Angriffe werden oder sich bedroht fühlen, können im Safe Space schnelle und professionelle Hilfe erhalten. Dazu gehören psychologische Unterstützung und Begleitung zu offiziellen Stellen.

 

Zahlen und Fakten

  • 2003: 28 Frauen nutzten den Safe Space
  • Heute: mehrere Hundert pro Jahr
  • Spitzentag 2022: 68 Frauen
  • Zunehmende Fälle von K.O.-Tropfen und sexualisierter Gewalt

Diese Zahlen zeigen den dringenden Bedarf, gleichzeitig wird klar, dass die Kommunikation für taube Frauen unzureichend ist.

 

Tipps für mehr Sicherheit auf der Wiesn

  1. Gruppe nicht aus den Augen verlieren: Treffpunkte vereinbaren und aufeinander achten.
  2. Notfallplan: Telefonnummern des Safe Space und Freundinnen griffbereit halten.
  3. Barrierefreie Kommunikation fordern: Taube Frauen sollten schriftlich Hilfe bekommen, z. B. via Chat oder Messenger.
  4. Getränke im Blick behalten: Nie unbeaufsichtigt lassen.
  5. Frühzeitig Hilfe suchen, wenn man sich unsicher fühlt.

 

Fazit

Der Safe Space auf dem Oktoberfest ist ein wichtiger Schutzort, der seit 2003 existiert und jährlich Hunderten Frauen hilft. Doch taube Frauen bleiben außen vor, weil es keine barrierefreie Hilfe gibt. DGB und Landesverband Bayern der Gehörlosen haben bisher versagt, indem sie keine schriftbasierten Kontaktmöglichkeiten anbieten.

Für die Zukunft ist es dringend nötig, dass der Safe Space auch per WhatsApp, Messenger, E-Mail oder Social Media erreichbar ist. Nur so können alle Frauen, unabhängig von ihrer Hörfähigkeit, schnell und sicher Unterstützung bekommen – und das Oktoberfest wirklich für alle ein sicherer Ort sein.

Bild von Alexander Fox | PlaNet Fox auf Pixabay

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