Home HörgeschädigtPolitikMissbrauch des JVEG außerhalb von Gerichten?

Missbrauch des JVEG außerhalb von Gerichten?

by info@deaf24.com

Gebärdensprachdolmetschende (GSD) sind sehr wichtig für Gehörlose. Sie helfen bei Gerichten, Behörden, Polizei und Notdiensten. Trotzdem gibt es Kritik: Manche finden, dass die Kosten zu hoch sind. Andere sagen, die Qualität der Übersetzungen stimmt nicht immer. Auch die Einsatzbereitschaft ist oft ein Problem. Die Diskussion zeigt, dass rechtliche Regeln, Erwartungen und die Realität nicht immer zusammenpassen.

 

JVEG gilt nur für Gerichte

Das JVEG (Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz) regelt, wie Dolmetschende bei Gerichten bezahlt werden. Außerhalb von Gerichten – zum Beispiel bei Polizei, Behörden oder privaten Aufträgen – gelten diese festen Sätze nicht. Dort müssen Preise frei vereinbart werden.

Auch Fremdsprachdolmetschende setzen oft eigene Preise. Je nach Sprache verlangen sie manchmal ab 60 Euro pro Stunde. Das zeigt: freie Preise sind normal, nicht nur bei Gebärdensprachdolmetschenden.

Wenn Gerichte feste Tarife haben, ist das klar geregelt. Bei Polizei oder Behörden müssen Dolmetschende oft selbst entscheiden, ob sie Aufträge annehmen, wenn die Bezahlung zu niedrig ist. Die Community sieht das manchmal als Blockade.

 

Kosten im Vergleich

Viele Gehörlose finden die Preise für Dolmetschende zu hoch. Zum Vergleich: Viele Selbstständige verdienen weniger, zahlen aber Steuern, Sozialversicherung und Fahrtkosten.

Problematisch wird es, wenn Dolmetschende Aufträge ablehnen, weil sie zu wenig verdienen. Gerade bei Polizei oder Behörden ist das für Gehörlose sehr schwierig. Die Community sagt: Manche Dolmetschende setzen Geldinteresse über die Bedürfnisse der Gehörlosen.

 

Qualität der Übersetzungen

Gebärdensprache zu können reicht nicht aus. Dolmetschende müssen inhaltlich richtig übersetzen.

Die Probleme sind:

  • Es gibt keine verbindliche Kontrolle für Dolmetschende außerhalb von Gerichten.
  • Fehler oder unklare Übersetzungen führen zu Missverständnissen.
  • Manche Dolmetschende konzentrieren sich nur auf die Technik der Gebärden, nicht auf den Inhalt.

Die Deaf-Community will, dass Qualität messbar und kontrollierbar wird. Es reicht nicht nur, die Gebärden zu kennen.

 

Transparenz und Einsatzbereitschaft

Manche Dolmetschende nehmen keine Aufträge an, wenn die Bezahlung niedrig ist. Das kann Gehörlose benachteiligen. Es sieht so aus, als wären wirtschaftliche Interessen wichtiger als die Verantwortung gegenüber der Community.

Außerdem fehlt oft klare Kommunikation: Dolmetschende sagen, dass sie qualifiziert sind, liefern aber nicht immer die erwartete Qualität. Gehörlose wünschen sich:

  • Transparente Preise
  • Klare Angaben zu Qualifikation und Erfahrung
  • Verlässliche Einsatzbereitschaft

 

Unabhängigkeit der Gehörlosenverbände

Die Kritik betrifft nicht nur Dolmetschende. Auch Gehörlosenverbände sollen unabhängig sein. Momentan hängen sie oft von Hörenden oder GSD ab – ähnlich wie Europa von anderen Ländern abhängig ist (USA, China, IT, Energie).

Die Verbände sollten:

  • Eigenständig handeln, unabhängig von externen Interessen
  • Alternative Lösungen anbieten
  • Den freien Markt für Dolmetschende vergrößern
  • Zertifizierte Kommunikationsassistenten einsetzen
  • Behörden helfen, eigene Gebärdensprachservices aufzubauen
  • Mehr Zusammenarbeit mit Behörden, Polizei und Notdiensten, um den Umgang mit Gehörlosen zu verbessern
  • Falsche Wege der Gebärdensprachdozenten korrigieren: Viele unterrichten bisher fast nur Bürger. Sie sollten auch Behörden, Polizei und Krankenhäuser mit speziellen Fachgebieten ausbilden, damit Gehörlose in allen Situationen gut unterstützt werden

 

Gesetzliche Regeln und 24/7-Verfügbarkeit

Die Community fordert, dass Dolmetschende gesetzlich verpflichtet werden, ähnlich wie Ärzte oder Notdienste:

  • 24/7 einsatzbereit sein, auch Wochenenden und Feiertage
  • Verbindliche Qualitätsstandards und Zertifikate
  • Transparente Preise für Auftraggeber

So können Gehörlose immer Zugang zu Dolmetschenden haben, wenn sie sie brauchen.

 

Zusammenfassung

  • JVEG gilt nur für Gerichte, außerhalb gelten freie Preise.
  • Kosten, Qualität und Einsatzbereitschaft werden kritisch gesehen.
  • Gebärdensprache allein reicht nicht, inhaltliche Präzision ist nötig.
  • Gehörlosenverbände sollen unabhängig handeln und Alternativen fördern.
  • Gesetzliche Pflichten und 24/7-Verfügbarkeit würden die Teilhabe sichern.

Nur mit klaren Regeln, fairen Preisen und Qualitätskontrollen können Dolmetschende, Verbände und Gehörlose sicherstellen, dass Kommunikation zuverlässig, barrierefrei und unabhängig funktioniert.

Bild von Kai Reschke auf Pixabay

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