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Hörgeräteakustiker: Große Probleme für Gehörlose

by info@deaf24.com

Ein aktueller Test hat gezeigt, dass viele Hörgeräteakustiker große Schwierigkeiten im Umgang mit gehörlosen Kunden haben. Für Gehörlose ist der Weg zu einem passenden Hörgerät oft mit Hindernissen und viel Stress verbunden.

Die Probleme bei Hörgeräteakustikern

1. Keine Gebärdensprache

Viele Hörgeräteakustiker, darunter auch große Ketten wie Huth & Dickert, Abele Würzburg, bieten keine barrierefreie Kommunikation an. Besonders problematisch ist, dass sie keine Huth & Dickert Mitarbeiter mit Gebärdensprachkenntnissen haben – nicht einmal in speziellen Einrichtungen wie der Karl-Kroiß-Schule für Hörbehinderte, wo Huth und Dickert eine eigene Niederlassung betreiben. Diese Schule ist eigentlich auf die Bedürfnisse hörgeschädigter Menschen spezialisiert, dennoch fehlt eine wichtige Grundlage: die Gebärdensprache.

2. Schnelles und undeutliches Sprechen

Die meisten Akustiker sprechen schnell und undeutlich. Für Gehörlose, die auf Lippenlesen angewiesen sind, ist dies eine große Herausforderung. Wenn Akustiker langsam und deutlich sprechen würden, könnten Gehörlose sie besser verstehen.

3. Weite Anfahrtswege

Einige Gehörlose müssen lange Strecken zurücklegen, manchmal 70 oder sogar über 100 Kilometer, um zu einem Akustiker zu gelangen, der sie besser betreut. Dies verursacht hohe Fahrtkosten und erfordert viel Zeit.

4. Viele Termine nötig

Der Prozess, ein neues Hörgerät zu erhalten, ist für Gehörlose besonders aufwendig. Es sind oft mindestens sechs Besuche beim Akustiker nötig:

  • Für den ersten Beratungstermin.
  • Für Hörtests und Anpassungen.
  • Für die Auswahl und Anpassung des Hörgeräts.
  • Für Nachkontrollen.
    Das bedeutet, dass Gehörlose nicht nur viel Zeit investieren müssen, sondern auch zusätzlichen Urlaub nehmen müssen, um alle Termine wahrnehmen zu können.

Hörgeräte als notwendige Hilfsmittel

Hörgeräte sind für viele Gehörlose ein unverzichtbares Hilfsmittel, um Geräusche wahrzunehmen und in bestimmten Situationen besser zu kommunizieren. Trotz ihrer Gehörlosigkeit kann ein Hörgerät ihnen dabei helfen, Alltagsgeräusche wahrzunehmen, wie zum Beispiel Alarme oder Verkehr.

Gehörlose haben daher das Recht, bei der Beratung und Anpassung von Hörgeräten verständlich und barrierefrei unterstützt zu werden.

Barrierefreie Kommunikation ist ein Menschenrecht

Laut der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), die Deutschland ratifiziert hat, haben Menschen mit Behinderungen das Recht auf barrierefreie Kommunikation. Das bedeutet, dass auch Hörgeräteakustiker sicherstellen müssen, dass Gehörlose ihre Leistungen vollständig und ohne zusätzliche Hindernisse nutzen können. Dazu gehören:

  • Die Bereitstellung von Gebärdensprachdolmetschern (GSD) auf Wunsch der Kunden.
  • Die Schulung von Mitarbeitern in den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation.
  • Klare und deutliche Sprache sowie die Nutzung von visuellen Hilfsmitteln.

Die Nicht-Einhaltung dieser Vorgaben verstößt gegen geltendes Recht und diskriminiert gehörlose Menschen.

Was muss sich ändern?

Gebärdensprachdolmetscher einsetzen

Wenn Hörgeräteakustiker keine Gebärdensprache können, sollten sie verpflichtet sein, auf Wunsch der Kunden einen Gebärdensprachdolmetscher (GSD) zu bestellen. Die Kosten dafür sollten von den Akustikern oder den Krankenkassen übernommen werden.

Bessere Schulungen für Akustiker

Hörgeräteakustiker sollten lernen, wie sie mit gehörlosen Menschen besser kommunizieren können. Dazu gehören:

  • Grundlagen der Gebärdensprache.
  • Langsames und deutliches Sprechen.
  • Sensibilität für die Bedürfnisse gehörloser Menschen.

Weniger Termine – mehr Effizienz

Der Prozess, ein Hörgerät zu bekommen, sollte einfacher und schneller gestaltet werden. Termine könnten besser organisiert werden, um die Anzahl der Besuche zu reduzieren.

Regionale Lösungen

Es ist wichtig, dass es in jeder Region mindestens einen Hörgeräteakustiker gibt, der sich auf die Beratung von Gehörlosen spezialisiert hat. Dies würde lange Fahrten und zusätzliche Kosten verhindern.

Fazit: Gehörlose brauchen barrierefreie Beratung

Hörgeräteakustiker müssen ihre Angebote dringend verbessern. Gehörlose haben das Recht auf einfache, klare und barrierefreie Kommunikation. Hörgeräte sind keine Luxusartikel, sondern wichtige Hilfsmittel, die Gehörlosen mehr Lebensqualität ermöglichen.

Die Akustiker sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und dafür sorgen, dass alle Menschen – unabhängig von ihrer Hörfähigkeit – die bestmögliche Beratung und Unterstützung erhalten. Das Einhalten der UN-BRK ist dabei nicht nur eine Pflicht, sondern auch ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichberechtigung und Inklusion.

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